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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

Rare Chamber Music Vol. II

Ars Produktion 38 071

1 CD/SACD stereo/surround • 78min • 2009

11.01.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Dass er als Zwanzigjähriger Gelegenheit hatte, den um 14 Jahre älteren Wolfgang Amadeus Mozart kennenzulernen, ließ Heinrich Anton Hoffmann noch im Alter von dessen Liebenswürdigkeit und seinem bezaubernden Spiel schwärmen. Sie waren sich 1790 anlässlich der Kaiserkrönung Leopolds II. in Frankfurt begegnet. Dem 1770 in eine einflussreiche Familie geborenen Heinrich Anton Hoffmann – der Vater bekleidete das Amt eines Kurfürstl. Mainzischen Hof- und Regierungsrats – verhalf sein frühkindlicher Kompositions- und Violinunterricht zu einer nicht vorgesehenen Musikerlaufbahn: Als sein Vater 1789 plötzlich starb , konnte der neunzehnjährige Philosophiestudent als ausgebildeter Geiger auf der Stelle in der Kurmainzer Hofkapelle alleine für sein Einkommen sorgen.

Hoffmann blieb Musiker: 1799 wurde er Mitglied im Frankfurter Theaterorchester, in dem er 1803 zum „ersten Geiger“ und 1811 zum Konzertmeister aufstieg. Dem Klangkörper blieb er bis zu seiner Pensionierung, um die er 1835 auf eigenen Wunsch nachgesucht hatte, verbunden. 1818 ernannte man Hoffmann neben Louis Spohr zum Vize-Musikdirektor, und als Spohr 1819 überraschend sein Direktorenamt abgab, vertrat Hoffmann ihn für anderthalb Jahre. Immer wieder griff der neben seiner Orchestertätigkeit auf den Konzertpodien begehrte Violinvirtuose auch selbst zur Feder. Er schrieb vornehmlich Kammermusik, darunter nicht wenige Duos für Violine und Violoncello, von denen das Jansa Duo nun (als Weltersteinspielung) vier Werke vorlegt. Verwurzelt noch in der klassischen Epoche lassen seine Duos stilistisch doch schon die frühe Romantik ahnen, eine musikalische Mixtur, die Hoffmanns strukturell und technisch mitunter außerordentlich anspruchsvollen Duos damals zu einer nicht unbeträchtlichen Anziehungskraft verholfen haben dürfte.

Sie sind auch eine Wiederentdeckung wert: Die Geigerin Christine Rox und den Cellisten Klaus-Dieter Brandt hatte die erste Beschäftigung mit diesen Duos im Jahr 2006 zur Gründung ihres nach Leopold Jansa, dem bedeutenden Wiener Violinvirtuosen des 19. Jahrhunderts, benannten Duos veranlasst. Dies bildete den Ausgangspunkt für eine Auseinandersetzung mit dem überraschend umfangreichen Repertoire für die Besetzung Violine / Violoncello, zu dem namhafte Komponisten noch im beginnenden 20. Jahrhundert einiges beigetragen haben. Beide Musiker sind firm in der historischen Aufführungspraxis, beide leiten in Köln Ensembles für Alte Musik, und diese historisch informierte Herangehensweise erweist sich für die Einspielung dieser vier Duos aus Hoffmanns op. 5 und op. 6 als Gewinn: Sie wissen Hoffmanns zwischen Gefälligkeit und Unberechenbarkeit changierenden und oft überraschenden Stilwendungen hellwach und mit Frische und Esprit, mit agiler Reaktionsschnelligkeit, einer sauber fokussierten, am Non-Vibrato geschulten Intonation und einer sehr lebendigen und in der Tongebung variantenreichen Klangvorstellung zu begegnen.

Hoffmann reizt die technischen Möglichkeiten der beiden Instrumente aus, er fordert immer wieder doppelgriffiges Spiel und führt das Violoncello bisweilen in hoher Lage sogar noch über die Violine hinaus. Die beiden Spieler sind Hoffmanns Anforderungen in jeder Hinsicht gewachsen, sie lassen sich nicht durch virtuoses Laufwerk bremsen und sind bewundernswert intonationsfest. Mit ihrem Elan und ihrem Drang nach Vorne, mit ihrer Freude an einer prägnanten Attacke und an einer flexiblen Modellierung verorten sie Heinrich Anton Hoffmann gewissermaßen neu: als einen jener Meister, denen es zu ihrer Zeit nicht vergönnt war, in jenes Rampenlicht zu gelangen, das die Zeiten zu überdauern vermag und die heute zu Unrecht ein Schattendasein fristen.

Thomas Bopp [11.01.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Heinrich Anton Hoffmann
1Grand Duo Concertant A-Dur op. 5 für Violine und Violoncello 00:19:19
4Grand Duo Concertant G-Dur op. 5 Nr. 3 für Violine und Violoncello 00:22:03
7Grand Duo Concertant Es-Dur op. 5 Nr. 6 für Violine und Violoncello 00:15:28
9Grand Duo Concertant F-Dur op. 5 Nr. 1 für Violine und Violoncello 00:20:08

Interpreten der Einspielung

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