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CD-Besprechung

cpo 777 504-2

2 CD • 1h 46min • 2006

22.06.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Je mehr von dem über 90 Werke umfassenden Schaffen Théodore Gouvys ans Licht kommt, desto deutlicher wird die Tatsache, dass der deutsch-französische Grenzgänger nach seinem Tod 1898 sehr zu Unrecht einer hundertjährigen Vergessenheit anheim fiel. Neben der im Entstehen begriffenen Gesamtausgabe der Sinfonien wendet sich das Label cpo, das in Verbindung mit dem Institut Gouvy im lothringischen Hombourg-Haut für die Renaissance des Komponisten verantwortlich zeichnet, jetzt auch den großen Oratorien über Stoffe aus antiken Tragödien zu. Gouvy schuf sich, da er den zu seiner Zeit die Opernbühnen beherrschenden Stil Wagners ablehnte, mit den „Dramatischen Szenen“ seine eigene Mischgattung, die sowohl eine konzertante als auch eine szenische Aufführung erlaubt. Musikalisch setzte Gouvy in der Nachfolge Mendelssohns, den er sehr bewunderte, auf sublime handwerkliche Kunst, gewinnende Melodik und ein dramaturgisch begründetes Tonarten-Konzept an Stelle von „eitler Effekthascherei und hohlem Bombast“.

Mit Iphigénie en Tauride, 1884 im Leipziger Gewandhaus uraufgeführt, erzielte Gouvy seinen nachhaltigsten Erfolg. Der Text folgt – mit einigen Veränderungen und Ergänzungen – dem Libretto zu Glucks gleichnamiger Oper. Eine zentrale Rolle spielt bei Gouvy der Chor in verschiedenen Besetzungen und Funktionen – als Griechen, Skythen, Priester, Krieger und, in einer der ausdrucksstärksten Szenen des Werkes, als Furien, die den Muttermörder Orest verfolgen. Hier kann denn auch die vorliegende Einspielung die meisten Pluspunkte verbuchen. Einen positiven Eindruck hinterlässt auch der englische Tenor Benjamin Hulett, der äußerst präsent und mit verschwenderischem tenoralem Glanz den Pylades singt, den Freund des Orest. Diesen gibt Vinzenz Haab mit leicht belegtem Bariton, was den fluchbeladenen Tantaliden recht glaubwürdig erscheinen lässt. Dagegen erscheint Ekkehard Abeles nobler Bass für den Barbaren-König Thoas um einiges zu gepflegt (zumal der Skythen-Herrscher hier nicht wie bei Goethe am Schluss bekehrt, sondern von den Griechen in die Flucht geschlagen wird). Christine Maschler als Iphigenie gestaltet ihre ausladende Partie engagiert und gefällt stimmlich am besten in den verhalteneren Momenten in der unteren Mittellage. In der Höhe stören im forte eine gewisse Schärfe und ein Übermaß an Vibrato.

Die Evangelische Kirche in Saarlouis scheint nicht die optimalen Bedingungen für eine Aufnahme zu bieten. Die Balance lässt mitunter zu wünschen übrig und das Orchester klingt unausgeglichen und topfig. Ungeachtet dieser Einschränkungen sollte sich niemand davon abhalten lassen, diesem faszinierenden Werk zu begegnen – zumal die Präsentation mit informativem Einführungstext und vollständigem Libretto (französisch, deutsch, englisch) vorbildlich ist.

Sixtus König † [22.06.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Louis Théodore Gouvy
1Iphigénie en Tauride op. 7 (Dramatische Szene nach Johann Wolfgang Goethe)

Interpreten der Einspielung

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