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CD-Besprechung

Schumann Der junge Virtuose

Schumann<br />Der junge Virtuose

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 05.01.12

hänssler CLASSIC 98.632

1 CD • 67min • 2011

Im Umfeld aller schöpferischen Erregungen des Komponisten Robert Schumann kann es anscheinend kein musikologisches und damit auch kein rezeptives Schlusswort geben. Die nun mit Folge 2 einer ersten „echten" Gesamtaufnahme aller – und wie versprochen: wirklich aller! – Klavierwerke mit Florian Uhlig ist der sorgsam fundierte Nachweis. Ihn führt Joachim Draheim in seinen ausführlichen Kommentaren und als leidenschaftlicher Protagonist des bisher Ungehörten. Der Pianist begibt sich also vertrauensvoll unter die Fittiche des gewieften Schumannologen, wobei er in der rein klavieristischen ebenso wie in der gestalterischen Finalisierung eine mehr als zufriedenstellende Figur macht. Uhlig vereint auch in Folge 2 geschmeidige Brillanz mit einer sicheren Witterung für kleine und markante Stimmungswechsel, wie sie im Thème sur le nom ‚Abegg' varié verlangt werden. Das technisch äußerst anspruchvolle Stück steht als Opus 1 am Beginn einer bis zum Opus 23 einzig dem Klavier verpflichteten Werkfolge. Es steht aber auch – wie Draheim sorgfältig durchleuchtet – für eine verwirrende, slalomartige Entstehungs- und Publikationsgeschichte. Ähnliches gilt auch für die als Opus 7 vertraute Toccata, die Uhlig am Ende dieser Einspielung mit Ausdauer bewältigt, freilich in einigen entscheidenden Momenten nicht ganz so plastisch und explosiv wie sie György Cziffra zur akustischen Schau stellt und auch nicht so raffiniert geschichtet und gestaffelt, wie mir das von Horowitz auf seiner berühmten CBS-LP „The Sound of Horowitz" in Erinnerung ist.

Bei dem am Beginn der Programmfolge von Uhlig präsentierten Exercise pour le pianoforte C-Dur handelt sich sozusagen um die später gedruckte Toccata im Embryonalstadium. Das im Mai 1830 entstandene Werk hieß bis auf weiteres zunächst „Étude fantastique en double sons" bzw. „Exercise fantastique". Mehrere gescheiterte Versuche, es zu verkaufen, brachten Schumann 1833 offenbar zu der Einsicht, eine überarbeitete Fassung anbieten zu müssen. Er selbst war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in der Lage, die technischen Schwierigkeiten zu bewältigen. Das angestrengte Studium von Chopins Mozart-Variationen (op. 2) hatten bekanntlich und betrüblich die Erlahmung seiner rechten Hand zur Folge. Ludwig Schunke und Clara Wieck waren es, die – so wollten es kundige Zeitgenossen wissen – als einzige souverän über die Hürden dieses kleinen Doppelgriff- und Oktavenmonsters kamen, wobei es der virtuosen Dame noch dazu gelang, die Vorlage „poetisch aufzufassen und ihr durch und durch eine Seele einzuhauchen" (so der Kritiker Ernst Ortlepp im September 1834).

Was Schumanns Beschäftigung mit der Persönlichkeit Paganinis und mit dessen Capricen anbelangt, so befinde ich mich in fast völliger Übereinstimmung mit Joachim Draheim. Er summiert seine interessanten philologischen Erkenntnisse mit den Worten: „Bei den Studien op. 3 hört man Paganinis Capricen in der kongenialen Klavierfassung Schumanns, bei den Etüden op. 10 glaubt man bisweilen, ein originales Klavierwerk Schumanns vor sich zu haben, das an Paganini erinnert." Meine „fast"-Einschränkung bezieht sich auf die hohe Bewertung der Sammlung op. 3 mit dem Attribut „kongenial". Eine solche Prämierung steht, wie ich meine, einzig den fast zeitgleich entstandenen sechs Paganini-Etüden Franz Liszts zu!

Florian Uhlig leistet eine Menge an Konturierung der von Schumann nicht immer schlank vertonten Ausgangslinearität, zeigt sich sportlich bestens trainiert und zugleich bewegt er sich mit seinen farblichen Abmischungen sicher zwischen Hell und Dunkel. Ältere Alternativeinspielungen – im Rahmen seinerzeit noch als vollständig angepriesener Gesamtdarstellungen – wie etwa mit Karl Engel (Telefunken), mit Peter Frankl (Vox) oder mit Jörg Demus (zuletzt auf Fonit Cetra) kann man getrost vergessen. Sviatoslav Richters Einstudierung kam wohl leider etwas zu spät, ganz im Gegensatz zur Version der japanischen Pianistin Kei Itoh (Fontec FOCD 9329), die sich ähnlich wie Uhlig mit Können, Verstand und wohl auch Hingabe aus der heiklen Paganini/Schumann-Affäre zieht.

Peter Cossé † [05.01.2012]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 R. Schumann Exercise pour le Pianoforte C-Dur (Frühfassung der Toccata C-Dur op. 7) 00:04:39
2 Abegg-Variationen op. 1 00:07:48
9 Studien nach Capricen von Paganini op. 3 00:15:58
15 Sechs Konzert-Etüden nach Capricen von Paganini op. 10 00:31:28
21 Toccata C-Dur op. 7 00:06:35

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Florian Uhlig Klavier
 
98.632;4010276024514

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