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CD-Besprechung

W. Shield

Hungaroton 1 CD HCD 32669

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Besprechung: 28.10.10

Hungaroton HCD 32669

1 CD • 63min • 2010

19910.doc

Das in Ungarn beheimatete Trio Szabadi - das Streicherensemble setzt sich zusammen aus Vilmos Szabadi und Szilvia Kovács an den Violinen sowie aus der Cellistin Gyöngyi Újházi - hat, beworben als „World Premiere Recording", einige der Streichtrios von William Shield veröffentlicht. Da ist zunächst einmal die Frage erlaubt, wer ist oder wer war William Shield? Auch Kennern der Musikgeschichte dürfte dieser Name wohl kaum wirklich geläufig sein.

Der als Komponist hervorgetretene Engländer William Shield, so kann man es dem neuen MGG (Musik in Geschichte und Gegenwart) entnehmen, wurde 1748 in Swalwell bei Newcastle upon Tyne geboren. Bei seinem Vater hat er das Violinspiel erlernt. Nach dessen frühem Tod ging er bei einem Schiffsbauer an der Mündung der Tyne ein Lehrverhältnis ein, doch er beendete die Ausbildung alsbald wieder, um bei Charles Avison Violine und Komposition zu studieren. Bald genoss er den Ruf eines Konzertmusikers und konnte sich in London am King's Theatre in Haymarket eine Stellung als Violinist, später als erster Solobratscher sichern. Das dort aufgeführte Opernrepertoire scheint ihn auch zu eigenem Schaffen auf diesem Gebiet angeregt zu haben, seine Oper The Flitch of Bacon (1778) wurde ein großer Erfolg. Daneben komponierte er auch Kammermusik, so etwa Violinduette und sechs Streichquartette. Einige Zeit später ist er zum noch bestehenden Vertrag mit dem King's Theatre ein weiteres Anstellungsverhältnis mit Covent Garden eingegangen (1784-1797). Für die dortige Bühne entstand eine Vielzahl weiterer erfolgreicher Opern. Joseph Haydn sah anlässlich seiner Englandreise 1791 Shields Oper The Woodman und freundete sich mit dem Engländer an. Von Haydn will Shield nach eigenen Aussagen mehr über die Musik gelernt haben als jemals zuvor, und Haydn wiederum soll sich beeindruckt gezeigt haben über Shields Arien und ihre konzertanten Bläserstimmen. Im selben Jahr noch bereiste William Shield das europäische Festland und auf dieser Reise entstanden neun Streichtrios, von denen sechs Werke 1796 verööffentlicht worden sind. Fortan arbeitete er auch an zwei Musikanthologien (An Introduction to Harmony, 1800; The Rudiments of Thoroughbass, 1815). Nie verlor er sein Interesse am Volksliedgut, er hatte bereits 1783 und 1784 zwei Volksliedsammlungen veröffentlicht. Volksweisen waren zudem in viele seiner Kompositionen eingeflossen. William Shield, 1817 war er zum „Master of the King's Music" ernannt worden, ist 1829 in London gestorben und im Kreuzgang von Westminster Abbey beigesetzt worden.

Zu den bereits genannten neun Streichtrios soll noch ein weiteres frühes Werk zählen, das aber verlorengegangen ist. Die Einspielung des Trio Szabadi enthält vier durchnummerierte Trios aus dem Druck des Jahres 1796, sowie drei weitere unnummerierte Streichtrios des Komponisten. Warum das vierte und das sechste der gedruckten Werke dieser Gruppe nicht aufgenommen wurde, erscheint unverständlich, denn die Kapazität der CD wurde mit knapp 63 Minuten nicht voll ausgeschöpft, und die einzelnen Werke differieren in ihrer Zeitdauer gerade einmal zwischen etwas mehr als 7 und etwas weniger als 11 Minuten, auch für die beiden letzten von Shields Streichtrios wäre also vermutlich noch ausreichend Platz gewesen. Vielleicht meinte man die Geduld des Hörers nicht überstrapazieren zu wollen, doch diese wird schon weit früher an die Grenzen geführt. Denn das musikalisch-thematische Material erweist sich als recht simpel und dokumentiert zumindest auf diesem Gebiet eine eher geringe Inspirationskraft des Komponisten. Der Abwechslungsreichtum ist ziemlich eingeschränkt, die Form der Varianten und überhaupt die musikalischen Charaktere zeigen eine nur geringe Bandbreite, sie erscheinen zudem austauschbar und werden kaum einmal zu einem lebendigen und fesselnden musikalischen Entwicklungsbogen eingesetzt. Die Harmonik birgt keinerlei Überraschungen und bleibt immer berechenbar - von den Geistesblitzen, die einen Joseph Haydn in jeder Faser seiner Musik lehrt, ist hier bei Shield nichts zu spüren, das jedenfalls scheint dieser bei seinem Freund Haydn nicht gelernt zu haben.

Das Trio Szabadi vermag dieser Musik auch nicht mehr Leben einzuhauchen, als in ihr steckt. Der Gestus der Zeichnung der Phrasen und ihre Entwicklung zeigt sich in aller Regel der Textur und Struktur Shields angemessen, nur hätte die Gliederung der Phrasen mitunter vielleicht noch ein wenig schlüssiger ausfallen und das Gefüge von deren Fortspinnung mehr Geschmeidigkeit vertragen können. Leichte spieltechnische Defizite im Hinblick auf die Intonationsfestigkeit fallen nur wenig ins Gewicht.

Thomas Bopp [28.10.2010]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 W. Shield Streichtrio F-Dur 00:10:43
4 Streichtrio G-Dur 00:07:40
7 Streichtrio A-Dur 00:09:24
11 Streichtrio Nr. 1 Es-Dur 00:07:38
14 Streichtrio Nr. 2 D-Dur 00:10:40
17 Streichtrio Nr. 3 A-Dur 00:08:07
20 Streichtrio Nr. 5 C-Dur 00:07:41

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Trio Szabadi Ensemble
 
HCD 32669;5991813266927

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