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CD-Besprechung

Flying Saxophone Circus

MD+G 610 1625-2

1 CD • 11min • [P] 2010

20.04.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Manch einer mag es unerhört finden, Antonin Dvoáks Slawische Tänze und Darius Milhauds Scaramouche für ein zwölfköpfiges Saxofonensemble zu bearbeiten. Dmitri Schostakowitschs Jazzsuite Nr. 2 bietet sich da schon eher an, ist sie doch geschrieben für Jazzorchester, obgleich es sich eher um Tanzmusik und weniger um Jazz handelt. Und dann noch dieser CD-Titel: Flying Saxophone Circus. Gewöhnungsbedürftig ist das allemal; aber unerhört?

Das 2006 von dem Baritonsaxofonisten Thomas Tomaschek gegründete, aus namhaften Saxofonisten der Klassik-Szene bestehende und von dem international renommierten Fagott-Solisten Milan Turkovic geleitete Ensemble Selmer Saxharmonic fördert vielmehr Ungehörtes, zwischen den Zeilen Stehendes zutage, was den Charakter der Stücke beinahe überzeugender einfängt, als es den jeweiligen Werken in ihrer Originalgestalt möglich ist. Dies gelingt ob der schier unendlichen Klangfarbenvielfalt, die die Sopranino-, Sopran-, Alt-, Tenor-, Bariton- und Bass-Saxofone auf betörende bis kraftvolle Weise verströmen. Dazu treffen die Arrangements aus der Feder des Ensemblemitglieds Christoph Enzel auch noch genau den richtigen Ton. Gelegentlich meint man, die gesamte Holz- und Blechbläserfamilie zu hören, ja sogar (tiefe) Streichinstrumente. Mal klingt Selmer Saxharmonic nach einem großen sinfonischen Blasorchester, mal nach einer Marching Band, dann nach einer Tanz-, Zirkus- oder Volksmusikkapelle.

Wie ein mächtiger Orgelakkord mutet der Beginn des ersten Slawischen Tanzes op. 46 an und öffnet einem großen Portal gleich den Blick – auch in den Tänzen Nr. 7 (Skocna) und Nr. 8 (Furiant) der gleichen Sammlung – für überschäumendes Temperament und elegische Momente, ohne in Sentimentalität zu verfallen. Spätestens jetzt müsste eigentlich jeder Zweifler seine Voreingenommenheit gegenüber diesen Bearbeitungen abgelegt haben, denn die enorme Ausdrucksfülle, erfrischende Virtuosität, die pulsierende rhythmische Gestaltung, das präzise artikulierende Zusammenspiel und die faszinierende Klanglichkeit von Selmer Saxharmonic sind einfach bezwingend. Auch in Darius Milhauds vor Kraft und Lebensfreude strotzendem Scaramouche, dessen grotesken wie charmanten und sentimentalen Zügen inmitten von Ragtime- und Sambaanleihen das Ensemble jederzeit gerecht wird. Wie die Musik, so dann auch das Saxofonarrangement von Schostakowitschs Jazzsuite Nr. 2: voller Brillanz und geistreichem Witz, wobei mich vor allem die Präzision, aber auch die Eleganz und Inbrunst faszinieren, mit denen besonders die Walzer formuliert werden. Bis hierher könnte man fast den Eindruck gewinnen, als hätten all diese Werke geradezu auf eine Bearbeitung für 12 Saxofone gewartet. Ausgerechnet die Arrangements einiger Gershwin-Songs – das schmissige I Got Rhythm ausgenommen –, von einer Musik also, die wie für ein Saxofonensemble geschaffen erscheint, empfinde ich aber als zu glatt. Dafür hat der zündende und pointenreiche Devil's Rag von Jean Matitia richtig Feuer unterm Hintern und belegt damit nicht nur die spielerische Klasse von Selmer Saxharmonic, sondern auch die Vertrautheit der Instrumentalisten mit den unterschiedlichen musikalischen Stilen.

Christof Jetzschke [20.04.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Antonín Dvořák
1Slavonic Dances op. 46 00:11:23
Darius Milhaud
4Scaramouche op. 165b for 2 Pianos and 2 Schlagzeuger 00:02:52
5Modéré 00:03:44
6Braziliera 00:02:12
Dimitri Schostakowitsch
7Jazz Suite No. 1 op. 38 00:02:51
8Lyric Waltz 00:02:32
9Drei fantastische Tänze op. 5 00:03:07
10Waltz for Flute, Clarinet and Piano 00:03:23
11Little Polka 00:02:36
12Waltz for Flute, Clarinet and Piano 00:03:49
13Drei fantastische Tänze op. 5 00:03:34
14Finale 00:02:01
Georges Gershwin
15The Man I Love 00:01:49
16Liza 00:02:19
17Let's call the whole thing off 00:00:51
18Summertime 00:02:47
19I got Rhythm 00:01:12
Jean Matitia
20Devil's Rag 00:04:54

Interpreten der Einspielung

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