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CD-Besprechung

Pablo de Sarasate

Opera Phantasies

Pablo de Sarasate

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 15.01.14

MDG 903 1819-6

1 CD/SACD stereo/surround • 74min • 2013

In einer Zeit, die nicht wie die unsere durch die ständige Verfügbarkeit von Musik geprägt war, hatten die im 19. Jahrhundert praktisch allgegenwärtigen Konzertphantasien und Reminiszenzen an berühmte Opern in etwa die Funktion der späteren Querschnitte auf Schallplatte: Sie machten oft mit den Werken, die sehr aufwendig zu realisieren waren, in einer sparsamen und damit machbaren Besetzung überhaupt erst bekannt; und man konnte die beliebtesten Melodien auch einmal außerhalb des Theaters hören. Diese etwas profane Funktion wurde meist ästhetisch angereichert durch die Virtuosität der einzelnen Instrumentalparts, in welchen besonders Geiger und Pianisten zeigen konnten, ob sie ein Publikum in Raserei versetzen konnten.

Es überrascht daher angenehm, dass Volker Reinhold und Ralph Zedler ihre Sammlung mit insgesamt sechs Opernphantasien Pablo de Sarasates nicht als eine Aneinanderreihung bloßer Virtuosenvehikel verstehen. Die einleitende Carmen-Phantasie, das wohl bekannteste Stück des „Teufelsgeigers“ Sarasate, hat in der Version der beiden so gar nichts Rattenfängerisches, vielmehr werden die einzelnen Teile – etwa die Flageolettpassagen in der „Introduction“ – geradezu aufreizend bedächtig genommen, was eine höchst präzise und vollkommen geschmackvolle Phrasierung ermöglicht. Es wird also die kompositorische Substanz Bizets und nicht zuletzt auch der Ehrgeiz Sarasates (man höre die kanonischen Imitationen in der „Habanera“-Paraphrase!) ernst genommen, nicht etwa schnöde dazu benutzt, Geläufigkeit zu demonstrieren. Geigen-Aficionados könnten das vielleicht bedauern, weil sie das Virtuosenfutter vermissen, die Werke jedoch gewinnen durch das nuancenreiche Spiel von Volker Reinhold und Ralph Zedler.

Verschwiegen werden darf jedoch auch nicht, daß manche der Phantasien in ihrem Verzicht auf jegliche Show-Elemente letztlich auch ein wenig witzlos erscheinen. Besonders die Fantasie über Mozarts Zauberflöte, auch die über Webers Freischütz, üben sich in geradezu frappierend demütiger Selbstbescheidung gegenüber den Originalen. Volker Reinhold artikuliert die lyrischen Melodien zwar gesanglich und ausdrucksvoll, und bei beiden Musikern muß die echte Piano-Kultur auch in schnelleren Passagen, überhaupt ihre zurückhaltende kammermusikalische Haltung hervorgehoben werden; doch verlieren gerade die Mozart- und Weber-Paraphrasen auch ein wenig zu sehr an Bravour, wenn sich sowohl die Komposition als auch die Interpretation ein wenig einfallslos mit der Wiedergabe der Melodien begnügen. Zeitweise – auch in einigen Momenten der Gounod-Caprice nach Roméo et Juliette – leistet die Musik kaum mehr, als die Opernmelodien brav wiederzugeben: eine Funktion, welche die Konzertfantasien heute, wie gesagt, verloren haben. Es bleibt der sympathische Eindruck seriöser Interpretation, die nur manchmal – für Virtuosenstücke eigentlich uncharakteristisch – droht, zu blaß zu wirken.

Dr. Michael B. Weiß [15.01.2014]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 P. de Sarasate Fantasie sur Carmen de G. Bizet op. 25 00:13:33
2 Fantaisie sur La Flûte enchantée de W.A. Mozart op. 54 00:13:25
3 Le Freischütz. Opéra de C.M. de Weber op. 14 (Fantaisie) 00:12:19
4 Réminiscence de Martha de F. de Flotow op. 19 (Morceau de Concert) 00:11:50
5 La forza del destino. Opéra de G. Verdi op. 1 (Fantaisie de Salon) 00:09:27
6 Roméo et Juliette. Opéra de Ch. Gounod op. 5 (Caprice) 00:13:38

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Volker Reinhold Violine
Ralph Zedler Klavier
 
903 1819-6;0760623181967

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