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CD-Besprechung

A. Simon

Hungaroton 1 CD HCD 32602

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 27.05.10

Hungaroton HCD 32602

1 CD • 51min • 2009

Achtung Blechbläser, Posaunenchöre, Trompetergruppen, Schulorchester, Blasmusikanten jeglicher Stil- und Marschrichtung! Das ungarische Ewald-Brass-Ensemble als Preisträger-Elite der Budapester Franz-Liszt-Akademie hat mit seiner jüngsten CD-Einspielung nicht nur eine „romantische“ Nische der Bläsertradition des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt, sondern damit zugleich für eine bemerkenswerte Repertoirebereicherung für gehobene Laienansprüche gesorgt. Anhören und Nachmachen heißt die Devise! Hier werden keine Hochleistungen artistischer Bläserkünste oder Spezialkenntnisse avantgardistisch-sportiver Klangexperimente vorgeführt. Anreiz und Ziel sind vielmehr ein solides Melodie- und Harmonieblasen, Schwung und Ausdrucksreichtum einer farbenreichen Palette publikumsfreundlicher Ensemble-Darbietungen für Trompeten, Horn, Posaune und Tuba. Vom Quartett bis zu einer Folge von Septetten reicht der Besetzungsquerschnitt, angefüllt mit Entertainer-Rhythmen einer Joplin-Vorahnung, konzertanter Walzer- und Polkafröhlichkeit, Jagdsignal-Ideen, studentischer Kommerslieder-Thematik, Andante-religioso-Gefühlen. Auch Marche-Maestoso-Stücke, Scherzo-Frische, Träumerei, simple Küchenliedmelodie und Elegisches ist charakteristisch für das konservative Gemüt des Komponisten Antoine Simon (1850-1916). Alles spielt sich in knappen, eher episodenhaften Lektionen ab („petits morceaux“), so daß in knapp fünfzig Minuten genügend Spielraum für 26 kurzweilige Vortragsstücke bleibt. Platz und Anregung genug für eigene Programmideen bei individueller Auswertung der vorliegenden Musikunterhaltung. Leider fehlt ein Hinweis auf verkäufliches Aufführungsmaterial.

Zugleich ruft der nahezu vergessene Komponist Simon ein fast ebenso vergessenes Kapitel russischer Hofmusik in Erinnerung. Als gebürtiger Franzose stellte er einst seine berufliche Karriere in den Dienst des Zarenhofes, wo er als Superintendent des Orchesters des Kaiserlichen Theaters und Musikdirektor der Moskauer Militärakademie Alexandrowsky wirkte. Vor allem als Komponist von Opern und Klavierwerken hatte er sich besondere Anerkennung und zeitweiligen Ruhm erworben. Sein volkstümlich geprägter Themenvorrat und seine zu einem gefühlvoll-idyllischen Ausdrucksstil neigende Harmonik werden von den ungarischen Ewald-Brass-Meisterbläsern jetzt aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt und zu einer makellosen, dennoch lockeren, unspektakulär natürlichen Aufführung gebracht. Deren Wirkung erfreut und übertrumpft damit wohltuend so manches Getue und Getöse routinierter Musikantenstadel-Profis.

Dr. Gerhard Pätzig [27.05.2010]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Simon Quartet in sonatina form op. 23 Nr. 1 00:13:20
5 22 little pieces for ensemble op. 26 00:37:46

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Ewald Brass Quintet Ensemble
 
HCD 32602;5991813260222

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