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CD-Besprechung

cpo 777 864-2

1 CD • 72min • 2014, 2013

05.12.2014

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

„Georg Alfred Schumann, mit dem berühmteren Herrn aus Zwickau weder genetisch verwandt noch verschwägert, erblickte am 25. Oktober 1866 im sächsischen Königstein das Licht der Welt. Er starb, als erster Deutscher von Theodor Heuss mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik ausgezeichnet und auch sonst hochdekoriert, am 23. Mai 1952 in Berlin, wo er sich in den Nachkriegsjahren – übrigens gemeinsam mit Hans Chemin-Petit und Sergiu Celibidache – erfolgreich um den Wiederaufbau eines manierlichen Musiklebens bemüht hatte. Als Kind einer vielgliedrigen Musikerfamilie war er natürlich schnell in die richtigen Bahnen geraten, die ihn nach dem Dresdner Anfangsunterricht über das Leipziger Konservatorium eines Carl Reinecke und Salomon Jadassohn als Chordirigent nach Danzig und Bremen führten, ehe er die Leitung der Berliner Singakademie übernahm. Als Pianist formierte er ein eigenes Klaviertrio, zu dessen erster Zusammensetzung Carl Halir an der Geige und Hugo Dechert am Violoncello gehörten. Seit 1918 war er Vizepräsident, seit 1934 Präsident der Preußischen Akademie der Künste, an der er zudem über dreißig Jahre die Meisterklasse für Komposition leitete.”

Es sei mir gestattet, meine dritte Begegnung mit Georg Schumann mit demselben biographischen Abschnitt einzuleiten, den ich schon für meine Anmerkungen zu den beiden Klaviertrios op. 25 und op. 62 [Klassik-Heute Besprechung vom 30.11.2011] sowie für die Kopplung der frühen Preissymphonie h-Moll und der entzückenden Serenade op. 34 [Klassik-Heute Besprechung vom 29.11.2012] benutzte. Erstens sind seit der Veröffentlichung dieser beiden cpo-Produktionen ein paar Jahre ins Land gegangen, und zweitens ist auch jetzt über Schumann II. nichts wirklich Neues zu vermelden: Indessen wir zwei solide Stücke aus der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende vor uns haben, schwebt der übermächtige Geist des eben erst verstorbenen Johannes Brahms weithin sicht- und hörbar über den Notenpapieren, während am fernen Horizont gelegentlich die schemenhaften Umrisse des Namensvetters Robert und seines Kollegen Felix Mendelssohn aufziehen.

Bei der Komposition seiner Cellosonate in der bezeichnenden Tonart e-Moll war Georg Schumann drei-, bei der Arbeit an seinem (immerhin nicht in g-Moll abgefaßten) Klavierquartett fünfunddreißig Jahre alt. Und hatte dennoch keine Hemmungen, sich eines Motiv- und Formenschatzes zu bedienen, den wir in beiden Werken sofort werden identifizieren können, wobei Schumann zwar insgesamt stärker und also einprägsamer agiert als es der ältere Brahms-Gefolgsmann Heinrich von Herzogenberg in seinen Kammermusiken tat, gegen formelhafte Leerläufe aber dennoch nicht gefeit ist. Nachdem die beiden ersten Quartettsätze – ein tragisch-dramatisches, feuriges Abenteuer sowie ein wehmütig-bezauberndes, ja beglückendes Idyll, zu dem Fritz Overbecks „Abend im Moor” als Cover ganz vorzüglich passen will – ein gleichbleibend hohes Niveau erreichten, wirkt mir das Scherzo wie eine Pflichtübung, die besonders in ihrem rüde repetitiven Trioteil schnell ermüdet, bevor das abschließende Allegro con passione das hinlänglich bekannte Finalproblem mit vielem Wüten und Toben bei den Hörnern packt.

In der dreisätzigen und dennoch ebenfalls gut halbstündigen Cellosonate ist eine umgekehrte Spannungskurve zu beobachten. Schematisch erscheinen mir hier zunächst die auf die jeweils zweite Achtel nachschlagenden Klavierakkorde, die die wiederum von Brahms-Triolen erfüllte Kantilene des recht schulmäßig gestalteten Kopfsatzes stützen. Dem hübschen Andante cantabile, über dessen Zitat aus Robert Schumanns Violinsonate op. 121 füglich nachzusinnen wäre, tritt das schmetternde Finale in den Weg, das nach einem triolischen Ausrufezeichen und einem rezitativischen Solo des Streichers in mehr oder regelmäßigen Abständen auf das Hornthema aus Brahms’ zweitem Klavierkonzert zu sprechen kommt. Hier läßt Georg Schumann noch einmal die Muskeln spielen, und so endet die reichlich gefüllte CD mit ähnlich grandiosen Gesten, wie wir sie zu Beginn in dem massiven Quartett vernehmen konnten: Der klugen dramaturgischen Entscheidung der Verantwortlichen, das frühere Opus nach hinten zu rücken, entspricht die in allen Positionen engagierte Darbietung der Künstler, die nicht nur den Partituren das Höchste abgewinnen, was an Musik darinnen steckt, sondern auch nach bestem Vermögen mit den allzu dichten Klangballungen fertig werden, die der Komponist an den Knotenpunkten der Ereignisse nicht vermeiden konnte.

Rasmus van Rijn [05.12.2014]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Georg Schumann
1Klavierquartett f-Moll op. 29 00:37:28
5Sonate e-Moll op. 19 für Violoncello und Klavier (Professor Hugo Becker gewidmet) 00:34:11

Interpreten der Einspielung

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