Anzeige

Teilen auf Facebook RSS-Feed Klassik Heute
Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

CD • SACD • DVD-Audio • DVD Video

Besprechungen der letzten 30 Tage

Richard Pantcheff

Music for Organ and other Instruments

Prima Facie PFCD205

1 CD • 75min • 2022

25.06.20249 9 9

Der britische Komponist Richard Pantcheff gehört zu den Vertretern einer Generation, die zwar mit moderner und atonaler Musik aufgewachsen sind, die aber Tradition nicht vergessen haben. Sein Handwerk hat er unter anderem als Schüler von Simon Preston und Benjamin Britten gelernt und sowohl die Nomenklatur seiner Werke (Choralvorspiel, Sonate, etc.) als auch deren formaler und harmonischer Zuschnitt zeigen: Pantcheff hat die Tradition nicht vergessen, füllt sie aber mit neuem Leben. Auf dieser CD sind Werke für Orgel und Violine bzw. Flügelhorn zu hören, beides eine nicht alltägliche, aber durchaus dankbare Kombination, da beide Instrumente auch dynamisch mit der Orgel mithalten können.

»zur Besprechung«

Hans Huber

Piano Quintets 1 & 2

cpo 555 569-2

1 CD • 62min • 2022

24.06.202410 10 10

Blättert man im Münchner Telefonbuch – heutzutage selbstverständlich elektronisch – stößt man (Varianten wie Johann und Johannes eingerechnet) wohl 50-mal auf den Namen Hans Huber. Desto besser, dass der Komponist mit dem Allerweltsnamen keine Allerweltsmusik zu Papier brachte. Oliver Triendl und dem Carmina Quartett ist mit Hubers zwei kontrapunktisch hochvirtuosen, spieltechnisch äußerst anspruchsvollen Klavierquintetten eine veritable Trouvaille gelungen, die sich als ebensolcher Edelstein im Raritätenkabinett von cpo ausnehmen dürfte.

»zur Besprechung«

Brahms Mozart

Piano Concertos
Géza Anda Karl Böhm

Prospero Classical PROSP0100

1 CD • 79min • 1963, 1974

23.06.202410 8 8

Dass das 1. Klavierkonzert von Brahms bei der Uraufführung ausgepfiffen worden ist, kann man nach dem Anhören dieser Aufnahme mit dem Philharmonie Orchestra unter Karl Böhm und Géza Anda verstehen: Wie ein archaisches Urgewitter bricht der Kopfsatz los, mit drohend donnernden Paukenwirbeln und gefährlich grellen Trillern – das Chaos vor der Erschaffung der Welt. Wenn dann nach 91 Takten majestätischer Urgewalt das Klavier wie beschwichtigend einsetzt, fühlt man sich an die Schöpfungsgeschichte erinnert: Zuerst war die Erde wüst und leer – und der Geist Gottes schwebte über den Wassern. Oft sagt man, eine Symphonie stelle die Erschaffung einer Welt dar – hier versteht man diese Behauptung.

»zur Besprechung«

Beethoven Piano Sonatas

Opp. 10 13 27 53 79 101
Moritz Winkelmann

Berlin Classics 0303255BC

3 CD • 2h 53min • 2023, 2024

22.06.20249 9 9

Seit 2021 unterrichtet Moritz Winkelmann als Professor für Klavier an der Musikhochschule Mannheim – seine Neueinspielung von neun Beethoven-Sonaten ist als Bekenntnis zum klassischen Meister zu verstehen. Dies geht auch aus den sehr persönlichen „Gedanken“ hervor, die der Interpret zu den einzelnen Werken im Booklet (deutsch und englisch) beisteuert. Allerdings äußert er sich nicht zu der etwas seltsamen Auswahl: Auf die drei Sonaten op. 10 aus dem Jahr 1798 folgt wie ein Intermezzo die Sonatine op. 79, um dann die Schwergewichte Pathétique op. 13, Waldstein-Sonate op. 53, Mondscheinsonate op. 27,2 nebst dem Schwesterwerk op. 27,1 anzuschließen. Als Solitär beendet die A-Dur-Sonate op. 101 aus den Jahren 1815/16 das Programm.

