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CD-Besprechung

cpo 777 474-2

2 CD • 2h 19min • 2009

16.07.2012

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Laut Wikipedia soll es 8 Vertonungen von Kleists Ritterschauspiel Das Käthchen von Heilbronn geben. Mir ist keine einzige davon bekannt, und mir war bis jetzt auch die romantische Oper kein Begriff, die der gebürtige Erfurter Carl Reinthaler (1822-1896), seit 1859 städtischer Musikdirektor und Domkantor in Bremen, aus dem Stoff destilliert hat und die nach der Frankfurter Premiere 1881 auf deutschen Bühnen eine Zeitlang sehr erfolgreich war. Das Theater Erfurt, unter der Intendanz von Guy Montavon stets entdeckerfreudig, hat sie vor drei Jahren wieder ausgegraben. Über die Inszenierung waren die Meinungen damals geteilt, dass sich die Mühe der Wiederbelebung wegen der Musik gelohnt hat, stand aber außer Zweifel. Und es wird jetzt durch den bei cpo veröffentlichten Mitschnitt der Premiere bestätigt.

Was der Librettist Heinrich Bulthaupt, der Nachwelt durch sein Buch „Dramaturgie der Oper“ (1887) in Erinnerung geblieben, aus Kleists Stück gemacht hat, ist ziemlich abenteuerlich. Da bleibt kein Stein auf dem anderen, da werden die Handlung und die Personen rigoros den Erfordernissen einer Erfolg versprechenden romantischen Oper angepasst. Und Bulthaupt verstand sein Metier, das ist ganz klar. Das Vorbild Lohengrin ist überdeutlich. Käthchen und der von ihr angehimmelte Friedrich Wetter von Strahl weisen viele Parallelen zu Elsa und Lohengrin auf, das zweite Paar Kunigunde und Rheingraf erinnert an Ortrud und Telramund. Bulthaupt zielt auf operngerechte Wirkungen, setzt Kriegslieder und Nonnengesänge gegeneinander, und schöpft auch Schaueffekte der Grand Opéra aus, wie den Brand im 3. Akt, der Friedrichs Schloß schließlich zusammenstürzen läßt. Ein Cherub bewahrt das eingeschlossene Käthchen vor dem Flammentod. Reinthaler weiß in dieser seiner zweiten Oper die szenischen Vorgaben mit großem handwerklichem Geschick umzusetzen, aus starken Kontrasten Spannung aufzubauen. Arien im herkömmlichen Sinne gibt es bei ihm nicht mehr, dafür – ähnlich wie bei Schumann – liedähnliche Sologesänge sowie einige durchkomponierte Monologe. Doch ist die ästhetische Haltung insgesamt retrospektiv. Die Nummernoper wird nicht in Frage gestellt. Einige eindrucksvolle Duette und Ensembles hätten in dieser Form bereits vierzig Jahre früher komponiert werden können. Reinthalers melodischer Einfallsreichtum ist beträchtlich, seine Kunst der Orchestrierung sehr fortgeschritten. Das in der Ouvertüre eingeführte, durch das gesamte Stück geisternde Traum-Motiv erweist sich als regelrechter Ohrwurm. Beim Happy End führt die Melodienseligkeit dann fast in operettenhafte Gefilde.

Die Erfurter Aufführung wird den Ansprüchen der Musik weitgehend gerecht. Liebevoll breitet Samuel Bächli mit dem Orchester die Pretiosen der Partitur aus, unter den Sängern hinterlassen Marisca Mulder als Käthchen und Ilia Papandreou als Kunigunde mit ausdrucksstarken, aber genügend differierenden Sopranstimmen den stärksten Eindruck. Richard Carlucci versieht Friedrich mit hellem, „italienischem“ Tenorstrahl, aber auch einigen verquollenen Tönen. Alle Sänger bemühen sich um Textverständlichkeit, aber das Sammelsurium fremdländischer Akzente wirkt dadurch doppelt kurios. cpo hat das Libretto dankenswerterweise auf deutsch und englisch abgedruckt. So empfiehlt sich diese Publikation auch als Anregung für weitere Aufführungen an anderen Theatern.

Ekkehard Pluta [16.07.2012]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Carl Reinthaler
1Das Käthchen von Heilbronn (Romantische Oper in vier Akten)

Interpreten der Einspielung

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