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CD-Besprechung

hänssler CLASSIC 98.654

1 CD • 70min • 2012

12.09.2012

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Für seinen diskographischen Einstand hat sich der Münchner Cellist Valentin Radutiu ein beachtliches Pensum vorgenommen. Der Schüler von Clemens Hagen, Heinrich Schiff, David Geringas und Claudio Bohórquez, der mit seinen sechsundzwanzig Jahren schon eine Reihe nationaler und internationaler Preise im wahrsten Sinne des Wortes eingestrichen hat, verzichtet erfreulicherweise darauf, binnen einer CD sämtliche historischen Epochen und Niveaus mit allen nur erdenklichen Ausdrucks- und Spielarten zu koppeln und einen (wofern solche Produktionen überhaupt des Aufhebens lohnen) vor das große Problem zu stellen, unter welchem Komponistennamen man den gemischten Salat archivieren soll. Radutiu macht es mir leicht: Seine Einspielung wird fortan unter dem Namen „Albéric Magnard" zu finden sein, weil die 1910 entstandene Sonate des Mannes, der vier Jahre später partout mit einem Revolver gegen vordringende deutsche Soldaten den Helden spielen mußte und dabei den Kürzeren zog – weil diese Sonate für mich den unzweifelhaften Höhepunkt des insgesamt erfreulichen Debüts darstellt. Einmal ist es eine Musik, deren ausladende und doch konzentrierte Dichte dem Konzert der damaligen französischen Hauptstimmen einen ganz eigenen, aufregenden Cantus firmus hinzufügt, und dann besteht Radutiu im vorzüglichen Dialog mit dem äußerst eloquenten, sensiblen Kämmerling-Schüler Per Rundberg die kapitale Herausforderung des knapp halbstündigen Viersätzers weithin überzeugend: Mit großen Bögen, weiträumig gespannten Haltetönen, zu denen Rundberg eine fabelhafte Palette präsentieren kann, mit rabiat bohrenden, köstlich schwärmenden und sinfonisch-tiefen Klängen gewinnt Magnards Kreation definitiv den Ehrenpreis im Kreise ihrer Verwandten.

Einzig den attacca-Übergang vom leise sich erschöpfenden Scherzo in die knallenden Pizzikati der anschließenden Trauermusik hätte ich mir mit einem weicheren Aus- und Einatmen vorstellen können, und eben dieses genaue Gespür für dramatische Wirkungen beziehungsweise Konzeptionen ist es, das der eigentümlichen, wiederum ausgesprochen individuellen Sonate von Edouard Lalo zuträglich gewesen wäre. Hier spielt sich vieles, beinahe wie das Monodram einer multiplen Persönlichkeit, auf der Bühne ab; mal sind Gesten, mal Rezitative und veritable Sänge zu gestalten, will man der zerklüfteten Form wirklich gerecht werden – und das wäre, bei aller Tonschönheit und innern Kraft des Cellisten, noch ein wenig gründlicher zu empfinden.

Ein feineres Differenzieren zwischen dem, was (technisch) möglich ist, und dem, was (künstlerisch) wirklich „geht", hätte schließlich der Sonate von Maurice Ravel, die sich Valentin Radutiu selbst für seinen Tieftöner eingerichtet hat, nicht ihre grenzenlose Leichtigkeit genommen. Natürlich stimmt der „Jazz" und natürlich fliegen die beiden Musiker – wieder ist Rundberg nicht Begleiter, sondern gleich starker Motor der Ereignisse – im Finale gewissermaßen spiralförmig auf das kochende Ende zu. Doch die Musik ist für die Geige geschrieben und aus ihr herausgehört, weshalb sie auch nur dann die Gesetze der Gravitation vollends zu überwinden vermag. So bleibt es beim eingangs gefaßten Beschluß: Diese CD wird unter „Albéric Magnard" einen ausgezeichneten Platz einnehmen und mir immer wieder die Frage stellen, warum nicht Claude Debussys großartiges Spätwerk das vielversprechende Recital beenden durfte. Können hätten Valentin Radutiu und Per Rundberg das gekonnt.

Rasmus van Rijn [12.09.2012]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Edouard Lalò
1Sonate für Violoncello und Klavier 00:24:34
Albéric Magnard
4Sonate op. 20 für Violoncello und Klavier 00:27:27
Maurice Ravel
8Sonata No. 2 G major op. 7 for Violin and Piano 00:18:16

Interpreten der Einspielung

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