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CD-Besprechung

Hans Pfitzner Vom Früh- zum Spätwerk

Hans Pfitzner<br />Vom Früh- zum Spätwerk

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 21.08.13

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Thorofon CTH2599

1 CD • 79min • 2011, 2013

Hans Pfitzners Ruf ist ruiniert, und das macht etwas aus, denn man spielt ihn eben seither nicht „ungeniert". Und so haben wir nur selten das Vergnügen, seine Werke überhaupt zu hören, geschweige denn in hochrangigen Aufführungen – und mögen diesbezüglich sehnsüchtig an Furtwängler, Gieseking, Taschner oder Celibidache zurück denken. Jedenfalls war Pfitzner von früher Zeit an bereits ein großer Meister, wie sein Opus 1, die Cellosonate des 21jährigen von 1890, schlagend beweist. Ja, sie ist in der Nachfolge von Brahms geschrieben. Und die fast dreißig Jahre später komponierte große Violinsonate op. 27 auch. Pfitzners ganze seelische Haltung ist die des intimen, introvertierten Romantikers, der die von Schumann und Brahms gewiesenen „neuen Bahnen" weiter erkundet und dabei auch in entlegensten Verzweigungen noch Idyllisches und Geheimnisumwittertes findet – man denke nur an sein herrliches Streichquartett in cis-Moll op. 36! Und am meisten nach Brahms klingt hier das Finale der Violinsonate – Brahms' Herzblut ist hier nicht nur in die Feder seines Nachfolgers eingeflossen, sondern es zeigt sich, dass sein Geist tief in Pfitzners Herz eingedrungen ist und dort die Rosen im Liebesgarten ausgelegt hat.

Vorliegende Darbietungen sind von sehr unterschiedlicher Qualität. Am mitreißendsten im weiten Atem und dem Blick auf größere Zusammenhänge, aber auch der farbenreichen Poesie und versonnenen Ruhe, aus der das Expressive aufsteigt, ist der ausgezeichnete Cellist Reinhold Johannes Buhl in der Cellosonate, und Ulrich Urban ist ihm ein wacher Partner. In der Violinsonate vermag Heidrun Sandmann durchaus zu gefallen und zu berühren, klar und sauber intoniert mit rauchig-nasalem Timbre, präsent und aufrichtig im Ausdruck – doch finden Geige und Klavier weniger zueinander als in der Cellosonate, und vieles wirkt im Zusammenspiel zumal von Seiten des Klaviers recht bezugslos, ohne gemeinsamen Atem, ohne wirklich gemeinsame Phrase.

Den Schluss dieses von Peter Pachl produzierten und vom Pfitzner-Forscher Johann Peter Vogel kompetent kommentierten Programms „Vom Früh- zum Spätwerk" bilden die wundervollen sechs Studien für das Pianoforte op. 51, ein relativ spätes Werk aus dem Kriegsjahr 1942, und hier ist mein Eindruck ausgesprochen zwiespältig – nein, gar nicht, was die Kompositionen betrifft, die sind vortrefflich, sondern hinsichtlich der Ausführung. Ulrich Urbans Spiel ist sehr deutlich betreffs der Durchhörbarkeit der einzelnen Töne, er artikuliert mit klarer Absicht, weiß sozusagen, „was er tut". Doch stellt sich der Fluss nicht ein, mit Ausnahme der finalen Triller-Studie, die ein ganz bezauberndes und zugleich – wie die anderen – gehaltvolles Stück ist und auch in anderen Recitals öfter erklingen sollte. Es geht mir nicht um die Frage, ob seine Tongebung farbiger, weniger sachlich sein sollte (sie könnte es). Es geht um Dinge, die nicht Fragen subjektiven Geschmacks sind. Zu sehr sind die Ritenuti korrekt in sich abgezirkelt und werden fortwährend die kleingliedrigen Zusammenhänge agogisch unterstrichen, allzu oft wird unbewusst die schwere Zeit (die Takt-Eins) betont, was sich immer hemmend auf den Fluss, auf die zwanglose Fortschreitung auswirkt. Dadurch hat man den Eindruck, dass es Mühe kostet, die Musik voranzubringen, was bei einer anderen Einstellung zu den Mitteln der Phrasierung (etwa weniger auf Temposchwankungen zu setzen und mehr auf die Möglichkeiten differenzierter Lautstärke zu vertrauen, und die Gewohnheit, schwere Taktzeiten automatisch zu betonen, auszulöschen) keineswegs der Fall sein müsste. Da Pfitzners Ruf nicht rehabilitiert werden kann und muss, freuen wir uns über diese sehr guten Aufführungen, die zu größtenteils befriedigenden Resultaten geführt haben.

Christoph Schlüren [21.08.2013]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 H. Pfitzner Sonate fis-Moll op. 1 für Violoncello und Klavier 00:29:17
5 Sonate e-Moll op. 27 für Violine und Klavier 00:29:29
8 Sechs Studien für das Pianoforte op. 51 00:19:51

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Reinhold Johannes Buhl Violoncello
Heidrun Sandmann Violine
Ulrich Urban Klavier
 
CTH2599;4003913125996

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