»zur Besprechung«

Mélodies d'ailleurs

Viviane Hasler, Maren Gamper

Carpe Diem 16354

1 CD • 62min • 2023

21.06.20249 9 9

„Lieder von damals“ – unter diesem recht allgemeinen Titel versammeln die Sopranistin Viviane Hasler und ihre langjährige Klavierbegleiterin Maren Gamper in ihrem Debüt-Album Kompositionen von vier französischen Komponisten des Fin de Siècle, die aus der romantischen Tradition kommend, dem Impressionismus nahestanden. Nach Auskunft der Künstlerinnen handelt es sich dabei um „Lieblingslieder“: „Der Ausdruck des Gefühls und der Stimmungen der einzelnen Stücke steht im Vordergrund, lässt auch Brüchigkeit zu, und gibt der Schönheit der Sprache Raum“. Dieser selbst gestellte Anspruch wird in ihrem ersten Recital erfüllt.

»zur Besprechung«

Postscriptum

Stanislas Kim | Marie Rosa Günter

Genuin GEN 24861

2 CD • 2h 02min • 2022

20.06.202410 10 10

Die noch recht junge Braunschweiger Pianistin Marie Rosa Günter überraschte letztes Jahr mit einer Aufnahme von Beethovens Hammerklaviersonate, die schon Referenzqualitäten aufwies. Im vorliegenden, gut zweistündigen Doppelalbum „Postscriptum‟ widmet sie sich mit ihrem französischen, mehrfach preisgekrönten Cellopartner Stanislas Emanuel Kim Musik Petersburger Komponisten. Zeitlich beginnend mit zwei Stücken von Anton Arensky aus dem Jahre 1887 zieht sich ein großer Bogen mit Schwerpunkt Schostakowitsch über Tonkünstler wie Boris Tischtschenko bis hin zur Serenade für zwei Violoncelli von – und mit – Kims Lehrer Leonid Gorokhov (2021). Neben der klassischen Duobesetzung Cello/Klavier gibt es zudem Solomusik für Cello bzw. Klavier. Das mag zunächst etwas inkonsistent erscheinen, erweist sich aber für den Hörer nicht nur als äußerst unterhaltsam und abwechslungsreich, sondern gibt tiefe Einblicke in den erstaunlich weiten Kosmos der Musik St. Petersburgs – bzw. Leningrads.

»zur Besprechung«

Porteño

Works for tuba, harp & piano

hänssler CLASSIC HC23067

1 CD • 53min • 2023

19.06.20249 9 9

Die Emanzipation von Instrumenten ist immer eine gute Sache. Der Tubist Siegfried Jung weitet den Rahmen aber noch aus, indem er mit seinem Trio zusammen mit Harfe und Klavier alle Chancen für eine kammermusikalische Bereicherung nutzt, wie sie aus unkonventionellen Besetzungen hervorgeht. Das Thema der aktuellen CD lässt schon erahnen, um was es geht: „Porteño“ thematisiert die Musik Südamerikas, die immer schon vor allem eins war: Nämlich weltoffen. Eben so, wie ein „Porteño“ ein Bewohner der Hafenstadt Buenos Aires ist, der naturgemäß oft zwischen den Kontinenten und Kulturen unterwegs ist. Dass der Anlass für diese Veröffentlchung auch der Umstand war, dass im Jahr 2024 die Tuba zum „Instrument des Jahres gekürt“ wurde, mutet da schon fast wie eine Randnote an.

»zur Besprechung«

Bach

Rare Piano Sonatas BWV 963-970
Francesco Tropea

Prospero Classical PROSP0095

1 CD • 74min • 2023

18.06.202410 10 10

Acht Mal schaut einen der junge Pianist Francesco Tropea aus dem mit einem Interview sehr persönlich gehaltenen zweisprachigen Booklet heraus an. Er wurde 1994 in Cosenza geboren, hat am dortigen Musikkonservatorium und an der Musikschule in Fiesole gelernt und dann sein Studium am Mozarteum Salzburg vervollständigt. Zurzeit arbeitet er dort an einer musikwissenschaftlichen Dissertation.

