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CD-Besprechung zum Thema
Beethoven-Jahr 2020: Klavier solo

The Koroliov Series Vol. XVI

Tacet 208

1 CD • 66min • 2014

06.02.2015

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Die „Koroliov Series“ halten bei Nummer 16 an! Und wenn man sich Koroliovs Gestaltung des „ Arietta“-Satzes aus Beethovens c-Moll-Sonate (op. 111) im Nachhinein gleichsam vor Ohren hält, dann steuert der Interpret mit Tempo auf das nächste Projekt zu – sofern dieses nicht schon im ominösen „Kasten“ des Produzenten ist. Gemeint ist Folgendes: Koroliov hat sich entschieden, diesen vom Komponisten „Adagio molto semplice e cantabile“ überschriebenen und von daher auch von so gut wie allen mir bekannten Ausführenden betont ruhig und langsam abgetönten Satz mit zartem, aber deutlichen Nachdruck zu beschleunigen. Nur 17:30 Minuten nimmt hier die zum Andante-Modus tendierende Gang- und Tastart in Anspruch. Sie entkleidet den Satz zunächst von der vertrauten – und wie als verbürgt empfundenen – Atmosphäre einer gedrängten Weihestunde, einer heiligen Handlung. Im Allgemeinen scheinen ja die Pianisten und ihre weiblichen Kollegen einen Bogen um das Arietta-Thema zu machen, so diskret, so verhalten und scheu wird diese choralartige Szene angefasst, sozusagen pianistisch unbefleckt belassen.

Ich muss gestehen, mich sehr schnell an Koroliovs behenderen, erhöhten Puls gewöhnt zu haben. Es gelingt ihm, den Hörenden schon nach kurzer Zeit auf sein Spiel einzujustieren. Und es dauert nicht lange, bis die breiteren Zeitmaße der bekannten Darstellungen mit all ihren Konsequenzen ritueller Hochspannung in Vergessenheit geraten. In der ersten schnellen, krass rhythmisierten „Bebop“-Variation hält sich Koroliov allerdings etwas zurück, formuliert weniger schneidig als Friedrich Gulda oder auch Fazil Say in seiner Naive-Einspielung.

Wenn ich hier Gulda erwähne, dann beziehe ich mich auf seine Philips-Aufnahme der c-Moll-Sonate, denn an deren im Kopfsatz packend und zugleich mit Umsicht gebündelte, wenn nötig auch zur Explosion gebrachten Kräfte kommen selbst die einprägsamsten Darstellungen des reichen Katalogs nur selten heran. Es wäre schön, wenn die Deutsche Grammophon ihren neuen Paradepianisten Grigory Sokolov davon überzeugen könnte, den SWR-Mitschnitt vom 23. Januar.2004 auch im CD-Format publizieren zu dürfen. Denn so ungeheuerlich dramatisch und bis zum Siedepunkt erhitzt wie damals in Mainz habe ich den ersten Satz noch nie erlebt.

Die Sonaten op. 109 und op. 110 liegen bei Evgeni Koroliov in guten Händen, will meinen: sie wirken im Satzbau klug und ohne jede modulatorische und anschlagstechnische Extravaganz vorgetragen, also kühlen Kopfes, aber keinesfalls unterkühlt. Die lyrischen Akkordzerlegungen weit über die Klaviatur am Beginn der As-Dur-Sonate ereignen sich in einer farblich-atmosphärischen Zone zwischen Begrifflichkeit und vorsichtigem Träumen. Das heißt: Koroliov hat – etwa im Gegensatz zum Klavierprediger Wilhelm Kempff – stets Boden unter den interpretatorischen Füßen. Er geht spielend und lauter erzählend seines Weges, den Schwebemodus überlässt er anderen – es ist sein gutes Recht! Unter solchen Umständen höchster Gediegenheit kann man – wie mir vorkommt – die drei finalen Beethoven-Sonaten als eine schöpferische Einheit aus Idee, kompositorischer Ausarbeitung und Botschaft erleben.

Vergleichseinspielungen - Op. 111: Benedetti Michelangeli (London 1961 – AS330; Decca LP 641551 AN), Gould (Sony SM3K 52642), Judina Melodia/Eurodisc LP 301595-445), Levit (Sony 88883703873), Lamond (Reproducing Piano – 1923 fonè 90 F 06 CD), Say (Naive V5347), Tanski (MDG 912 1866-6), Pi-Hsien Chen (hat –now- art 193), Rubinova (telos music TLS 193), Gulda (Philips 412 114-2; Amadeo 423 754-2), Pogorelich (Unitel classica DVD 701308), Kronenberg (Sony SK 93865).

Peter Cossé † [06.02.2015]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ludwig van Beethoven
1Klaviersonate Nr. 30 E-Dur op. 109 00:18:54
4Klaviersonate Nr. 31 As-Dur op. 110 00:19:56
7Klaviersonate Nr. 32 c-Moll op. 111 00:26:55

Interpreten der Einspielung

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