Gottfried Heinrich Stölzel Quadri di Dresda e Bruxelles
cpo 777 764-2
1 CD • 51min • 2008
21.12.2012
Künstlerische Qualität:
Klangqualität:
Gesamteindruck:
Klassik Heute
Empfehlung
In Grünstädtel, heute ein Ortsteil der Stadt Schwarzenberg im Erzgebirge, erblickte Gottfried Heinrich Stölzel 1690 als Sohn des örtlichen Schulmeisters und Organisten das Licht der Welt. Vom Vater erhielt er den ersten musikalischen Unterricht, 1705 wechselte er auf das Gymnasium von Gera, zwei Jahre später nahm er mit 17 Jahren ein Studium der Theologie in Leipzig auf. Am Gymnasium in Gera und noch mehr in der Universitätsstadt Leipzig stand die Musik hoch in Ehren, hatte doch Telemann hier 1702 das Collegium Musicum gegründet, das auch nach seinem Weggang aus der Pleißestadt 1705 weiterhin bestehen blieb. Mag das Theologiestudium – ähnlich wie die Jurastudien seiner Kollegen Telemann und Händel – den Zweck gehabt haben, Stölzel davon abzuhalten, den Musikerberuf anzustreben, fruchtete dies ebenso wenig wie bei den anderen: In Leipzig wurde der junge Mann von Melchior Hoffmann, der in Telemanns Nachfolge das Collegium Musicum leitete, in der Kusnt der Komposition unterwiesen, hier stiftete er auch Bekanntschaft mit den später bedeutenden Kollegen Johann Friedrich Fasch und Johann Georg Pisendel.
Musikalische Bildungsjahre in Italien, wo er prägende Einflüsse durch u. a. Francesco Gasparini, Antonio Vivaldi und Giovanni Bononcini aufnahm, bahnten Stölzels Weg in die Musikerlaufbahn: Nach seiner Rückkehr zunächst Hofkapellmeister in Bayreuth und Gera, wirkte er für den Rest seines Lebens in gleicher Position am Hof der Herzöge von Sachsen-Gotha-Altenburg. Von dort verbreitete sein Ruhm sich über ganz Deutschland; auch als Theoretiker genoss er hohes Ansehen, das ihn 1739 – noch vor J. S. Bach – die Aufnahme in Lorenz Christoph Mizlers elitäre, auf die Mitgliederzahl von zwanzig begrenzte Correspondierende Societät der musicalischen Wissenschaften einbrachte.
Nach seinem Tod 1740 geriet Stölzel bald in Vergessenheit. Dieses ist jüngsten Forschungen zufolge nicht zuletzt dem Umstand zu verdanken, dass zunächst mit seiner musikalischen Hinterlassenschaft von den Hofmusikern ein reger Notenhandel betrieben wurde, an dem sich offensichtlich auch der Nachfolger Georg Benda beteiligt hat. So ist Stölzels reiches Œuvre nur bruchstückhaft überliefert, besonders in der Instrumentalmusik sind die Lücken schmerzlich.
Daher ist es ein glücklicher Umstand, dass sich in der Musikaliensammlung des Dresdner Hofes Noten von Quartetten aus Stölzels Feder erhalten haben, die für die farbige und durchaus ungewöhnliche Besetzung Oboe, Horn, Fagott, Violine und Cembalo als Continuoinstrument entstanden sind. In den langsamen Mittelsätzen schweigt das Horn mit seinen Beschränkungen auf die Naturtöne – hier entfaltet sich die hohe Kunst der Triosonate. Doch auch die meist schnellen Ecksätze erfreuen durch Einfallsreichtum und eine gewisse Demokratie im Ensemble, so erhält jedes Instrument Gelegenheit zu idiomatischen Soloauftritten. Die geistvolle und fantasiereiche Musik dieser Quadri lässt es um so bedauerlicher erscheinen, dass Stölzels Erbe so schlecht verwaltet wurde – allein der Verlust seiner 18 Orchestersuiten ist angesichts der Qualität der auf dieser CD versammelten Kammermusik ausgesprochen beklagenswert.
Hoch zu loben sind die Musiker des Ensembles Epoca Barocca, die mit Tonschönheit, Charme und Stilkenntnis diese Schmuckstücke des deutschen Spätbarocks interpretieren. So darf sich der Freund der Epoche von Bach, Händel und Telemann über einen hochkarätigen Repertoirezuwachs freuen; wer sich bisher dafür noch nicht erwärmen konnte, erhält eine erstklassige Gelegenheit, Vorurteile zu überdenken.
Detmar Huchting [21.12.2012]
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Komponisten und Werke der Einspielung
Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
---|---|---|
CD/SACD 1 | ||
Gottfried Heinrich Stölzel | ||
1 | Quadro I | 00:06:38 |
4 | Quadro II | 00:06:28 |
7 | Quadro III | 00:03:58 |
10 | Quadro IV | 00:05:37 |
13 | Quadro V | 00:04:29 |
16 | Quadro VI | 00:05:04 |
19 | Quadro VII | 00:05:57 |
22 | Quadro VIII | 00:06:20 |
25 | Quadro Bruxelles | 00:05:50 |
Interpreten der Einspielung
- Epoca Barocca (Ensemble)