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CD-Besprechung

Josef Holbrooke

Clarinet Chamber Music

cpo 777 731-2

1 CD • 76min • 2012

19.12.2014

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Josef Holbrooke (1878-1958) gehört zu jenen englischen Komponisten, die vor dem Ersten Weltkrieg kurzfristig sehr erfolgreich waren, dann aus der Mode kamen und heute fast völlig vergessen sind. In unterschiedlichen Graden ist ähnliches ja auch Arnold Bax, Havergal Brian, Frank Bridge oder Cyril Scott widerfahren – auffallend, dass es sich dabei durchweg um Meister einer vielfarbig eklektizistischen Sprache zwischen Spätromantik und Impressionismus mit Einsprengeln expressionistisch-dissonanter Bizarrerien. Holbrooke war vor allem mit seinen frühen symphonischen Dichtungen sehr erfolgreich und erhielt den respektvoll-humoristischen Titel eines ‚Cockney Wagner’ zuerkannt. Er ist nicht nur ein Meister der Farbe, sondern auch der Melodie und der Form. Gerade in seinem Klarinettenquintett werden wir immer wieder von einer seltenen Innigkeit der Empfindung wie auf Flügeln mitgenommen, und der eher melancholisch versonnenen, nächtlich gestimmten Grundveranlagung ist eine Spritzigkeit und quicklebendige Kapriziosität entgegengesetzt, die weit mehr straussisch als wagnerisch anmuten. Hier ist seine Kammermusik mit Klarinette vorgelegt, die aus sechs Stücken für Klarinette und Streichquartett (von welchen drei die Endfassung des Klarinettenquintetts bilden), einem nächtlich am Rande der Stille walzernden Nocturne ‚Fairyland’ für Bratsche, Klarinette und Klavier, und zwei späteren, lyrischen Nachtstücken (‚Cyrene’ und ‚Phryne’) in Miniaturformat für Klarinette und Klavier besteht. Tritt das Klavier hinzu, so wird die Faktur deutlich impressionistischer, in passagenweise offenkundiger Verehrung für Debussy zugleich fern dem narrativ verfließenden Naturton seines Landsmanns Frederick Delius stehend.

Die Formung des Klarinettenquintetts zu einer endgültigen Fassung hin erstreckte sich vom Beginn bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Am Anfang stand ein Hornquintett, dann entstanden daraus zwei zweisätzige Klarinettenquintette, dann Ende der dreißiger Jahre ein dreisätziges Klarinettenquintett mit einem neuen (aus früherem Material generierten) Finale für Reginald Kell, und letztlich flog dieses Finale wieder raus, ebenso wie die umfang- und abwechslungsreichen Variationen über ein eigenes Thema, und die dreisätzige Endfassung bildet ein bezauberndes geschlossenes Ganzes mit einem großen Kopfsatz in der Art einer symphonischen Dichtung, einer sanften Canzonet und einem musikantisch fein gearbeiteten Finale – wobei das andere Finale für Kell hinter diesem auch nicht zurücksteht, und auch das elegische Andante sostenuto ‚Eilean Shona’ als alternativer Mittelsatz gleichwertig in Frage kommen könnte. So wundervoll die stimmungsvollen langsamen Sätze sind, zeigt sich Holbrooke doch von seiner hinreißendsten Seite in den symphonischer durchgearbeiteten Kopf- und Finalsätzen, die Stürmisch-Dramatisches bis Übermütiges mit ausuferndem Lyrismus vereinen, sowohl in der Harmonik als auch in der farbenreichen Instrumentierung hohe und eigentümliche Imaginationskraft beweisen, und mit ihrer sanglichen Melodik stets unmittelbar berühren und fesseln. Man könnte den Eindruck haben, dass sich Holbrookes Tonsprache (anders als etwa diejenige von Brian oder Bridge, aber auch Bax) kaum wirklich verändert hätte von der erfolgreichen Frühzeit zum missachteten Spätwerk, dass weiterhin dieselbe Faszination fürs Idyllische, Versonnene und musikantisch Anspringende versprüht. Jedenfalls ist er alles andere als ein typischer englischer Pastoralkomponist in der Art von Vaughan Williams oder Ireland und ließ sich derart auch überhaupt nicht einordnen in irgendeinen Kanon. Vielleicht war sein Schaffen seinen Landsleuten einfach zu wenig national – ein Schicksal, das er mit Gustav Holst und ganz besonders John Foulds teilen würde.

Klarinettist Robert Plane spielt nicht nur souverän und makellos, er hat sich den Tonfall der Musik inwendig angeeignet, und seine Streicherkollegen sowie Pianistin Sophia Rahman erweisen sich als vorzügliche Mitstreiter. Das Klangbild ist sehr natürlich und durchsichtig eingefangen, die Bookleteinführung von Franz Groborz informiert ziemlich umfassend, feinfühlig und sehr umsichtig.

Christoph Schlüren [19.12.2014]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Josef Holbrooke
1Klarinettenquintett op. 27 00:27:43
4Cyrene op. 88b – Larghetto e espressivo
5Phryne op. 98b – Poco lento sostenuto 00:05:10
6Variations op. 27 Nr. 1 00:12:05
7Nocturne op. 57 Nr. 1 (Fairyland) 00:11:02
8Eilean Shona op. 74 – Andante sostenuto 00:04:16
9Clarinet Quintet op. 27 00:09:54

Interpreten der Einspielung

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