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CD-Besprechung

A. Klughardt • I. Zebeljan

cpo 1 CD 777 693-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 27.11.13

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cpo 777 693-2

1 CD • 62min • 2012, 2011

Als cpo vor fast genau drei Jahren den ersten sinfonisch-konzertanten Schritt in Sachen August Klughardt (1847-1902) unternahm und neben der dritten Sinfonie das Violinkonzert des Dessauer Hofkapellmeisters herausbrachte, nannte ich diesen Auftakt „eine verdienst- und klangvolle Reverenz“ vor dem Manne, der die Anhaltische Philharmonie einst auf ein beachtliches Niveau erhoben und die Stätte ihres Wirkens dank seines außerordentlichen Engagements für Richard Wagners Œuvre zum "Bayreuth des Nordens" gemacht hatte.

Inzwischen ist zwar Golo Berg, der vorige Leiter des Orchester und Dirigent der bewußten Einspielungen, von Antony Hermus abgelöst worden; die geplante Gesamteinspielung der fünf Sinfonien hat durch diesen Wechsel jedoch keinerlei Nachteile erlitten. Auch Hermus geht mit vernehmlichem Engagement an die schwierige Aufgabe, einer Musik, in der sich gekonnt große und originelle Momente mit einer erstaunlichen Kenntnis bereits vorhandener Literatur vermählen, das eben mögliche Maß an Impulsivität und Eindringlichkeit abzugewinnen – was aufgrund der musikalischen Substanz bei der Tondichtung Im Frühling op. 30 aus den frühen achtziger Jahren am wenigstens gelingt: Der kenntnisreiche, gut recherchierte und hübsch geschriebene Begleittext verrät uns, dass Klughardt weiland mancherlei Erfolge mit diesem ausgiebigen Gesang auf den Lenz erringen konnte; ich muß aber gestehen, dass auch mein dritter Anlauf, mit dem rund 13-minütigen Stück Freundschaft zu schließen, auf der halben Wegstrecke scheiterte – Bilder von romantischen Platzhirschen und Lokalgrößen, wie sie uns beispielsweise in Karl Mays Kolportage-Roman „Der Weg zum Glück“ begegnen, ernst-strebende, ums Große-Ganze ringende Gestalten zogen mir leise durchs Gemüt, und der dezente Geruch von Schurrbartwichse wollte sich ausbreiten ...

Weitaus unterhaltsamer und ihrem Anlasse angemessen ist da schon die Festouvertüre zur 100-jährigen Jubelfeier des Herzoglichen Hoftheaters zu Dessau, die August Klughardt 1898 zu Papier brachte: Nach zwei tönenden Signaturen der Stadt, dem Dessauer Marsch und dem Anhaltlied, sollten wir uns nach Auskunft der Werkeinführung umhören, und tatsächlich gibt dieses raffiniert eingesetzte Lokalkolorit dem Jubiläumsstück seinen besonderen Schmiß – wir kennen der Geschichte und Gegenwart weitaus hohlere Feierlichkeiten als dieses buntgefügte Panoptikum.

Die fünfte Sinfonie schließlich, mit der das vorliegende Programm beginnt, ist die Orchesterfassung eines (verschollenen) Streichsextetts cis-Moll, das aus nachvollziehbaren technischen Gründen nach c-Moll transponiert und im Zuge der Bearbeitung, wie der Kommentator aus den ihm vorliegenden Quellen folgert, um rund zehn Minuten gestreckt wurde: Ob das klug war und ob, wie der Komponist einst schwärmte, „die Orchestersprache mit ihrem Reichtum an Kraft und Farbe, mit ihrer vielstimmigen Zunge und Kehle [...] sich darin gründlich“ ausredet – das zu entscheiden sei jedem Hörer des weithin sehr einnehmenden Werkes überlassen. Elemente Beethovenscher Durchführungsarbeit und Schumannscher Feuerstöße, ein wenig Elfenraunen à la Mendelssohn und Hexenkräutlein aus dem Garten Raffs sind in den fünf (!) Sätzen aufzuspüren, und doch wäre es nicht gerecht, die Partitur in Bausch und Bogen mit dem Stempel „epigonal“ abzulegen. Zu schön ist das Adagio, zu pfiffig das Scherzo – und zu überzeugend hat Klughardt die an vierter Stelle stehenden Variationen (Intermezzo) ausgeführt, als dass man ihm nicht ein redliches Beginnen zubilligen müßte. Dass er im Finale einer verbreiteten Schwäche erlegen und mit zwölfminütiger Dauer über die Proportionen hinausgeschossen ist, soll indessen nicht verschwiegen sein: Vielleicht wäre dem Komponisten nach einigen Jahren ja die eine oder andere Kürzung eingefallen. Doch diese Jahre hatte er nicht mehr.

Rasmus van Rijn [27.11.2013]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Zebeljan Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 71 00:38:51
6 A. Klughardt Konzertouvertüre op. 30 (Im Frühling) – Sehr langsam - lebhaft 00:13:22
7 Festouvertüre Es-Dur op. 78 – Langsam - lebhaft - langsam 00:09:21

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Anhaltische Philharmonie Dessau Orchester
Antony Hermus Dirigent
 
777 693-2;0761203769322

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