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CD-Besprechung

Maria Solozobova

Maria Solozobova

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 4

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 4

Besprechung: 26.10.11

Antes BM-CD 31.9275

1 CD • 76min • 2010

Eine Art geigerischen Ironman absolvierte Maria Solozobova in den Disziplinen Bach, Vivaldi und Haydn am 26. November 2010 in der Zürcher Kirche St. Peter mit einem Konzert, das hier als Live-Mitschnitt präsentiert wird. „Musikalische Perlen" steht als Titel auf dem Cover der CD, die Ankündigung auf der Homepage der Künstlerin führt freilich den Titel „Musikalisches Feuerwerk" auf, und das entspricht dem Geist der Interpretationen erheblich besser.

Maria Solozobova, in Moskau geboren, studierte am Tschaikowsky-Konservatorium. 2004 legte sie dort ihr Diplom mit Auszeichnung ab und ging in die Schweiz, um an der Hochschule in Zürich weiter zu studieren und schließlich in Basel 2008 das Solistendiplom mit Auszeichnung zu absolvieren. Nach zahlreichen Wettbewerbserfolgen verfolgt die Künstlerin inzwischen eine weltweite Karriere.

Tonsicher und resolut geht Maria Solozobova auf dieser CD zu Werke. Das manifestiert sich allein schon in den Tempi: Sie sind durchweg forscher als in den Vergleichsaufnahmen, bei deren Auswahl bewusst auf die Heranziehung von Aufnahmen der historisch informierten Aufführungspraxis verzichtet wurde (wenn es auch weh tat, Rachel Podgers wunderbare Alternativen außen vor lassen zu müssen). Im Expresszug saust Maria Solozobova durch Vivaldis musikalischen Jahreslauf – und immer, wenn man einen Augenblick ausruhen könnte, kommt eine kleine schwatzhafte (nein, leider nicht beredte) Verzierung, die mehr die Künste der Solistin als die Musik illustrieren soll. Bei Joshua Bell fliegt die Landschaft nicht vorbei, genüßlich kann man hier all die schönen Details an sich vorüberziehen lassen.

Auch Solozobovas Bach vibriert von Sportsgeist, warum nur schickt sie einen Meister auf einen Jogging-Parcours, der seine Sportlichkeit auf der Orgelbank sitzend durch flinke Finger und geläufige Füße unter Beweis gestellt hat? Kolja Blacher und Helmut Müller-Brühl sind weiß Gott kein gemächliches Duo, allerdings käme ihnen nicht in den Sinn, die Subtilität der Partituren im Marschtritt niederzustampfen. Und immer, wenn Gefühl im Spiel sein soll, wabert bei Solozobova das Vibrato – für Blacher ist es ein Artikulationsmittel unter verschiedenen, und so soll es nach heutigen Erkenntnissen der Gestaltung von Barockmusik ja auch sein.

Bei Haydns erstem Violinkonzert fiel es am schwersten, auf Rachel Podgers herrliche Aufnahme als Vergleichspunkt zu verzichten, doch auch hier stand Helmut Müller-Brühl bereit, diesmal mit Augustin Hadelich, einem Absolventen der Juilliard School und mittlerweile mit 27 Jahren international erfolgreicher Geiger. Haydns Werk entstand ungefähr 1765, also in seinen ersten Jahren im Dienst des Fürsten Esterházy, es hat nicht mit großer Virtuosität aufzuwarten, vereint allerdings Spielfreude mit Charme und Eleganz. Der Mittelsatz, ein Adagio, bietet reichlich Gelegenheit, gestalterisch in die Tiefe zu gehen; die Bezeichnung Romanze, wie Mozart ihn in seinem Klavierkonzert KV 466 verwendet, würde für diesen stimmungsvollen Satz gut passen. Frau Solozobova aber hat keine Zeit, sie eilt vorüüber, und wieder muss das Vibrato für das Gefühl herhalten. Hadelich gibt dem Adagio 58 Sekunden mehr Zeit (bei fünf Minuten Spieldauer schon eine ganze Menge), und auch er setzt Vibrato ein, aber eben als bewusstes Artikulationsmittel – siehe oben…

Immerhin kommt die Ironwoman auf ihrer tour de force nicht außer Atem, sie scheint sogar noch ein Megaphon um den Hals gebunden zu haben, so überdeutlich ist alles artikuliert. Von der heute gern und zu recht beschworenen Klangrede kann hier keine Rede sein – sie bleibt auf der Strecke.

Vergleichsaufnahmen: Vivaldi : Die vier Jahreszeiten – Joshua Bell, Academy of St. Martin in the Fields (Sony 88697110132); Bach: Violinkonzerte BWV 1041 u. 1043 – Kolja Blacher, Kölner Kammerorchester, Helmut Müller-Brühl (Naxos 8.554603); Haydn: Violinkonzert – Augustin Hadelich, Kölner Kammerorchester, Helmut Müller-Brühl (Naxos 8.570483).

Detmar Huchting [26.10.2011]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Haydn Violinkonzert Nr. 1 C-Dur Hob. VIIa:1a 00:16:43
4 J.S. Bach Konzert d-Moll BWV 1043 für 2 Violinen und Orchester 00:13:19
7 Konzert a-Moll BWV 1041 für Violine und Orchester 00:12:11
10 A. Vivaldi Le quattro stagioni op. 8 42:31:53

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Maria Solozobova Violine, Leitung
Robert Zimansky Violine
Ensemble Camerata Musica Barocca Ensemble
 
BM-CD 31.9275;4014513026569

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