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CD-Besprechung

K. Aho

BIS 1 CD/SACD stereo/surround 2036

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 18.08.14

Klassik Heute
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BIS 2036

1 CD/SACD stereo/surround • 58min • 2013

Eines der ambitioniertesten kompositorischen Projekte des Finnen Kalevi Aho war es, wie er selbst im Beihefttext zu vorliegenden CD schreibt, für jedes im herkömmlichen romantischen Orchester vertretene Instrument ein Solokonzert zu komponieren. Mit dem 2011 vollendeten Hornkonzert wurde dieses Projekt zum Abschluss gebracht – und dies auf ebenso souveräne wie faszinierende Weise. Es handelt sich um ein 26-minütiges, einsätziges Werk, in dem der Solist – oder besser: die Solistin Annu Salminen, für die das Konzert komponiert wurde und die es auch eingespielt hat – nicht vor dem Orchester steht, sondern sukzessive um das Orchester herum wandert, bis die letzten Hornklänge von ferne, hinter der Bühne erklingen. Der Solostimme sind heikle Aufgaben gestellt, bis hin zur Intonation von Mikrointervallen. Trotz der freien Form beschreibt das Opus einen logisch und konzise anmutenden Weg; am Ende hat der Hörer das Gefühl, am unausweichlichen Endpunkt einer Reise angekommen zu sein. Wie oft bei Ahos Solokonzerten wäre es nicht falsch, hier von einer verkappten Sinfonie zu sprechen – nicht nur aufgrund der architektonischen Struktur, sondern auch des durchweg ernsten, ja gelegentlich tragischen Charakters der Musik. Das Werk steht Ahos besten Konzerten – etwa denen für Flöte, Klarinette und Kontrafagott – qualitativ keineswegs nach.

Gleich nach der Vollendung des Hornkonzerts machte sich Aho an die Komposition eines weiteren, diesmal extrem ungewöhnlichen Konzerts: er schrieb es für die Theremin-Solistin Carolina Eyck. Wir erinnern uns: Das Theremin ist eines der ersten elektronischen Musikinstrumente überhaupt, entwickelt um 1920 in der UdSSR von Lew Termen – im Westen bekannt als Léon Theremin. Der Spieler berührt das Instrument nicht, sondern generiert Tonhöhe und Lautstärke, indem er seine Hände vor den beiden Antennen bewegt, die an den beiden Seiten des Instruments angebracht sind. Da es auf diese Weise ausgesprochen schwierig ist ist, bruchlos zwischen einzelnen Tonhöhen zu wechseln, ist das Glissando eines der hervorstechendsten klanglichen Merkmale des Theremins. Wer wissen will, wie es aussieht, wenn dieses Instrument gespielt wird, kann sich auf seinem Computer den Videoclip ansehen, der auf der CD enthalten ist.

Ahos Thereminkonzert trägt den Untertitel „Die acht Jahreszeiten“: Das Volk der Samen untergliedert das Jahr traditionell in acht Teile. Größtenteils trägt die Musik deskriptiven Charakter: Wir hören „Schwarzen Schnee“ ebenso wie „Frostwinter“ und „Eisschmelze“, bevor die „Mitternachtssonne“ den beruhigten Abschluss bildet. Da es für den Theremin-Spieler so gut wie unmöglich ist, sich in einer Musik ohne tonale Schwerpunkte zu bewegen, mutet die Harmonik (und Melodik) traditioneller an als sonst bei Aho; gelegentlich grüßt von Ferne die Klangwelt Einojuhanni Rautavaaras. „Das Theremin als Soloinstrument zu hören, kann für den Zuhörer ein magisches Erlebnis sein“, schreibt Aho. Vielleicht jedoch benötigt es dazu den visuellen Eindruck ebenso wie den akustischen. Es sei nicht verschwiegen, dass die vielen Glissandi des Theremins – und das leise Gezwitscher, mit dem das Werk endet – beim ersten Hören vielleicht (unfreiwillig?) komisch anmuten können. Vielleicht muss man sich erst einmal von unwillkürlich auftretenden filmmusikalischen Assoziationen befreien, bevor man das Werk in seiner unnachahmlichen und einmaligen Klanglichkeit goutieren kann. Doch wiederholtes Hören lohnt durchaus, wie stets bei Aho!

Thomas Schulz [18.08.2014]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 K. Aho Konzert für Horn und Kammerorchester 00:26:19
6 Acht Jahreszeiten 00:31:13

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Caronlina Eyck Theremin
Lapland Chamber Orchestra Orchester
John Størgårds Dirigent
 
2036;7318599920368

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