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CD-Besprechung

A. Dvořák

Tudor 1 CD/SACD stereo/surround 7194

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 23.07.15

Tudor 7194

1 CD/SACD stereo/surround • 67min • 2013

Mit den Bamberger Symphonikern verbindet den englischen Dirigenten Robin Ticciati offenkundig eine enge Beziehung. Für das Label Tudor hat er bereits mehrere CDs mit Werken von Brahms und Bruckner mit den Bambergern eingespielt. Nun also folgt Dvorák – und ausgerechnet die Sinfonie „Aus der Neuen Welt“, die bereits Hunderte von Malen auf Tonträger vorliegt. Da stellt sich natürlich die Frage nach dem Sinn der Veröffentlichung. Sie kann aber tatsächlich positiv beantwortet werden, und zwar aus mehreren Gründen.

Fangen wir mit dem Zugabestück an: Die Amerikanische Suite wird von den allermeisten Dirigenten ignoriert – warum auch immer. Es handelt sich aber um eines der schönsten Stücke Dvoráks aus dem Genre der leichteren Orchestermusik – wovon übrigens auch der Komponist selbst überzeugt war. Ticciati und die Bamberger unterstreichen aufs Schönste die unterschwellige Melancholie der Musik, ohne dabei deren folkloristische Untertöne zu vernachlässigen. Dabei wird auf so natürliche Weise phrasiert, ohne jede Übertreibung, dass es eine reine Freude ist.

Natürlich, ohne Übertreibung – diese Vokabeln fallen einem auch beim Hauptwerk ein. Ticciati widersteht der Versuchung, dem beinahe zu Tode gespieltem Stück unbedingt neue, „unerhörte“ Facetten abzugewinnen. Stattdessen nimmt er einfach die Partitur beim Wort und bringt wertvolle Details – Mittelstimmen, orchestrale Akzente und Klangfarben – zum Klingen, die sonst oft im Eifer des Gefechts untergehen. Seine Deutung gibt sich keinesfalls über Gebühr dramatisch – das Scherzo beispielweise könnte durchaus ein klein wenig mehr Biss vertragen –, vermeidet aber auch konsequent jegliche Sentimentalität, die den langsamen Satz unter weniger berufenen Händen schon oft in große Gefahr gebracht hat. Zudem wird in dieser Sinfonie eine fast verloren geglaubte Rubato-Kultur gepflegt, die, in Kombination mit gelegentlichen wohlplatzierten Portamenti, der Interpretation einen beinahe „kakanischen“ Charme verleiht. Die „Neue Welt“ ist hier jedenfalls mindestens einen Ozean weit entfernt.

Nimmt man dann noch die in allen Stimmgruppen bewunderungswert ausgeprägte Klanglichkeit und Spielkultur der Bamberger hinzu, dann steht als Endresultat eine Interpretation, die dem Ideal ziemlich nahe kommt – ohne dabei die zahlreichen Referenzeinspielungen zu entwerten. Der 32-jährige Ticciati, der den Status des hochbegabten Newcomers bereits hinter sich gelassen hat, könnte, wenn er sich zukünftig auf gleichem Niveau bewegt, in die allererste Riege vorrücken.

Thomas Schulz [23.07.2015]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Dvořák Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 00:44:25
5 American Suite A-Dur op. 98b 00:22:38

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Bamberger Symphoniker - Bayerische Staatsphilharmonie Orchester
Robin Ticciati Dirigent
 
7194;0812973011941

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