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CD-Besprechung

Vincent Lübeck Organ Works

Aeolus AE-10571

1 CD • 70min • 2004, 2009

29.03.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Im Schatten so berühmter Musiker- und Komponistenpersönlichkeiten wie Bach oder Mozart zu stehen, macht es für Komponisten bis heute nicht einfach, aus diesem herauszutreten. Übermächtig ist die Präsenz der großen Tonsetzer in Konzert und Liturgie und auch auf dem Tonträgermarkt. Daher sind Aufnahmen wie die vorliegende mit Orgelwerken des Hamburger Organisten, Komponisten und Orgelsachverständigen Vincent Lübeck (1654-1740) umso nötiger und wichtiger. Schreibt doch schon Johann Mattheson in seinem 1739 erschienen Kompendium Der vollkommene Capellmeister: „Insbesondere gehet wol Händeln so leicht keiner im Orgelspielen über; es müste Bach in Leipzig seyn: Darum auch diese beyde, ausser der Alphabetischen Ordnung, oben an stehen sollen... Nächst diesen sind berühmt: Böhme in Lüneburg, Callenberg in Riga; Clerambault in Paris... Lübeck in Hamburg...“

Vincent Lübeck, 1654 in Padingsbüttel geboren und von 1702 bis 1740 Organist an der Hamburger Hauptkirche St. Nicolai, teilt das Schicksal des Dornröschenschlafes mit vielen seiner „Kollegen“ wie Scheidt, Bruhns, Reincken, Weckmann – und das völlig zu Unrecht, wie diese Einspielung von León Berben an den Arp Schnitger-Orgeln von St. Jacobi (Hamburg) und St. Georg (Weener) eindrucksvoll unter Beweis stellt. Eine verhängnisvolle Kombination von einer Bach- und Buxtehude-lastigen Unterrichtslage an den Musikhochschulen über viele Jahrzehnte und der Nische „Orgelmusik“ im Allgemeinen verhindern, dass solche Pretiosen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt werden.

Berbens Einspielung auf den vorbildlich restaurierten Instrumenten stellt die Klangwelt jenseits der großen Bachschen Architekturen vor, mit sehr viel Spielfreude, großer Virtuosität und abwechslungsreicher Registrierkunst.

Was soll man dieser und ähnlichen Einspielungen wünschen? Dass, angeregt durch eben solche Klangdokumente, die Musik von Vincent Lübeck den Weg von den Ohrstöpseln und Stereoanlagen-bewehrten Wohnzimmerlandschaften hinaus in die regelmäßige liturgische und konzertante Praxis der Kirchen und Konzertsäle findet. Man wird so manches Stück des großen Thomaskantors dann mit anderen Ohren hören und ihn nicht alleine auf den Säulen des großen barocken Tonheiligen stehen lassen. In Gesellschaft geht es einem denn doch besser.

Frank Höndgen [29.03.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Vincent Lübeck
1Praeludium ex G G-Dur LübW 12 00:08:45
2Praeambulum et Fuga ex C C-Dur LübW 6 00:04:30
3Praeludium ex D D-Dur LübW 11 00:07:26
4Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ 00:13:06
5Praeambulum ex E E-Dur LübW 7 00:06:10
6Praeambulum et Fuga ex F F-Dur LübW 8 00:03:07
7Nun lasst uns Gott den Herren LübW 15 00:06:14
8Praeludium ex C C-Dur LübW 10 00:05:37
9Chacon LübW 20 00:06:26
10Praeambulum ex G G-Dur LübW 9 00:05:33
11Ach wir armen Sünder 00:02:00

Interpreten der Einspielung

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