»zur Besprechung«

Johann David Heinichen

Gott ist unser Zuversicht
German Sacred Cantatas

cpo 555 543-2

1 CD • 57min • 2022

17.06.20249 9 9

Johann David Heinichen wurde 1683 als Pastorensohn in Krössuln (heute Ortsteil der Stadt Teuchern im sächsisch-anhaltinischen Burgenlandkreis) geboren und an der Leipziger Thomasschule unter den Kantoren Johann Schelle und Johann Kuhnau ausgebildet. Dort wirkte er auch während seiner Zeit als Jurastudent (eine seinerzeit verbreitete akademische Ausbildung späterer Kapellmeister) im von Georg Philipp Telemann gegründeten Collegium Musicum mit und war auch an Aufführungen des seit 1693 bestehenden Leipziger Opernhauses beteiligt. In der Folgezeit etablierte sich Heinichen als Musiktheoretiker und lieferte weitere Kompositionen für die Leipziger Oper.

»zur Besprechung«

Turkish Flavours

100 Years of Turkish Symphonic Music

Prospero Classical PROSP0093

2 CD • 1h 41min • 2023

16.06.20249 9 9

Hundert Jahre türkische Orchestermusik zelebriert das „Turkish Flavours“ genannte neue Album des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin unter der Leitung des seit vielen Jahrzehnten mit der türkischen Musikszene vertrauten Howard Griffiths. Grund genug, noch einmal kurz an die Hintergründe zu erinnern, denn es ist in der Tat ein Jahrhundert her, dass Atatürk im Zuge seiner Reform- und Modernisierungsmaßnahmen begabten jungen türkischen Komponisten die Möglichkeit gab, speziell in Westeuropa bei den Größen der Zunft zu studieren – mit erheblichem Erfolg, denn hieraus erwuchs eine erste Generation sehr respektabler bis exzellenter Komponisten, die gerne als die „Türkischen Fünf“ bezeichnet werden

»zur Besprechung«

Berlin Harpsichord Concertos

Nichelmann Graun Schaffrath Wolf

Audax Records ADX 11211

1 CD • 78min • 2023

15.06.202410 10 10

Die Form des Solo-Instrumentalkonzerts ist in der deutschen Musik besonders durch Johann Sebastian Bach befördert worden, der für seine Violinkonzerte auf italienische Vorbilder zurückgriff. So konnte er während seiner Zeit als Kapellmeister in Weimar und Köthen dieser neuen musikalischen Form, deren Grundlage im Schaffen italienischer Komponisten wie Arcangelo Corelli und Antonio Vivaldi lag, in der deutschen Musik einen festen Platz verschaffen; neben den besonders im Schaffen Georg Philipp Telemanns so präsenten Gruppenkonzerten, die an das Concerto Grosso anknüpfen und für die J. S. Bach mit seinen Brandenburgischen Konzerten ebenfalls maßgebliche Beispiele hinterlassen hat.

»zur Besprechung«

Hungarian String Trios

Leó Weiner • László Weiner • Zoltán Kodály • Ernő Dohnányi
Trio Boccherini

BIS 2107

1 CD/SACD surround • 66min • 2023

14.06.20249 10 9

Die Geigerin Suyeon Kang, Vicki Powell an der Bratsche und der Cellist Paolo Bonomini gründeten vor zehn Jahren in Berlin das Trio Boccherini. Ihre aktuelle Aufnahme vereint vier Komponisten, die im frühen 20. Jahrhundert – jeder auf seine Weise – zur Entwicklung eines neuen ungarischen Nationalstils beitrugen. Den Anfang macht Musik von Leó Weiner, der wegen seiner Frühbegabung und der Orientierung am spätromantischen Stil gar als "ungarischer Mendelssohn" bezeichnet wurde. Sein klar strukturiertes g-Moll-Streichtrio aus dem Jahr 1908 steht in der Tradition von Brahms. Der 23-jährige Komponist überzeugt hier mit tänzerischem Elan, kraftvollen Rhythmen und einfallsreichen Variationen. Das makellos synchrone Zusammenspiel des Trio Boccherini zeigt sich beispielweise in den energischen Synkopen des Vivace-Satzes.

