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CD-Besprechung

E. Kallstenius

cpo 1 CD 777 361-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 06.11.14

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cpo 777 361-2

1 CD • 56min • 2007

Edvin Kallstenius (1881-1967), Zeitgenosse Bartóks und Strawinskys in Schweden, war der Prototyp eines höchst originellen Außenseiters. Für die Modernisten im Gefolge des 1892 geborenen Hilding Rosenberg war seine Musik zu tonal, für die Nationalromantiker seiner Generation wie den durchaus fortschrittlichen Ture Rangström oder Kurt Atterberg zu abweisend eigensinnig und wohl auch für viele zu dissonant und rauh. Kallstenius, der am Leipziger Konservatorium bei dem Fugenmeister Stephan Krehl studiert hatte, war als Symphoniker ein Spätzünder, zum Zeitpunkt der Entstehung seiner Ersten Sinfonie Es-Dur op. 16 1926 mit 45 Jahren älter als Brahms mit seinem späten Erstling. Kallstenius schrieb in der Folge noch vier weitere Sinfonien, die uns nun natürlich auch sehr interessieren würden (hoffentlich macht cpo in Helsinborg, wo man nach dem Weggang Andrew Manzes den Kontakt weiter pflegt, hier weiter, denn der Stoff lohnt durchaus!). Neben der Ersten Sinfonie ist auf diesem ersten Kallstenius-Album auch die 1946 komponierte zweite von vier Sinfonietten und die Musica Sinfonica op. 42 von 1959 vertreten. Alle diese Werke sind dreisätzig, was übrigens auch für alle fünf Sinfonien des rätselhaften Meisters gilt (die weiteren entstanden 1935, 1948, 1954 und 1960).

Die Erste Sinfonie, die hier in der revidierten Fassung von 1941 gespielt wird, wurde 1928 uraufgeführt und erfuhr, wie uns Stig Jacobsson in seinem gewohnt informationsreichen Booklettext wissen lässt, sehr gemischte kritische Reaktionen von prominenter Seite. So meinte Kollege Atterberg: „Muss man sich eine Moralpredigt anhören? Das Publikum hat das Recht auf musikalische Evangelien statt steinerner Gesetzestafeln.“ Und der große Rangström meinte über den drei Jahre älteren Kollegen nicht nur, er sei „kein liebenswürdiger Komponist, der zum Beifall einlädt“, sondern empfahl gar, sich beim Anhören Watte in die Ohren zu stopfen, um zugleich zu konzedieren, Ehrlichkeit, klare Absicht und Empfindung seien vorhanden, Kallstenius kokettiere nicht „mit seinem Modernismus“. Das Fazit hätte auf ein Pilzgericht zutreffen können: nicht ungesund, aber ungenießbar.

Wie geht es uns heute mit dieser Sinfonie? Wir erwarten keine Schmeicheleien mehr. Der Kopfsatz ist ein gewaltiges düster-schicksalhaftes Drama im Gefolge der naturhaften Abenteuerlichkeit des Kopfsatzes von Sibelius’ Erster Sinfonie. Ein großer, beeindruckender Wurf, in dunkle Farben getaucht, eruptiv, von deklamatorisch beschwörender Energie, und, ja, keinesfalls gefällig, aber stets spannend und überwiegend unerwartet. Am originellsten ist der zweite Satz, ein Intermezzo malinconico, mit abgebrochenen Streicherlinien, durchsetzt von Pizzicato-Phrasen am Rand der Stille – ein bisschen wie eine Verknüpfung der durchbrochenen Energien am Schluss des Trauermarschs der Eroica mit Valse triste-Atmosphäre. Eine Musik, bei der die Zeit stillsteht, und mittendrin gibt es als Trio eine Art heitere Scherzoeinlage. Das Finale, scharf und extrovertierter im Ton, wieder mit mancherlei Schroffheiten aufwartend, ist nun doch etwas zu knapp geraten, um ein angemessenes Gegengewicht zum mächtigen Kopfsatz zu bilden. Es wirkt eher wie ein Scherzo, nach welchem wir nun ein Finale erwarten würden. Insgesamt ein hochoriginelles, substanzielles Werk in bester nordischer Manier zwischen Spätromantik und Moderne, handwerklich von erlesener Detailverarbeitung der Motivik geprägt und effektvoll instrumentiert, ohne dem Effekt als Selbstzweck zu huldigen.

Die zweite Sinfonietta op. 34, 20 Jahre später entstanden, hält da nicht mit. Die Anlage der bewegten Ecksätze ist viel kleingliedriger, mit viel instrumentalem Wechsel der knappen Motivik, die öfters etwas zusammengebastelt wirkt. Gleichwohl könnte eine langfristiger einstudierte Aufführung hier wohl noch manches Wunder bewirken. Sehr schön innig ist der getragene Espressivo-Mittelsatz. Mir sagt die ähnlich kompakt gehaltene, weitere 13 Jahre später komponierte Musica Sinfonica mehr zu, und hier schlägt gelegentlich – wie immer wieder auch bei Rosenberg – der romantisch empfindende Melodiker durch, der seine Schwingen – außer im zentralen Adagio poco religioso – nur ganz zaghaft ausbreitet. Kein Zweifel, diese bei allem Reichtum der Eindrücke durchsichtig geschriebene Musik hat Zauber, doch der will erobert werden. Weniger taktweise Betonung täte meist dem Fluss gut, doch dafür bedürfte es umfangreicherer Probenmöglichkeiten. Tontechnisch ist das Ganze sehr behutsam und ziemlich klar abgebildet und macht uns gespannt auf mehr von Kallstenius.

Christoph Schlüren [06.11.2014]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 E. Kallstenius Sinfonie Nr. 1 Es-Dur op. 16 00:22:46
4 Sinfonietta Nr. 2 G-Dur op. 34 00:16:59
7 Musica Sinfonica op. 42 00:16:21

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Helsingborg Symphony Orchestra Orchester
Frank Beermann Dirigent
 
777 361-2;0761203736126

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