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CD-Besprechung

Kodály conducts Kodály

Hungaroton HCD 32677-78

2 CD • 2h 04min • 1957, 1958, 1960

30.08.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 5
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 5

Ärgerlich an dieser Veröffentlichung ist wieder einmal die nachlässige Hauruck-Haltung der Editoren. Wäre es wirklich zuviel verlangt, sich einem der großen Künstler des eigenen Landes mit einem solchen Maß an Respekt zu nähern, dass ordentliche Übersetzungen, ansehnliche Innenseiten und manierliche Gesangstexte geliefert werden? Schnell-schnell-schnell: Diese Fast-Food-Devise gehört sich einfach nicht, wenn man mit seinen Erzeugnissen wirklich was Dauerhaftes erreichen will – schon gar nicht, wenn diese Produkte mit geistiger Ware von erheblicher Bedeutung zu tun haben.

Das ist natürlich nicht nur bei Hungaroton zu bemerken. Doch ich habe den Eindruck, dass man sich gerade hier auf die Fremdartigkeit der Muttersprache verläßt – versteht eh keiner! Ja von wegen. Es gibt sogar Leute, die lernen dieses magyarische Idiom ganz einfach wegen seiner Klarheit und Schönheit und können zumindest feststellen, dass die englische Textvariante, die den Psalmus hungaricus begleitet, nur mit einiger Fantasie zur Deckungsgleiche zu bringen ist und dass man bei der Übertragung der Werkerläuterungen, anstatt der originalen Agglutination zu entgehen, teils recht verschraubte deutsche Satzgebilde fabrizierte...

Besonders unschön ist das alles, weil man's schließlich nicht mit irgendeinem Postkartenkitsch zu tun hat, sondern mit einem der herausragenden Komponisten des Landes und einem Pädagogen, vor dem wir den Hut ziehen. Die unter seiner Leitung zwischen August 1956 (Missa brevis) und Juli 1960 (Sommerabend, Konzert für Orchester) entstandenen Aufnahmen sind denn auch mit jener vernehmlichen Autorität ausgestattet, die wir gemeinhin als "authentisch" bezeichnen. Zwar läßt die produktionstechnische Patina viele klingende Feinheiten im leicht klirrenden Ungefähr untergehen – vor allem, wenn in den geistlichen Werken der Chor zu singen hat. Aber über diesen äußeren Makel kann man durch die immense Kraft "hinweghören", die die Musik durchwirkt: Gerade der Psalmus, hier mit dem insgesamt fesselnden Tenor Tabor Udvardy, und die in ihren Soli sehr schön besetzte, innige Missa brevis (welch ein Agnus dei!) belohnen die inwendige Fehlerkorrektur mit herrlichen Bögen und dramatischen Kleinszenen. Dem anfangs deutlich neobarockisierenden Te Deum fehlt es ein wenig an der musikalischen Kohärenz, doch dafür können wir ein Soloquartett erleben, in dem gerade der Bass András Faragó seiner profunden Stimmlage alle Ehre macht.

Die atmosphärische Schönheit des 1929 revidierten Sommerabends von 1906 entwickelt sich rasch aus der Nähe zum Jugendstil der Jahrhundertwende zu einer ganz individuell getönten und tönenden Landschaft, deren pastose Farben Kodály nicht mit den feinen Pinsel, sondern mit dem Malmesser aufgetragen hat. Und das 1941 in Chicago erfolgreich uraufgeführte Konzert für Orchester setzt mit seiner kunstvollen, raffinierten Synthese aus barocken und ungarischen Elementen, seiner gekonnten Durchführungsarbeit und seiner konzentrierten Gesamtform einen derart glänzenden Schlußpunkt, dass die Diskrepanz zwischen Edition und Inhalt nur noch derber ins Gewicht fällt.

Rasmus van Rijn [30.08.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Zoltán Kodály
1Psalmus hungaricus op. 13 für Tenor, gemischten Chor und Orchester 00:23:54
2Missa brevis für Soli, Chor und Orchester 00:34:48
CD/SACD 2
1Budavári Te Deum für Soli, Chor und Orchester 00:21:46
2Nyári este für Orchester 00:21:02
3Konzert für Orchester 00:22:24

Interpreten der Einspielung

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