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CD-Besprechung

cpo 777 689-2

1 CD • 63min • 2010

09.11.2012

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Der niederländische Komponist Jan van Gilse (1881-1944) ist selbst in seiner Heimat ein noch zu entdeckender Unbekannter. Das hat mehrere Gründe, die nicht unbedingt etwas mit seiner Musik zu tun haben. Zum einen war zu seinen Lebzeiten das Notenverlagswesen in seinem Land nicht besonders entwickelt, vor allem nicht bei (teurer) Orchestermusik. Zum anderen wirkte Gilse als Dirigent lange in Deutschland und galt in nationalistischen Kreisen daher als „zu deutschfreundlich". Das nützte ihm wiederum in Deutschland auch wenig, denn da er sich nach 1933, damals wieder in den Niederlanden ansässig, strikt weigerte, seine Werke Orchestern anzuvertrauen, aus deren Reihen Juden ausgeschlossen waren, machte er sich bei den Nazis, vor allem während der deutschen Besatzung, verhaßt und lebte die letzten Jahre seines Lebens im Untergrund.

Das ehrenwerte Engagement Jan van Gilses besagt allerdings nichts über den ästhetischen Rang seines Œuvres. Und hier wirkt seine an die deutsche Spätromantik angelehnte Musik ein wenig wie zu spät gekommen. Es gibt gut klingende Themen, Geschick bei der Instrumentation, keine allzu strengen akademischen Floskeln, aber letztlich eben doch eine eher retrospektive Musik. Während die Konzertouvertüre ein frühes Werk ist und die vierte seiner insgesamt fünf Sinfonien der mittleren Periode angehört – sie wurde 1915 beendet –, ist die Trauermusik auf den Tod von Eulenspiegel, ein Extrakt aus seiner Oper Thyl, ein interessantes und eindrucksvolles Spätwerk aus der Zeit unmittelbar vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Man geht nicht fehl, in dieser Oper einen antifaschistischen „Subtext" mitzulesen, und das färbt auch auf diesen fast mahlerschen Trauermarsch ab.

Das Orchester aus Enschede bietet unter der umsichtigen Leitung des bewährten David Porcelijn eine vorzügliche, auch klangtechnisch gut realisierte Wiedergabe, so dass man auf weitere Ausgrabungen aus der niederländischen Musikgeschichte durchaus gespannt sein darf. Im ausführlichen, eher biografischen Booklettext vermißt man jedoch analytische Kommentare zu den einzelnen Werken.

Dr. Hartmut Lück [09.11.2012]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Jan van Gilse
1Sinfonie Nr. 4 A-Dur 00:41:08
5Treurmuziek bij den dood van Uilenspiegel 00:11:05
6Konnzertouvertüre c-Moll 00:10:14

Interpreten der Einspielung

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