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CD-Besprechung

M. Dupré • F. Liszt

Ambiente 1 CD ACD 1047

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 23.12.11

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Ambiente ACD 1047

1 CD • 80min • 2010

Die aktuelle Ambiente-CD in den Händen, stellte sich sofort die Frage, wie es um die Orgelfassung der Liszt-Sonate von Bernhard Haas bestellt sei. Wichtige Klavierwerke wie Mussorgskys Bilder einer Ausstellung oder die Hammerklaviersonate Beethovens sind orchestriert worden. Eine Fülle von Kompositionen (dabei keinesfalls nur von erster Qualität!) haben Instrumentalisten verschiedenster Profession zu Bearbeitungen, Transkriptionen, Paraphrasen und Improvisationen inspiriert. Auch mutige, in stilistischen Fragen sozusagen liberale Organisten trugen und tragen zu dieser Sekundärliteratur bei. Natürlich verhält es sich mit der kapitalen, extrem viel gespielten und immer wieder aufgenommenen h-Moll-Sonate anders als mit einem überschaubaren, begrifflich eindeutigen Stück aus der ästhetischen Liga des Populären. Es handelt sich um ein gedanklich wie spirituell vielschichtiges, pianistisch extrem anspruchsvolles Stück, dessen vertikale und horizontale Ereignisse, zudem seine akkordischen Schichtungen und Ballungen selbst für einen erfahrenen Klaviervirtuosen nicht leicht in Schwung, Eleganz und Maestoso-Prächtigkeit transparent zu halten sind. Zudem bewegt sich der „Musiker" Haas, wie er im Begleittext schlicht genannt wird, auf Liszts Bearbeiterspuren, denn der Meister selbst hat etliche Klavierwerke für die Erfordernisse des Organistenmetiers zugänglich gemacht.

In der ebenso packenden wie nachdenklichen, ja in manchen Abschnitten geradezu von Himmelsgesängen und Engelszungen getragenen Interpretation des 30jährigen Organisten Winfried Lichtscheidel werden diese Aspekte – freilich individuell behandelt – farblich und im Technischen umsichtig beachtet. Dem unter anderen von Ludger Lohmann und dem erwähnten Haas ausgebildete Friedrichshafener Organisten gelingt es, die drei Manuale und die Pedalvorrichtung der zwölf Jahre alten Woehl-Orgel (samt der über diese Arbeitsplattformen verteilten Register) in einer Mischung aus Klangerkundung, Klangdifferenzierung und Achtsamkeit zum Leben und zum Erleben zu erwecken. Dies gilt auch für jene schnellen Passagen, die vor allem in Richtung Bassregion selbst bei bestens trainierten Pianisten allzu oft im Klangbrei des Stürmens versinken. So gelingt es Lichtscheidel in der St. Martinus- Kirche zu Sendenhorst jederzeit, diese Liszt-Sonate verständlich zu halten. Darüber hinaus scheinen die durch die Orgelcharakteristik bestimmten Wechselwirkungen von weltlich aufbrausendem Glanz und quasi-religiöser Verinnerlichung nach Kräften präzisiert. Und wenn es Liszt auf unnachahmliche Weise verlangt, diese Werte zu verschmelzen, dann kann sich dieser Interpret gleichsam auf voll geladene Musenbatterien verlassen.

Winfried Lichtscheidels Darbietung der Fantasie mit Fuge über den Choral Ad nos, ad salutarem undam aus Meyerbeers Oper Le Prophète erklingt unter solch günstigen Umständen wie unter einem musikalisch-musikologischen Vergrößerungsglas, dessen Hilfe in allen Fragen der Detailschärfe aber keineswegs den Durchsichtigkeit des gestaffelten und strömenden Ganzen verstellt. In der für brillante Organisten sehr attraktiven Orgelsymphonie op. 26 von Marcel Dupré zeigt Lichtscheidel noch einmal sein Gespür für mobile und koloristische Wirkungen, zumal im rasanten Toccaten-Finale.

Diese Einspielung erinnert den Musikfreund daran, dass es mit der Präsenz von Organistenpersönlichkeiten wie Lichtscheidel wieder aufwärts gehen könnte. Allzu viele Preisträger tauchten in den letzten zwanzig, dreißig Jahren in musikwissenschaftlichen Institutionen unter, begrenzten ihr Tun auf regionale Räume, konnten (oder wollten) sich zumindest nicht als Solisten von Weltruhm entwickeln, wie etwa Helmut Walcha, Jean Guillou, Daniel Chorzempa oder auch Marie-Clair Alain.

Vergleichsaufnahmen: Dupré: Kynaston (Mitra Schallplatte Bonn 16183), Schröder (FSM 63206); Liszt: Ad nos, ad salutarem undam - Lohmann (Pape OD 1004), Alain (RCA ECD 88241 QA)

Peter Cossé [23.12.2011]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Liszt Fantasie und Fuge über den Choral "Ad nos, ad salutarem undam" 00:29:33
4 M. Dupré Deuxième Symphonie Nr. 2 op. 26 00:19:03
7 F. Liszt Klaviersonate h-Moll S 178 (Bearb. für Orgel) 00:30:30

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Winfried Lichtscheidel Orgel
 
ACD 1047;4029897010479

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