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CD-Besprechung

E.W. Korngold • B. Dvarionas

BIS 1 CD 1822

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 30.07.10

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BIS 1822

1 CD • 61min • 2009

Der große Produzent Gerd Berg, dem wir so viele unvergängliche Electrola-Aufnahmen verdanken, hatte eine besondere Art im Umgang mit Erich Wolfgang Korngold. Seine Musik, befand er, käme ihm immer ein bißchen so vor, als sagte ihm jemand: „Ach, nehmen Sie doch noch’n Löffelchen ...!“ Drastischer formulierte es einst der Hollywood-Kollege Ernst Toch: „Korngold hat immer für Warner Brothers komponiert, nur war er sich dessen zuerst nicht bewußt.“

Das ist zwar nicht fair – Musik wie das Klavierkonzert für die linke Hand oder gar die einzigartige Sinfonie in Fis lassen sich mit keinem Schnulzendrehbuch schreiben –, bezeichnet aber doch bekanntermaßen die Gefahr, in der Erich Wolfgang Korngold seit seiner Wiener Wunderkindzeit permanent schwebte: Mit vielem, das man nur unter Berücksichtigung seines zarten Alters wird tatsächlich goutieren können, verschwimmen die wirklich großen und bedeutenden Dinge vor allem im Auge neidischer Betrachter, die im Grunde dem „Alten“, dem strengen König der Kritiker Julius K., noch lange seinen hochbegabten Sohn heimzahlen wollten. Und so manches gerät in der Tat, wenn man nicht aufpaßt, in den Topf mit süßem Powidl (Pflaumenmus für den, der auch Aprikosen statt Marillen zu sich nimmt), das man gerade bei der Wiedergabe des schönen Violinkonzerts gern statt des üblichen Kolophoniums auf die Bogenhaare streicht ...

Der israelische Geiger Vadim Gluzman hat bei seiner hier vorliegenden Einspielung auf geschmackvolle Weise um die potentiellen Schlüpfrigkeiten herummanövriert. Er läßt glühen, was sonst fahl und bleich verfiele, schwelgt auch so gehörig, daß man gern die Ohren spitzt, kommt aber immer gerade noch rechtzeitig an der „großen Kussszene“ vorbei und nimmt, wenn’s ins Finale geht, ein recht beherztes Generaltempo, das dem pfiffigen Rondo-Thema und den großen Aufschwüngen insgesamt sehr gut ansteht – zumal das Orchester den ganzen Witz und Schmiß bis hin zur jaulend-gröhlenden, recht ironischen Apotheose mit wahrer Wonne auskostet.

Neben dem gängigen Repertoirestück steht als ganz erstaunliche Entdeckung das 1948 entstandene Konzert h-Moll des Litauers Balys Dvarionas. Die Lebensdaten des Mannes, der unter anderem bei Sigfrid Karg-Elert in Leipzig studierte, bei Egon Petri in Berlin Klavierstunden nahm und später, wieder in Leipzig, bei Hermann Abendroth im Dirigieren unterwiesen wurde, weisen ihn als einen direkte Zeitgenossen der berühmten Sowjetkollegen aus: Zwei Jahre älter als Schostakowitsch, ein Jahr jünger als Chatschaturjan und ein paar Monate vor Kabalewsky geboren, gehört er nicht nur biographisch, sondern auch stilistisch in den Kreis derer, die dem seinerzeitigen Establishment offenbar nicht einmal während der perfiden „Säuberungskampagne“ des Andrei Alexandrowitsch Schdanow zuwider waren – Grund genug für den aufgeklärten Besserwisser, sich mit prophylaktischem Hüftschwung kategorisch von der Musik abzukehren, ohne sie überhaupt goutiert zu haben.

Selbst schuld! kann ich da nur sagen, denn zumindest das (seinerzeit direkt mit dem Stalinpreis versehene) Violinkonzert kommt mir keineswegs wie eine politisch motivierte Verstellung vor, sondern wirkt vielmehr, ähnlich wie die besten Sachen Chatschaturjans, wie der Ausdruck eines echten Temperaments. Wo der Armenier seine unverwechselbaren Exotika einfließen läßt, ist Dvarionas eher melancholisch-breit und gewiß „russischer“, und während der Säbeltänzer aus Tiflis seine Batterien stampfen läßt, setzt der langjährige Leiter der Litauischen Philharmonie und Konservatoriumsprofessor aus Wilna auf eine deutlich gedecktere, elegantere Wortwahl, mit der er dann freilich im Finale auch ganz gehörige Stürme beschreiben kann: tanzhaft aus dem Geiste Tschaikowskys, süffig, kurzum äußerst dankbar für Geiger, Orchester, Dirigent und Hörer, die sich nebenbei auch noch über die Elegie Am See freuen dürften – das Arrangement eines 1947 komponierten Duos für Violine und Klavier, an dem man tatsächlich auch in Hollywood sein Vergnügen gehabt hätte.

Rasmus van Rijn [30.07.2010]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 E.W. Korngold Violinkonzert D-Dur op. 35 für Violine und Orchester 00:24:59
4 B. Dvarionas Pezzo elegiaco für Violine und Orchester (Am See) 00:05:18
5 Violinkonzert h-Moll 00:29:44

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Vadim Gluzman Violine
Residentie Orchest Den Haag Orchester
Neeme Järvi Dirigent
 
1822;7318590018224

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