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CD/SACD-Besprechung

Russian Moments

Ars Produktion ARS 38 151

1 CD/SACD • 65min • 2014

16.10.2014

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Manchmal sagt ein Foto viel aus. Wenn der 25jährige Nachwuchspianist Mario Häring am Klavier sitzt, präsentiert er sich als leidenschaftlich aufgewühlter Interpret, unübersehbar mit der Musik mitlfühlend. Er sucht das emotionale Innenleben der einzelnen Werke freizulegen, und da ist er natürlich mit russischer Musik um 1900 am richtigen Ort: „Rachmaninow bewegt das Herz und die Seele, Prokofjew den Verstand und die Psyche“, so definiert Mario Häring selber die Hauptstücke seiner Debüt-CD „Russian Moments“. Freilich wird man ihm nicht unterstellen wollen, er bade ausschliesslich in gefühlvollen Gewässern. Im Gegenteil, er sucht immer wieder nach deutlichen, ja gelegentlich heftigen Kontrasten, die er sowohl in den Six Moments Musicaux op. 16 von Sergei Rachmaninow wie vor allem in der 2. und 3. Klaviersonate von Sergei Prokofjew findet. So zeigt er sich, wie in beigefügten Interview-Ausschnitten deutlich wird, gerade bei der 2. Prokofjew-Sonate von der frappanten Konfrontation der beiden letzten Sätze fasziniert – „depressive Grundstimmung“ hier, „karnevaleskes Durcheinander“ dort.

Mario Häring, deutsch-japanischer Herkunft und (Star-)Schüler von Karl-Heinz Kämmerling und Lars Vogt in Hannover, erkennt in Rachmaninow wie in Prokofjew offenbar so etwas wie Geistesverwandte. Insofern ist die Auswahl geschickt getroffen, weil die erkorenen Werke von Komponisten in ihren Zwanzigern geschrieben wurden – sie somit alle junge Musiker auf dem Weg zu sich selber. Mario Häring beherrscht die einschlägigen Facetten, aber Rachmaninows schwärmerische Melancholie scheint ihm letztlich eine Spur näher zu liegen. Hier kann er poetischen Elementen nachsinnen, derweil bei Prokofjew das rhythmische, ja schlagzeuggeprägte Moment in den Vordergrund tritt. Da spürt man mitunter das Einstudierte noch allzu deutlich.

Als möchte er diesen Eindruck korrigieren, spielt Häring als Quasi-Zugabe vier brillante und nicht zuletzt technisch äusserst anspruchsvolle Piècen von Nikolai Kapustin. Der 1937 in der Ukraine geborene Komponist pendelt zwischen Jazz und klassischer Musik, sozusagen Gershwin in russischer Maske. Häring empfindet dessen 1984 verfasste Konzertetüden op. 40 denn auch konsequent als Jazz-Etüden – und es gelingt ihm in der Tat schlüssig, deren „Spielfreude und Spass“ (Zitat Häring) in lockerem Zugriff über die diskographische Rampe zu bringen. (Im CD-Heft hat sich bei der Auflistung ein bedauerlicher Fehler eingeschlichen: Prokofjews 2. Sonate op. 14 wird zweimal aufgeführt, dabei handelt es sich bei Track 11 natürlich um die 3. Sonate op. 28.)

Mario Gerteis † [16.10.2014]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Sergej Rachmaninow
1Moments musicaux op. 16 00:29:00
Sergej Prokofjew
7Klaviersonate Nr. 2 d-Moll op. 14 00:18:34
Nikolai Kapustin
12Eight Concert Études op. 40 No. 1-8 00:09:37

Interpreten der Einspielung

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