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CD-Besprechung

Eight Strings

Present

OehmsClassics OC 837

1 CD • 58min • 2010, 2011

12.06.2012

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Aus dem Zusammenspiel des gefragten Duos Eight Strings spricht die vollendete Instrumentenbeherrschung, wie sie die russische bzw. osteuropäische Schule vermittelt. Da sprüht eine unbändige Musizierlust, wenn sich Valeria Nasushkina und Mikael Samsonov im Duo dem „ultimativen Destillat der Streicherkammermusik“ verschreiben – so charakterisiert Alexander Reichert im Booklet das unmittelbare Aufeinander-Bezogensein einer Violine auf ein Violoncello. Auf ihrer aktuellen CD auf dem Label Oehms Classics demonstriert das Duo einmal mehr, welche Ausdruckskraft und welches Höchstmaß an luftiger Transparenz gerade aus dieser Zweierbeziehung erwächst.

Es macht fast schwindelig, versetzt in Staunen und reißt mit, wie hier die moldawische Geigerin und der Cellist aus Weißrussland sich im Dialog herausfordern, zur Einheit verschmelzen, wenn sie die Töne, tanzen, singen und manchmal auch rocken lassen.

Dazu haben sie ein Repertoire, das betont variabel das Ausdruckspotenzial dieser Konstellation zur Entfaltung bringt. Und dabei auch Einblicke in eher selten besuchte Nischen der Musiklandschaft vermittelt. Da hat Johan Halvorson (1864-1935) eine Händel-Sarabande gewissermaßen in neuzeitliche Gewänder gekleidet und macht überaus kreativen Gebrauch vom Variationenprinzip. Valeria Nasushkina und Mikael Samsonov stürzen sich auf Anhieb in einen Taumel hinein, in dem kontrapunktische Strenge von einem chamäleonhaften Farbenreichtum überstrahlt wird.

Dann verdichten Valeria Nasushkina und Mikael Samsonov das Temperament und legen in zeitgenössischen, zugleich erfrischend eingängigen Kompositionen an spielerischem Schwung noch weiter zu! Das Stück Present von Ondrej Kukal ist ein synkopengeschwängerter Parforceritt. Spannungsvoll reibt sich eine mit hoher Strahlkraft singende Violine an einem opulenten Marcato des Cellos. Und durchaus könnte man in Tim Ströbeles Komposition Nachts einen gut gemachten Rocksong heraushören, wenn sich über wuchtigem Trommelfeuer eine hymnische Stimme erhebt.

Dass die Zeiten im 18. Jahrhundert so gänzlich andere waren, Menschen vermutlich völlig anders miteinander umgingen und sich dadurch auch ganz anders ausdrückten, verdeutlicht das Duo Opus 12 von Giovanni Battista Cirri, der von 1724 bis 1808 lebte. Hier handelt es sich übrigens um eine Weltersteinspielung. Und geboten wird ein gemessen-kontrollierter, aber sehr verfeinerter galanter Stil in Reinkultur. Ganz ohne neuzeitliche Expressivität betont dieses Stück so viel Distanz zum Vorhergehenden – aber es versteht sich, dass Eight Strings diesen Kontrast mit maximaler Eleganz in Szene zu setzen wissen.

Bis hierhin hat dieser kontrastreiche Bogen bereits ein schier grenzenloses spieltechnisches und kreatives Potenzial dieser Zweierkonstellation offen gelegt. Zum Finale werden zwei Werke aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Angriff genommen, wie sie gegensätzlicher kaum sein könnten und damit die Pluralität ästhetischer Ansätze in dieser Epoche offengelegt. Erwin Schulhoffs Zingaresca fordert fast schon zu körperhaften Tanzgesten heraus. Die Kraft des Rhythmischen, eine schier berstende emotionale Glut und eine subtile Prise ironischen Humors finden sich hier in gerade mal dreieinhalb Minuten. Das sind manchmal in Töne gesetzte euphorische Luftsprünge und eine – von diesem Duo lustvoll betonte!- pochende Motorik, die entfernt an Bartóks Orchesterdivertimento erinnert.  

Eine empfindsame, klagende, träumerische Melodie zieht schließlich hinein in den sehr bildhaften und aufgewühlten Klangkosmos von Maurice Ravels Sonate aus dem Jahr 1920. Glühende romantische Stimmung verbreiten die kongenial zum Klingen gebrachten acht Saiten hier. Was immer auch kommt – alles wird von diesem Duo hellhörig ausgeforscht. Man ist beinahe versucht zu glauben, dass hier viel mehr Instrumente, ja, ein kleines Orchester, mindestens aber ein Quartett beteiligt ist.

Stefan Pieper [12.06.2012]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johan August Halvorsen
1Sarabande con Variazioni g-Moll (nach Händels Suite Nr. 7) 00:09:42
Ondrej Kukal
2Present 00:07:47
Tim Ströble
3Abschied 00:03:32
4Nachts 00:03:46
Giovanni Battista Cirri
5Duo B-Dur op. 12 00:09:43
Erwin Schulhoff
8Zingaresca 00:03:36
Maurice Ravel
9Sonate für Violine und Violoncello 00:13:52

Interpreten der Einspielung

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