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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

BIS 1751

1 CD/SACD stereo/surround • 72min • 2009, 2008

01.02.2013

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Die Toteninsel als Musik gewordene Depression zu bezeichnen, ist durchaus nachvollziehbar. Tatsächlich scheint Rachmaninows sinfonische Dichtung op. 29 von 1909 eine beunruhigende Todesvision in sich zu bergen. Über dieser düsteren und schwer lastenden Atmosphäre gerät aber allzu schnell in Vergessenheit, welch wahrhaft meisterlicher sinfonischer Bauplan hinter diesem beklemmenden Werk steht. Die Grundlagen sind eine wogend pulsierende 5/8tel-Bewegung, der sorgsam in seine einzelnen Bestandteile zerlegte und die Atmosphäre des ganzen Werks bestimmende „Dies-irae"-Choral, schließlich chromatisch auf- und absteigende Skalen und die daraus gebildeten rhythmischen Muster. Genau hierauf lenken Adrew Litton und das bestens disponierte Bergen Philharmonic Orchestra die ganze Aufmerksamkeit – und das in einer durchweg aufregenden Lesart, die auf eine behutsame, gleichwohl glühende Spannungserzeugung setzt und somit nicht schon frühzeitig ihr Pulver verschießt, eine Lesart, die innerhalb der dunklen Orchesterfarben zu elektrisierenden Licht- und Schattenspielen fähig ist und sich in fiebriger Erregung zu einem fast schon explosionsartigen Höhepunkt hin steigert. Wie akribisch sich Litton mit dem Notentext auseinandergesetzt hat, zeigt sich für mich auch in der absolut überzeugenden Weise, wie er die im Gegensatz zum tödlichen „Dies irae" eher lebensbejahende Es-Dur-Melodie modelliert: nicht einfach als einen aufgehellten und optimistisch stimmenden Gegengedanken, sondern so, als sei sie eine Ableitung oder gar ein Teil des „Dies-irae"-Chorals.

Der Toteninsel an die Seite gestellt sind Rachmaninows letzte Schöpfung, die Sinfonischen Tänze op. 45 (1940) und sein erstes veröffentlichtes Orchesterwerk, die sinfonische Dichtung Der Fels op. 7 (1893). Bei letzterer handelt es sich um eine formal recht uneinheitliche Fantasie, deren motivisch-thematische Arbeit zudem noch weit entfernt ist vom reifen Rachmaninow. Dafür zeugt sie von einer bereits beachtlichen Orchestrierungskunst des zwanzigjährigen Komponisten, der Littons ganzes Augenmerk gilt. Ihm entgeht kein Detail; verführerisch werden aber besonders die anmutigen Holzbläsermotive herausgearbeitet. Es ist in der Tat Littons fabelhaftes Gespür für die überaus wirkungsvolle Instrumentierungskunst und Klangsensibilität des Russen, welches seine Rachmaninow-Sicht so unwiderstehlich macht und welches schließlich auf bezwingende Weise in den sich schwärmerischer Romantik enthaltenden Sinfonischen Tänzen zum Ausdruck kommt. Selbst wenn es der Titel vermuten lassen könnte und auch wenn Rachmaninow kurzzeitig eine Realisierung als Ballett vorschwebte – der Schwerpunkt liegt auf dem Sinfonischen, nicht auf dem Tänzerischen. Das machen Andrew Litton und das Bergen Philharmonic Orchestra unmissverständlich klar. Abseits einer vordergründigen tänzerischen Haltung verleihen sie den drei Sätzen eine emotionale Tiefe, Kraft und Impulsivität, wie sie kaum eine andere mir bekannte Aufnahme enthält. Und eine Spannung, die sogar am Ende des 3. Satzes nichts von ihrer Intensität verliert, wenn – wieder einmal Rachmaninows „Lieblings"-Motiv – das „Dies irae" schon längst auf wunderbare Weise nahtlos in die Musik der Auferstehungsliturgie der östlichen Kirche übergegangen ist. Vom Dunkel ans Licht – das gilt zweifellos für dieses bekenntnishafte Werk Rachmaninows. Mehr noch, es gilt ebenso für Andrew Littons Interpretation, der es meiner Meinung nach gelungen ist, nicht nur die Sinfonischen Tänze, sondern alle hier eingespielten Werke einem gewissen Schattendasein zu entreißen, welches sie bisher gegenüber der zweiten und dritten Sinfonie sowie den Klavierkonzerten geführt haben.

Christof Jetzschke [01.02.2013]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Sergej Rachmaninow
1Die Toteninsel op. 29 (Tondichtung) 00:21:45
2Der Fels op. 7 00:13:31
3Sinfonische Tänze op. 45 für Orchester 00:35:11

Interpreten der Einspielung

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