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CD-Besprechung

F. Witt • C.F. Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg

cpo 1 CD 777 486-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 12.07.13

cpo 777 486-2

1 CD • 79min • 2009

Nachdem der schmerzliche Verlust von Dieter Klöcker zu beklagen war, ist es eine umso größere Freude, dass eine postume Veröffentlichung des Consortium Classicum von 2009 unter seiner den Musiziergeist des Ensembles prägenden Mitwirkung erscheint. Klöcker spielt nur im Hauptwerk dieses Doppelporträts, dem großen, 1817 verlegten Septett von Friedrich Witt. Der Komponist (1770-1836), im selben Jahr wie Beethoven geboren, ist vor allem durch eine Fehlzuschreibung aufgrund einer falschen Fährte in die spätere Musikgeschichte eingegangen. Seine 1909 von Fritz Stein ausgegrabene Sinfonie in C-Dur galt fast fünfzig Jahre lang als eine vom Meister nicht gezählte Jugendsinfonie Beethovens, bis die wahre Autorenschaft nachgewiesen werden konnte.

Friedrich Witt entstammte einer musikalisch regen Familie aus der Nähe von Bad Mergentheim und studierte bei Antonio Rosetti (Rößler) am Hofe Oettingen-Wallerstein, wo er ab 1789 auch Cellist in der Hofkapelle war. 1796 hielt er sich in Wien auf und erntete für seine Musik auch Joseph Haydns Beifall. 1802 wurde er Hofkapellmeister in Würzburg bis zu seiner krankheitsbedingten Entlassung 1824. Da er eine reiche Frau geehelicht hatte, drohte ihm daraufhin keine Armut. Die hier vorliegenden Werke sind während der Würzburger Amtszeit entstanden.

Mit Witt eng verbunden war Fürst Carl Friedrich zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg (1781-1852), der von Witt das kompositorische Handwerk erlernte. Er schrieb unter anderem drei Quartetti concertanti, die er auch in Fassungen mit einer Flöte als Prinzipalstimme arrangierte. Das hier in der Version für Flöte und Streichquartett vorgestellte dritte Werk der Reihe ist sehr angenehme Musik mit flüssiger Melodik und einigen aparten harmonischen Wendungen – im galant angenehmen Divertimento-Stil der Zeit, mit einem wirklich hübschen Finale in d-Moll. Die Aufführungsfassung ist extra erstellt worden und bedurfte noch einiger Tonsatzkorrekturen durch Eberhard Buschmann.

Friedrich Witts Schaffen freilich ist von ungleich höherem Karat. Am eindrucksvollsten ist das Septett in F-Dur für Klarinette, Horn, Fagott, Streichquartett und Kontrabass. Witt hat das Septett Beethovens gut gekannt, und zugleich weist der Tonfall auch auf die biedermeierliche Romantik voraus, wo dann Meister wie Louis Spohr, Georges Onslow, Conradin Kreutzer und insbesondere Franz Schubert einige sehr reizvolle und erfolgreiche Beiträge für aus Bläsern und Streichern gemischte Septett-, Oktett- und Nonett-Besetzungen schaffen sollten. Am bedeutendsten und stringentesten im größeren Aufbau ist der Kopfsatz, dem ein sentimental stimmungsvolles Andante cantabile, ein ländlerartiges Menuett und ein sehr volkstümliches Finale folgen. Wie nah diese Musik auch an der Wiener Klassik ist – die zwei weiteren Werke Witts sind noch mehr in die Welt der Wiener Tradition nach Haydn eingebettet: ein Quartett in Es-Dur für Horn und Streichtrio und ein Quartett in F-Dur für Fagott und Streichtrio. Das Hornquartett ist natürlich simpler und – allein schon aufgrund der Instrumentenwahl naheliegend – auch sehr an Rosetti orientiert. Das Fagottquartett ist ein ganz wunderschönes Werk, in allen drei Sätzen von edler Erfindung, den kleinen Rahmen voll ausschöpfender Entwicklung und erlesener Verarbeitung zeugend. Der Adagio sostenuto-Mittelsatz darf ein sanftes Juwel in würdiger Nachfolge Haydns genannt werden. Auch ist dieses Quartett ganz besonders schön, subtil und lebendig dargeboten. Im Hornquartett ist die Balance nicht so selbstverständlich, und im Kopfsatz gibt es auch die eine und andere Tendenz zum Schleppen. Auch im Septett ist die Integration des Horns als kräftigstem Instrument die heikelste Angelegenheit. Insgesamt handelt es sich hier wieder einmal, wie so oft beim Consortium Classicum und natürlich bei Klöcker, um einen Glücksfall, der uns unbekannte Komponisten und Werke (bis auf Witts Septett hier allesamt Ersteinspielungen) auf natürliche, feinsinnige und musikantisch zündende Weise nahebringt. Die Aufnahmetechnik ist solide, der Booklettext informiert sachdienlich über das Wissenswerte.

Christoph Schlüren [12.07.2013]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Witt Septett F-Dur 00:23:51
5 Quartett Es-Dur 00:14:05
8 Quartett F-Dur 00:15:42
11 C.F. Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg Quintett D-Dur 00:25:02

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Consortium Classicum Ensemble
 
777 486-2;0761203748624

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