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CD-Besprechung

Antonin Dvořák

String Quartets Vol. 2

cpo 777 625-2

2 CD • 2h 06min • 2011, 2012, 2013

05.02.2015

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Ob Antonin Dvořák an die Gnade des Vergessens glaubte, die Cyril Scott in seinem „Eingeweihten” einen Herrn des Karma loben ließ, entzieht sich meiner Kenntnis. Jedenfalls muß er, wie wir aus dem informativen Booklet der gegenwärtigen Produktion erfahren, fest darauf vertraut haben, dass sein 1870 verfaßtes e-Moll-Streichquartett völlig von der Bildfläche verschwinden werde, wenn er denn nur – wie drei Jahre später geschehen – die Partitur desselben vernichtete. Leider hatte er vergessen, die Stimmen einzukassieren und gleichfalls durch die Esse zu jagen. So war es möglich, für die Dvořák-Gesamtausgabe ein Werk herzurichten, das einem schier die Sprache, weil es dem Bild des schlichten Musikanten, den man in der alten und der neuen Welt so herzen und küssen möchte, einen tiefen Riß versetzt. Sebastian Urmoneit hat völlig recht, wenn er dieses Quartett mit der Burghauser-Nummer 19 als eine „der modernsten Partituren” des Meisters bezeichnet: Das kapitale, quasi durchkomponierte Stück, dessen „Andante religioso” der Komponist später als separates Notturno für Streichorchester publizierte, hat so gar nichts von der liebenswürdigen, böhmakelnden Gang- und Tonart der Polkas und Furiante, der schmachtenden Zypressen oder auch der amerikanischen Produkte, an denen sich nicht allein Winnetous Erben erfreuen.

Der junge Dvořák – er ist bei der Arbeit an dem e-Moll-Quartett gerade einmal neunundzwanzig – scheint mir an einem Scheidewege gestanden und vielleicht sogar Angst vor den Konsequenzen einer Musik bekommen zu haben, die, so Urmoneit, „der Gattungsgeschichte um mehr als eine Generation voraus” scheint. Wäre er hier weitergeschritten, hätte er die faszinierenden Herausforderungen angenommen, die er sich mit diesem Werk stellte, dann hätte er sehr schnell die „luft von anderen planeten“ atmen müssen. Und ob er das wollte, ist fraglich. Der sichere Boden der Heimat, die rhythmische, melodische und harmonische Stütze waren ihm offenbar unverzichtbar – in jedem Falle aber ein Schlüssel zum zeitlichen Erfolg und zu einer Popularität, deren Ende (durchaus verdientermaßen) nicht absehbar ist.

Mich fasziniert dieses Stück indes in seiner herben, ungeschönten, radikalen Art, weil es so ehrlich wirkt. Und es fasziniert mich zu hören, dass die „Voglers” just diese Kreation zum Dreh- und Angelpunkt ihrer Betrachtungen gewählt haben. Bevor ich ihr e-Moll-Quartett gehört hatte, wollte mir einiges andere noch befremdlich vorkommen. Das „Amerikanische” etwa und die niedlichen Bagatellen mit Harmonium auf dem ersten Doppelalbum (cpo 777 624-2), die beiden saftigen Spätwerke op. 105 und 106 – all das wirkte mir ein wenig trocken und gebremst, bis mir im Lichte des B 19 ein solches aufging: Anscheinend steckt(e) hinter der Verdrängung des folkloristisch-hemdsärmeligen Dvořák durch den klug disponierenden, den handwerklich beschlagenen und aus eigenen Initiativen sich nährenden Komponisten eine Methode, die darauf abzielt(e), von der ach so freundlich-beifallträchtigen Oberfläche in jene tieferen Regionen vorzudringen, wo eine brodelnde Lava dominiert, die nur durch wohlerwogene, planvolle Bändigung ans Licht der Öffentlichkeit gelangen durfte. Das würde denn auch erklären, warum Dvořák sein phänomenales e-Moll-Quartett am liebsten der Gnade des Vergessens überantwortet hätte: Wie’s drinnen aussah, ging niemand was an. Glücklicherweise hatte das Schicksal – oder wen immer man dafür verantwortlich machen will – ein Einsehen. Sonst hätten wir jetzt nicht diese außergewöhnliche Aufnahme eines außergewöhnlichen Werkes.

Rasmus van Rijn [05.02.2015]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Antonín Dvořák
1Streichquartett Nr. 14 As-Dur op. 105 für 2 Violinen, Viola und Violoncello 00:34:23
5Streichquartett Nr. 4 e-Moll B 19 00:35:44
CD/SACD 2
1Streichquartett Nr. 13 G-Dur op. 106 00:40:19
5Zypressen (12 kurze Sätze für Streichquartett; Nr. 4, 5, 8, 9, 10) 00:15:11

Interpreten der Einspielung

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