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CD-Besprechung

Johannes Brahms Works for Piano Duo

Genuin GEN 11197

1 CD • 78min • 2010

12.08.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

In Johannes Brahms' Werken für Klavier zu vier Händen klingt meist insofern eine zweite Ebene mit, als einige der Stücke Parallelfassungen von alternativen, größer dimensionierten Werken sind: Die Sonate für zwei Klaviere f-Moll op. 34b wurde ursprünglich als Streichquintett komponiert, dann zum Klavierquintett umgearbeitet und später für zwei Klaviere arrangiert; die Haydn-Variationen op. 56b werden meist in der Orchesterfassung gespielt. Also stellt sich die Frage, worin der vergleichsweise spezifische Mehrwert der Versionen für Klavier zu vier Händen liegt, ob nun ein oder zwei Klaviere bespielt werden.

Das junge ukrainische Klavierduo Chipak-Kushnir, das erst 2008 sein Debütalbum vorlegte, beantwortet die Frage für sich so, dss sie die intimen Passagen mit besonderem Interesse verfolgen. Man höre allein das wirkliche Piano, die zauberische Atmosphäre in der Themen-Exposition der Haydn-Variationen, das ja gar nicht von Haydn ist, und dann den Wechsel dieser berückend sensiblen Passagen mit einem weich abgerundeten, leuchtenden Tutti in den folgenden Variationen.

Generell ist das Spiel Olha Chipaks und Oleksyi Kushnirs daraufhin ausgerichetet, die Sinnlichkeit der Werke herauszustellen, etwa das typisch Brahms´sche Misterioso, aber auch sein saftiges Zigeunertum und sein Hang zum schweren, akkordischen Klaviersatz mit den allgegenwärtigen tiefen und tiefsten Bässen, die manche Pianisten glauben, aufhellen zu müssen. Das ukrainische Duo greift hingegen beherzt in die Tasten, reduziert die Massivität nicht über Gebühr, schafft es jedoch selbst in den quasi orchestralen Passagen aller drei Werke, die Massen noch durchaus elegant zu bändigen – ins „Gründeln“, also ins Dumpfwerden des Klanges, ins Verkleben und Verfilzen gerade in der Tiefe, führt das Volumen hier nie. Die Akustik kommt dem Duo dabei sehr entgegen, weil das angenehm hallige, transparente, vielleicht nur einen Tick zu weichgezeichnete Klangbild der Ästhetik der Pianisten gut entspricht. Ab und an vermißt man vielleicht sowohl ästhetisch wie klangtechnisch auch spitzere, markiertere, idiomatisch „wienerische“ Klänge, die das Duo seiner Palette vielleicht in der Zukunft noch hinzufügen könnte. Dafür werden die kaum einmal zu hörenden vierhändigen Variationen über ein Thema von Schumann op. 23, ein weithin unbekanntes Hauptwerk des frühen Brahms über das sogenannte „Geisterthema“ des späten Schumanns, gerade mystisch dargestellt: vom sensiblen, unwirklichen Beginn bis hin zum transzendierenden Schluß.

Dr. Michael B. Weiß [12.08.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johannes Brahms
1Sonate f-Moll op. 34b für 2 Klaviere 00:41:29
5Haydn-Variationen B-Dur op. 56b für 2 Klaviere 00:17:28
15Variationen über ein Thema von R. Schumann Es-Dur op. 23 00:18:32

Interpreten der Einspielung

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