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CD-Besprechung

cpo 777 092-2

1 CD • 65min • 1999, 2004, 2007

21.04.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

„Ich treibe nicht, ich werde getrieben; ich schreibe nicht, ich werde geschrieben." Diese Worte, die der späte Ernst Toch an seine Gemahlin richtete, werden immer wieder gern zitiert und sollen uns offenbar daran mitleiden lassen, dass jemand, der über sein schöpferisches Potential die Kontrolle verloren hat, über sein schööpferisches Potential die Kontrolle verloren hat.

Glücklicherweise war das nicht so. Sonst hätte Ernst Toch nicht noch in seinem Todesjahr solch eine sparsame und schöne Musik komponiert, wie sie sein achtminütiges Quartett op. 98 für Oboe, Klarinette, Fagott und Viola enthält. Da ist viel zwanghaftes Modernseinwollen abgefallen, regieren einfache, unnervöse Linien und sympathische Farben, weshalb mir denn auch dieser Abgesang wie der stille Gipfel einer über etliche Jahre hin entstandenen Produktion vorkommt – ein poetisches Echo des ebenso originellen wie subtilen Auftakts, der seinerseits nicht minder erfreulich zu hören ist: Die chinesische Flöte op. 29 aus dem Jahre 1922, wie Gustav Mahlers Lied von der Erde nach Hans Bethges Übertragungen ausgeführt, verlangt neben einer Sopranstimme je zwei Flöten und Klarinetten, Celesta, fünf Schlagzeuger und Streichquintett, versteht sich dem Untertitel zufolge als „Kammersinfonie" und ist ihrerseits ein Muster der Sparsamkeit sowohl in den drei rein instrumentalen wie in den drei vokalen Sätzen, die sich miteinander verschränken. Das fernöstliche Kolorit, auf das bereits die exotische Besetzungsliste vorbereitet, dominiert die Partitur, die Dynamik ist verhalten, die Klänge verteilen sich vielfach mit meditativer Ruhe im Raum, um sich zwischendurch wie Antizipationen besserer Fu-Man-Chu-Musiken zu verdichten (wie Korngold hatte auch Toch anscheinend die natürliche Begabung fürís Zelluloid) – und so bleibt ein durchaus individueller Eindruck hängen, der durch die vorzügliche Stimme der Solistin Maria Karb noch einmal gewinnt. Wenn sie in ihrer ersten Phrase („An einem Abend, da die Blumen dufteten") die „Blumen" erreicht hat, wirkt das in der Tat, als ginge ein silberner Mond über dem Gedichte Li-Tai-Pos auf ...

Ein bißchen hektisch und gewollt erschienen mir die Fünf Stücke für Bläser und (zwei) Schlagzeuger op. 83 aus dem Jahre 1959, während sich das Westentaschendrama Egon und Emilie op. 46 nach Christian Morgenstern, aus- und aufzuführen mit Koloratursopran, Sprecher und sieben Blasinstrumenten, letztlich als eine prophetische Vorstudie zu Bruno Heinz Jajas Kurzoper Der Barbier von Darmstadt erweist, die bekanntermaßen bei den britischen Gerard-Hoffnung-Festivals für großes Aufsehen sorgte: Die Dame des Hauses krakeelt ihre hochgestochenen Worte zu avantgardistischem Floskelwerk, derweil der Ehemann still danebensitzt und dem ausladenden Solo anscheinend gelassen zusieht, bis sie schließlich davon stürzt und er am Ende dekretiert, er wolle seine Ruhe haben, „kein Familiendrama ... keine Oper". Dann schickt er die Zuschauer heim – und wenn er das auch noch mit dem nötigen deklamatorischen Nachdruck getan hätte, hätte Egon und Emilie der komische Knüller der Kopplung werden können. So wünsche ich mir am Ende, die Halbszene (k)einer Ehe mal irgendwann auf einer kleinen Bühne zu sehen.

Rasmus van Rijn [21.04.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ernst Toch
1Die chinesische Flöte op. 25 (Eine Kammersymphonie für 14 Soloinstrumente und eine Sopranstimme) 00:25:50
7Fünf Stücke für Blasinstrumente und Schlagzeug op. 83 00:17:04
12Egon und Emilie op. 29 (kein Familiendrama nach Morgenstern) 00:13:57
13Quartett op. 98 für Oboe, Klarinette, Fagott und Viola 00:08:17

Interpreten der Einspielung

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