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CD-Besprechung

Avi-music 8553195

2 CD • 2h 39min • 2007, 2008, 2009

30.08.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Der russische Pianist Anatol Ugorski ist einer der vielen Künstler, die für ein paar Jahre Stars der Deutschen Grammophon waren. Nicht jede Karriere im merkantilen Schutzschild einer potenten Firma wird – für den Betroffenen schmerzhaft – sozusagen entsorgt, aber es fällt doch auf, wie prompt Karrieren aufgebaut und kurze Zeit später abgeblockt, für Null und Nichtig erklärt werden. Ich muss hier keine weiteren Namen nennen, was die Vergangenheit anbelangt. Neue Namen aus aller Herren Ländern zieren zur Zeit den DG-Katalog – man kann ihnen nur wünschen, dass sie in den kommenden Jahren auch wirklich betreut werden. Dies gilt freilich nicht nur für den deutschen Marktführer, sondern auch für andere Label. Christian Zacharias, Elisabeth Leonskaja oder auch András Schiff mussten ihr diskographisches Glück bei kleineren Firmen suchen, wobei es jedem unbenommen bleibt zu entscheiden, ob die Kleineren im Moment nicht die künstlerisch-merkantil die Größeren sind.

Soviel zu den Vorbedingungen einer für mich überraschend wichtigen, musikalisch-musikantisch überzeugenden Einspielung Anatol Ugorskis. Ich kann mich nicht erinnern, den in vieler Hinsicht genial-skurrilen Zeitgenossen im Konzertsaal mit einer Scriabin-Sonate erlebt zu haben. Gleichwohl: diese Gesamtaufnahme der zehn Sonaten ist der akustische und klavierphilosophische Beweis einer ebenso strengen wie freizügigen Auseinandersetzung mit den verschiedenen Ebenen dieser ästhetischen Selbst- und Welterkundung eines Komponisten, die in der Welt der Klaviersonate zwischen Chopin-Verehrung und subjektivster Unerschrockenheit kein Gegenstück hat.

Ugorski bewältigt die jugendlich geformten, pianistisch anspruchsvollen Sonaten Nr. 1-3 ohne jede Ermüdung, sichert ihnen mit schönem, erhellendem Klang auch in den strapaziösen Passagen ihr je eigenes Kolorit. Im Prestissimo volando der Fis-Dur-Sonate op. 30 und in den verrückten, einander schier überstürzenden Akkordsequenzen der Fünften op. 53 vermisse ich ein Letztes an Flieh- und Flugkraft, an Selbstvergessenheit, wie ich sie aus den Aufnahmen mit Sviatoslav Richter (Nr. 5/DG) oder auch des „frühen" Andrej Gawrilow (EMI) in Erinnerung habe. Ugorskis literarische Empfindsamkeit, sein Spürsinn für alles Abseitige, für alles Nonkomformistische jedoch erweist sich als faszinierende Klavierbotschaft im Rahmen der Sonaten Nr. 6 bis 10. Alles Kreisende, Kreiselnde, alles Gläserne, alles Kalt-Feurige dieser so ergreifend fernen und zugleich betörenden Sonaten-Gebilde entwickelt sich unter den lesend-erzählenden Händen Ugorskis wie im posthumen Moment des komponierenden Nachschaffens. Insofern wage ich diese Gesamteinspielung auf eine Höhe mit den beiden Aufnahmen Igor Shukows zu platzieren.

Vergleichsaufnahmen: Stoupel (audite 21.402), Shukow (telos Music TLS 035, Melodia/Eurodisc LP 86594), Szidon (DG LP 2707 058), Ponti (LP FSM 118 VXDS).

Peter Cossé † [30.08.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Alexander Scriabin
1Klaviersonate Nr. 1 f-Moll op. 6 00:27:16
5Klaviersonate Nr. 4 Fis-Dur op. 30 00:08:40
7Klaviersonate Nr. 6 op. 62 00:15:23
8Klaviersonate Nr. 9 op. 68 (Schwarze Messe) 00:10:33
9Klaviersonate Nr. 10 op. 70 00:16:09
CD/SACD 2
1Klaviersonate Nr. 2 gis-Moll op. 19 (Sonate-Fantasie) 00:12:47
3Klaviersonate Nr. 5 Fis-Dur op. 53 00:13:55
4Klaviersonate Nr. 7 op. 64 (Weiße Messe) 00:13:36
5Klaviersonate Nr. 8 op. 66 00:17:00
6Klaviersonate Nr. 3 fis-Moll op. 23 00:22:42

Interpreten der Einspielung

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