»zur Besprechung«

Johanna Senfter

Chamber Music

cpo 555 495-2

2 CD • 2h 10min • 2023, 2021

13.06.20248 9 9

Seit einiger Zeit – genau genommen bereits seit den 1990ern, deutlich verstärkt aber erst innerhalb der letzten gut zehn Jahre – findet die Musik der Komponistin Johanna Senfter (1879–1961) verstärkt Beachtung. Senfters Leben und Schaffen ist geographisch vor allem mit ihrer Heimatstadt Oppenheim verbunden, wo sie den Großteil ihres Lebens verbrachte und in den 1920er Jahren auch als Organisatorin des dortigen Musiklebens hervortrat, während ihr Lehrer und Mentor Max Reger stets ihr künstlerischer Leitstern blieb. Dass sie gegen Ende ihres Lebens kaum noch Beachtung fand, hat mehrere Gründe, so die grundsätzlich spätromantische Ausrichtung ihrer Musik, auch von ihr selbst so wahrgenommene Vorbehalte gegenüber komponierenden Frauen und nicht zuletzt, dass publik wurde, dass sie in ihrer Sinfonie Nr. 6 anscheinend das Horst-Wessel-Lied zitiert hatte.

»zur Besprechung«

as you like it

opia consort

Ars Produktion ARS 38 642

1 CD • 62min • 2022

12.06.202410 10 10

„as you like it: wie es beliebt – scherzhaft, sinnlich, dramatisch. Inspiriert von der Shakespeare’schen Verwechslungs-Komödie bewegen auch wir uns musikalisch zwischen den Welten: Entdecken das savoir vivre am französischen Hofe, eilen ins g‘sellige Wiener Wirtshaus, flüchten vor der Pest in die warme Umarmung der englischen Melancholie, überwinden mitten in der deutschen Waldeinsamkeit rauschende Flüsse, spüren den milden Westwind Italiens auf unserer Haut, und träumen des Nachts an der spanischen Küste von der großen Liebe.“ Mit diesem Text präsentieren die Künstler selbst dieses Programm auf ihrer eigenen Homepage und erregen damit berechtigte Neugier auf ihre musikalische Rundreise durch das Europa des 16. Jahrhunderts.

»zur Besprechung«

Anzeige

Gdańsk Organ Landscape Vol. 2

Thomas Augustine Arne
Organ Concertos (1751)

MDG 902 2317-6

1 CD/SACD stereo/surround • 68min • 2023

11.06.20249 9 9

Auf den ersten Blick mag es kurios erscheinen: britische Orgelmusik auf einer polnischen Orgel, die von einem belgischen Orgelbauer gebaut wurde – so in etwa jedenfalls, denn im Detail betrachtet ist es natürlich etwas komplizierter. Zu hören sind hier Orgelkonzerte von Thomas Arne, ein weithin kaum beachteter Komponist der Vorklassik, der in den Fußstapfen Händels Konzerte für Orgel und Orchester komponiert hat. Grundsätzlich ist das schöne, geistreiche Musik, die hier ebenso geistvoll wie inspiriert dargeboten wird. Verantwortlich dafür ist der Organist und Dirigent Andrzej Mikołaj Szadejko, der an der rekonstruierten Rhode-Orgel in St. Johannis in Gdańsk Arnes Orgelkonzerte spielt und auch das Goldberg Baroque Ensemble leitet.

»zur Besprechung«

Vítĕzslava Kaprálová

The Completed Orchestral Works

cpo 555 568-2

2 CD • 1h 43min • 2022

10.06.202410 10 10

Die mit gerade mal 25 Jahren verstorbene Tschechin Vítězslava Kaprálová (1915‒1940), offenkundig schon als Jugendliche eine kompositorische Hochbegabung, studierte nach anfänglichem Unterricht durch ihren Vater Václav Kaprál – selbst noch Schüler Janáčeks – bei Vítězslav Novák in Prag, schließlich in Paris bei Bohuslav Martinů. Für ihre Militär-Sinfonietta erhielt sie 1937 den Preis der Smetana-Gesellschaft und trat damit zudem als erste weibliche Dirigentin der Tschechischen Philharmonie auf; ihre Lehrer hierbei waren keine Geringeren als Zdeněk Chalabala und später Charles Münch.

»zur Besprechung«

Sonatas for Violin and Piano

Covatti Dussaut Honegger d'Indy

Audax Records ADX11208

1 CD • 63min • 2022

09.06.202410 9 9

Die Komponistin Hélène Covatti wurde 1910 in Athen geboren, wo ihr Vater an der rumänischen Botschaft tätig war. Mit 15 Jahren ging sie nach Paris, um am Konservatorium Harmonielehre, Kontrapunkt und Komposition zu studieren. Ihr Ehemann wurde Robert Dussaut, Kompositionsschüler von Vincent d’Indy und Preisträger des prestigeträchtigen Prix de Rome. Dieses heute unbekannte Künstlerpaar rücken die Geigerin Marie Radauer-Plank und die Pianistin Henrike Brüggen in den Mittelpunkt ihrer neuen CD, die bei dem Label Audax erschienen ist.

