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CD-Besprechung

Prokofiev

Symphonies 5 & 6

Ondine ODE 1181-2

1 CD • 80min • 2010

12.10.2012

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Kaum hat das Symphonieorchester des finnischen Rundfunks die eingängige melodische Phrase angestimmt, mit der Sergej Prokofieff allem vordergründigen Anscheine nach seine Arme um den realistischen Sozialismus schlang, da wird auch schon klar, dass der Dirigent Sakari Oramo einen musikalischen Weg einzuschlagen gedenkt, der das „welterschütternde" Thema von Kunst und Politik nicht weiterverfolgen will: Eine weiche, geschmeidige, im positiven Sinne „bedeutungslose" Attitüde dominiert die Bewegungen, die sich ebenso zügig wie unangestrengt vor uns ausbreiten und offensichtlich gerade durch dieses natürlich-unforcierte Wachstum die ganze Palette an instrumentalem Raffinement, schräger Kontrapunktik, frechen Rhythmen und jenen wegwerfenden Gesten entfalten, mit denen der Komponist selbst in der Zeit des elenden Schdanow-Beschlusses jede äußere Einflußnahme abwehrte.

Die Auffassung des Dirigenten resultiert also nicht in der Verniedlichung oder Verharmlosung der Um- und Zustände, sondern zielt vielmehr auf jenen inneren, eigentlich nie recht faßbaren Prokofieff, dem es einerseits als sparsamem Hausvater nichts ausmachte, alte Ideen in verschiedensten Kontexten zu recyclen oder vorhandenes Material in immer neuen Editionen unter die Leute zu bringen, dem aber andererseits sogar noch in den letzten Lebensjahren neben gepflegter Langeweile großartigste Schöpfungen von der Art der fünften oder auch der sechsten Sinfonie gelangen, die in der vorliegenden Einspielung meine lange gehegte Vermutung, es könne sich um eine der bedeutendsten Orchesterpartituren Prokofieffs handeln, vom ersten bis zum letzten Takt bestätigt. Der polternde Auftritt, die schleichend gewundenen Streicher, die massiven Detonationen und das zeitweilig auf der Stelle tretende, ausweglose Kreisen, die befremdliche Wagner-Atmosphäre des langsamen, zerklüfteten Mittelsatzes und endlich das verspielte, bis in „orffische" Dauerrhythmen sich verlierende Finale haben mich bisher nie so gepackt wie hier, wo gerade die repetitiven Strecken von einer Elastizität getragen sind, der ich stundenlang zuhören könnte – weshalb die Scheibe denn auch in den letzten anderthalb Wochen nicht nur, wie gewöhnlich, zwei oder dreimal lief, sondern zu einem Ritual wurde, von dem ich mich schwerlich losreißen konnte. Dass die räumliche Realisation etwas tiefer hätte sein dürfen, sei nur als Fußnote erwähnt: Die Lust am verzwickten Spiel und die zwanglose Größe beider Werke leiden nicht darunter.

Rasmus van Rijn [12.10.2012]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Sergej Prokofjew
1Sinfonie Nr. 5 B-Dur op. 100 00:41:39
5Sinfonie Nr. 6 es-Moll op. 111 00:38:08

Interpreten der Einspielung

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