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CD-Besprechung

Ricercar RIC 302

2 CD • 2h 29min • 2010

11.10.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Dieser Mitschnitt einer frühen Oper André-Ernest-Modeste Grétrys (1741–1813) ist eine echte Entdeckung, sowohl interpretatorisch als auch vom Repertoirewert her. Zwar war bereits 1995 auf Video ein Livemitschnitt von Grétrys „ballet héroique“ Céphale et Procris unter Stéphane Denève erschienen, und Stefan Sanderling hatte 2000 die Suite in der Fassung Mottls eingespielt; doch dieser Mitschnitt einer Aufführung vom November 2009 im Salle Philharmonique de Liège (die Jahreszahl 2010 im Booklet ist natürlich nicht möglich und daher ein Druckfehler) ist so lebhaft geraten, dass er anschaulich macht, wie die Aufführung im Jahr 1773 geklungen haben könnte – dass sie seinerzeit kein Erfolg war, liegt an der neuartigen formalen Anlage und dem Reformanspruch des Balletts, nicht an seiner Musik, wie der ausgezeichnete Booklet-Text nachvollziehbar darstellt.

Was dieses Stück so interessant macht, ist das Schwanken zwischen der alten Barockrhetorik und einer harmonischen, melodischen und instrumentatorischen Freiheit, die weit in die Zukunft weist (man höre etwa das Duo „Ah! j’ai bien mérite l’injure“ aus dem 3. Akt, dessen Schlussentwicklung mit dem Choreinsatz so auch in der Beethoven-Zeitgenossenschaft stehen könnte). Der junge Grétry verstand es in jedem Moment, das stets vollkommen transparent gehaltene Orchester äußerst farbig zu instrumentieren; der helle, sehr süße, stark wirkende Flötenklang (man höre etwa die nachklappenden Flötenterzen im Duo „Moi! punir celle que j’adore!“), die frischen Hornquinten: Alles strahlt in leuchtender, aber pastellener, nicht etwa trompetenbewehrter Pracht. Grétry verstand es zudem, effektvoll für die Stimme zu schreiben und erreicht in manchen Arien und Ensembles einen wirklich beachtlichen melodischen Schmelz, der direkt eingängig, aber nie platt ist.

Ein weiteres sehr gutes Beispiel für diesen melodisch-harmonischen Schmelz ist die Air der Aurore „Naissantes fleurs“, in welcher die Sängerin, Bénédicte Tauran, mit ihren schmerzlichen Vorhalten förmlich die Zeit anzuhalten scheint – es stellt sich eine seltene Präsenz her, man sieht die Sängerin fast vor sich, wie sie konzentriert die Töne modelliert; es wird, ohne, dass man den Applaus oder die Bühnenatmosphäre zu Beginn der Aufnahme tatsächlich gehört hätte, vollkommen rein aus der Präsenz der Stimme heraus klar, dass es sich um einen Live-Mitschnitt handelt (der dann auch konsequenterweise nicht um die kurze Stimm- und Umbaupause beschnitten wird). Die Bühnenwirkung stellt sich nicht durch Lautstärke oder besonders anspringendes Spiel, sondern gerade durch Innigkeit her. Die Sänger sind sämtlich belkantistisch ausgerichtet, das Orchester Les Agrémens unter Guy Van Waas spielt sauber, leicht und nicht zu aufdringlich historisierend; doch das wirkliche Ereignis dieser Einspielung ist diese theatralische und dabei ganz intime Präsenz, die dieses noch weithin unbekannte Stück ungeahnt kommunikationsfähig macht.

Dr. Michael B. Weiß [11.10.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
André-Modeste Grétry
1Céphale et Procris (Ballet héroïque)

Interpreten der Einspielung

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