»zur Besprechung«

Vergessene Lieder, vergessene Lieb

Forgotten Songs by Willy Heinz Müller

Prospero Classical PROSP0087

1 CD • 55min • 2023

08.06.20248 8 8

Während der Corona-Zeit entdeckte die Schweizer Sopranistin Mélanie Adami in ihrem Musikzimmer durch Zufall, direkt neben den Liedern von Richard Strauss liegend, einen Stapel von Notenmanuskripten ihres Urgroßvaters Willy Heinz Müller (1900-1974). Nach langem sorgfältigem Studium entschloss sie sich, diese Lieder bekannt zu machen, nicht nur aus familiärem Pflichtgefühl, sondern auch im Bewusstsein ihrer hohen Qualität. Die 13 hier erstmals eingespielten Titel sind eingebettet in ebenso unbekannte Lieder von Müllers künstlerischen „Ahnherren“, zu denen neben Ernst von Dohnányi auch heute vergessene Kleinmeister wie Franz Ries, A. Béla Laszky, Eugen Hildach und Carl Götze zählten.

»zur Besprechung«

Bruckner 4

Version 1888

Profil CD PH23086

1 CD • 59min • 2023

07.06.202410 10 10

Der Dirigent Gerd Schaller führt mit der Philharmonie Festiva, die er 2008 ins Leben rief, nach und nach sämtliche Fassungen der Symphonien Anton Bruckners auf. Im August 2023 wurde in der Klosterkirche Ebrach die Spätfassung der 4. Symphonie, der sogenannten „Romantischen“, in einer Live-Aufnahme eingespielt. Die Version aus dem Jahr 1888 diente einst als Stichvorlage für den Erstdruck von 1889 und wurde vom Komponisten gebilligt. In einem Interview, das im Booklet in deutscher und englischer Sprache wiedergegeben ist, macht Schaller deutlich, dass er keine Wertung der einzelnen Fassungen vornehmen möchte, da jede ihre Eigenart hat.

»zur Besprechung«

Paul Hindemith

Complete Works for Flute

Ondine ODE 1409-2

1 CD • 54min • 2021, 2023

06.06.20249 8 9

Paul Hindemith war ein ebenso gewissenhafter wie produktiver Komponist. Mit systematischer Akribie hat er nicht nur Genre um Genre bedacht, sondern auch gleich das ganze Spektrum vom Instrumentalprofi bis zum Amateurmusiker bedient. Zudem konnte er mit einer Geschwindigkeit komponieren, die so manchen seiner Studenten ins Schwitzen brachte. Beispiele hierfür gibt es auf dieser CD zu hören, auf der sich Stathis Karapanos der Flöte in Hindemiths Schaffen widmet – in verschiedenen Besetzungen, die vom Solo (z.B. die 1927 entstandenen Stücke für Flöte allein) über Kammermusik (z.B. die Sonate für Flöte und Klavier) bis hin zum großen Ensemblekonzert (Konzert für Holzbläser, Harfe und Orchester) reichen.

»zur Besprechung«

Unconventional Journey

Liebermann | Haydn | Kapustin
Trio Revolution

Ars Produktion ARS 38 644

1 CD • 56min • 2023

05.06.202410 10 10

Differenzierungsvermögen, Klang- und Formsinn sowie ausgehört subtile Dynamik bei ganz unterschiedlichen Musikstilen bilden den gemeinsamen Nenner der drei Interpreten dieser Aufnahme, die in Georgien aufgewachsen sind. Pianistin Ketevan Sepashvili und Flötist Temo Kharshiladze leben heute in Wien, Cellist Sandro Sidamonidze vornehmlich in New York, wo 1961 der Komponist Lowell Liebermann, der auch als Pianist und Dirigent tätig ist, geboren wurde. Der über 60jährige zählt zu den vielleicht meistaufgeführten US-amerikanischen Komponisten. Sein Trio op. 87, 2004 komponiert, nimmt sich mehr als zwanzig Minuten musikalische Raumzeit, das Werk klingt mal episch ausladend, mal orientalisch verschlungen; später in der 10. und 15. Minute wird es fast statisch, auf der Stelle tretend, nurmehr auf geringster Fläche bewegt.

»zur Besprechung«

Salaputia Brass

Chansons sans Paroles

Berlin Classics 0303296BC

1 CD • 61min • 2023

04.06.20249 9 9

Das Salaputia Brass Ensemble widmet sich auf seiner neuesten Album dem französischen Liedschaffen zwischen Renaissance, Romantik und Schlager und Moderne. Dabei werden alle Farben zwischen Posaunenchor, Marching Band, Blasmusik-Kapelle und Big Band genussvoll ausgekostet. 5 Trompeten, 3 Tenor- und 2 Bassposaunen sowie Tuba, Horn und – wo angebracht Schlagzeug sorgen auf 34 Tracks für Spaß, Besinnliches und farbliche Abwechslung.

»zur Besprechung«

Musik aus dem alten Danzig

Musik der Hansestädte Vol. 2
Werner • Erben • Förster • Büttner • Siefert • Wanning

cpo 555 647-2

1 CD • 71min • 2023

03.06.202410 10 10

Manfred Cordes, emeritierter Professor für Musiktheorie und Kontrapunkt sowie ehemaliger Dekan und Rektor der Hochschule für Künste Bremen, gehört zu den unbestrittenen Spezialisten für die Musik des 16. und 17. Jahrhunderts. 1993 gründete er das Ensemble Weser-Renaissance Bremen und erweiterte schließlich seinen darstellerischen Horizont der norddeutschen Renaissance- und Barockmusik mit der Gründung des Europäischen Hanse-Ensembles, das er 2019 ins Leben rief: Hier erarbeitet er mit jungen Musikerinnen und Musikern aus ganz Europa das musikalische Erbe der alten Hansestädte. Auf die erste Veröffentlichung mit dem Europäischen Hanse-Ensemble, die dem musikalischen Erbe der Hansestadt Stralsund gewidmet war, folgt jetzt als zweite CD der Reihe „Musik der Hansestädte“ die „Musik aus dem alten Danzig“.

»zur Besprechung«

Music for Flute & Strings

Johanna Dömötör • Stuttgarter Kammerorchester • Meesun Hong Coleman

Ars Produktion ARS 38 373

1 CD • 63min • 2022

02.06.20247 9 8

Die junge Flötistin Johanna Dömötör, Soloflötistin beim Sinfonieorchester Basel und Professorin in Linz, hat sich für ihr CD-Debüt ein originelles Programm überlegt. Sie spielt als einziges Originalwerk das neoklassizistische Konzert von Malcolm Arnold und ergänzt dieses mit Bearbeitungen, die sie wiederum für die Besetzung Flöte, Violine und Streichorchester speziell hat einrichten lassen. Auf diese Weise kommen Igor Strawinsky, Domenico Scarlatti und Dmitri Schostakowitsch, die selbst nichts Substanzielles für das Instrument komponierten, zu posthumen flötistischen Ehren.

»zur Besprechung«

Erich J. Wolff

Complete Songs • 1

Naxos 8.574451

1 CD • 65min • 2022

01.06.20248 8 8

Nach dem Zeugnis von Engelbert Humperdinck war Erich Jacques Wolff (1874-1913) als einer der besten Liedbegleiter Österreichs anerkannt und deshalb rissen sich einige große Sänger und Sängerinnen seiner Zeit auch darum, mit ihm zu arbeiten. Als Komponist von Liedern war er nicht weniger erfolgreich. In den 11 Jahren bis zu seinem frühen Tod (nach einer Ohrenoperation) hat er an die 170 Titel veröffentlicht, von denen ein Teil ähnliche Beliebtheit erlangte wie die Arbeiten von Hugo Wolf, Richard Strauss und Gustav Mahler. Doch nach dem 1. Weltkrieg und lange vor der Machtergreifung der Nazis geriet sein auf das Liedgenre beschränktes Werk im deutschsprachigen Raum völlig in Vergessenheit. Naxos hat jetzt unter der Anleitung des Pianisten und Dirigenten Klaus Simon eine Gesamt-Edition seiner Lieder gestartet.

»zur Besprechung«

Key Words

Piano Parlando 2
Florence Millet

Ars Produktion ARS 38 652

1 CD • 46min • 2021, 2022

31.05.20248 9 8

„Key words“ lautet der Titel dieses zweiteiligen Konzeptalbums der Pianistin Florence Millet. Die Französin, die eine Klavierprofessur in Köln innehat, verwendet das englische Wort mehrdeutig. Es geht um „Schlüsselworte“; aber „key“ bezeichnet weiterhin sowohl die Klaviertaste als auch die Tonart. Florence Millet wählte Klavierwerke, die einen engen Bezug zu Sprache haben. Dabei knüpft Band 2 nahtlos an den 2021 erschienenen ersten Teil an. Mehrere Komponisten sind abermals vertreten, darunter Leoš Janáček. Auslöser für dessen Klaviersonate 1. X. 1905 war der Tod eines tschechischen Arbeiters, der während einer Demonstration in Brünn vom Militär erschossen wurde.

»zur Besprechung«

Ferdinand Ries

Symphonies Nos. 1 & 2

Ondine ODE 1443-2

1 CD • 53min • 2024

30.05.202410 10 10

Es gibt zahlreiche Versuche, für vernachlässigte Komponisten neues Interesse zu wecken – dieser Versuch, die Symphonien von Ferdinand Ries (1784-1838) ins rechte Licht zu rücken, ist einer der vergnüglichsten. Das zweisprachige Booklet charakterisiert Ries‘ symphonische Musik durchaus treffend als „energisch, dynamisch, selbstbewusst und ambitioniert“. Ergänzen müsste man: zielbewusst, orchestral reizvoll, eigenwillig. Ferdinand Ries, in Bonn geboren, war in Wien Beethovens Schüler (musste sich von Beethoven ganz schön emanzipieren) und reiste durch ganz Europa, oft durch Napoleons Truppen dazu getrieben. München, Paris, Sankt Petersburg, Stockholm und London sind seine Lebens-Stationen.

»zur Besprechung«

John Thomas

Complete Duos for Harp and Piano, Volume Four
Duo Praxedis

Toccata Classics TOCC 0582

1 CD • 62min • 2023

29.05.20249 8 9

Das Schweizer Duo Praxedis besteht aus der Harfenistin Praxedis Hug-Rütti und der Pianistin Praxedis Geneviève Hug. Die beiden, Mutter und Tochter, haben es sich zum Herzensanliegen gemacht, das Repertoire für Harfe und Klavier wiederzuentdecken – eine Besetzung, die sich im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert größter Beliebtheit erfreute. Inzwischen hat das Duo Praxedis mehr als ein Dutzend Tonträger eingespielt. Einen Schwerpunkt bildet dabei der 1826 geborene John Thomas, der mit 46 Jahren Kammerharfenist der musikvernarrten Queen Victoria wurde.

»zur Besprechung«

Lekeu | Messiaen | Bacri

Carlotta Malquori Violin • Andrea D'Amato Piano

Ars Produktion ARS 38 370

1 CD/SACD stereo/surround • 65min • 2023

28.05.20248 9 8

Die Geigerin Carlotta Malquori und der Pianist Andrea D’Amato arbeiten bereits seit einigen Jahren zusammen, unter anderem als Mitglieder des Ares-Trios. Mit dem vorliegenden Album legen sie nun auch ihre erste CD als Duo vor, gewidmet französischem Repertoire von der Spätromantik bis in unsere Zeit.

»zur Besprechung«

Anton Reicha

Chamber Works

cpo 555 397-2

2 CD • 2h 10min • 2022

27.05.20249 9 9

Das mit Solobläsern renommierter Orchester und Professoren ebenso renommierter Hochschulen besetzte Albert-Schweitzer-Ensemble widmet sich in dieser Einspielung Kammermusikwerken des Beethoven-Altersgenossen Anton Reicha (1770-1836), deren Instrumentenkombinationen vom Üblichen abweichen. Da Reicha neben Klavier und Violine auch die Flöte virtuos beherrschte, galt seine Vorliebe den Blasinstrumenten. So wurde er zu dem Komponisten, bei dessen Namen man zunächst „Bläserquintett“ assoziieren pflegt. Dass er interessante Klangfarben auch aus der Kombination von Bläsern, Streichern und Klavier hervorzaubern konnte beweist die vorliegende Aufnahme.

»zur Besprechung«

Anzeige

Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Anzeige