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CD-Besprechung

Argerich Plays Chopin

DG 477 7557

1 CD • 64min • 1967

11.02.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Ein (tönender) Blick nach vorne und zugleich zurück: als Auftakt zum Chopin-Jahr bringt die Deutsche Grammophon Aufnahmen, die rund ein halbes Jahrhundert zurückliegen. Natürlich mit doppelter Pointe – Martha Argerich gilt als eine der bedeutenden Chopin-Interpretinnen von heute, und die Einspielungen sind bisher unbekannte Fundstücke aus deutschen Radioarchiven. Die meisten stammen von 1967, zwei Jahre, nachdem die argentinische Pianistin mit ihrem Sieg beim Warschauer Chopin-Wettbewerb spektakulär in die grosse Szene getreten war und bereits ihre ersten Platten herausgebracht hatte.

Es finden sich in dieser Auswahl immerhin einige Stücke, die in der Argerich-Diskographie bisher fehlen, zum Beispiel vier der ingesamt acht fixierten Mazurken. Die dritte Sonate h-Moll op. 58 dagegen hat sie ungefähr zur gleichen Zeit auch auf Tonträger festgehalten. Der Vergleich mit dem jetzt präsentierten Live-Mitschnitt aus der Berliner Hochschule für Musik zeigt erstaunlich wenig Unterschiede – es sei denn in der Aufnahmetechnik (die Radiozeugnisse sind nur in mono). Die Tempi sind fast auf die Sekunde gleich, der gestalterische Ansatz differiert kaum, der Impetus lodert gleichermassen.

Das eigentliche Fundstück steht am Anfang: die erste Ballade g-Moll op. 23. Nicht nur, dass sie von Martha Argerich „offiziell“ nie in die Rillen gebannt worden ist, sondern es ist ein rares Dokument der blutjungen, noch nicht einmal 18-jährigen Künstlerin. Damals, Anfang 1959, hatte sie zwar schon einige Preise gewonnen, zog sich aber dann zur Perfektionierung (bei Stefan Askenase) für vier Jahre vom Konzertpodium zurück. Dass ihr Talent schon früh phänomenal ausgebildet war, ist offenkundig. Und gleiches gilt kaum minder für ihren Eigensinn – mit Rubati und gelegentlich äusserst frei angewandter Dynamik geht sie generös um. Es mag Unbekümmertheit daraus sprechen – und doch fällt das Ergebnis zwingend aus. Wie aus zartem, durchaus verhaltenem piano-Beginn der epische Erzählstrang herauswächst, wie er stockt und dann wieder an Kraft gewinnt, das hat eine ungeheure innere Spannkraft, die in der Koda (presto con fuoco samt der Vorschrift „il piu forte possibile“) richtiggehend explodiert.

Mario Gerteis † [11.02.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Frédéric Chopin
1Ballade Nr. 1 g-Moll op. 23 – Largo - Moderato 00:08:29
2Etüde c sharp minor op. 10 No. 4 – Presto, con fuoco 00:01:56
3Mazurka A flat major op. 41 No. 4 – Maestoso 00:02:56
4Mazurka c sharp minor op. 41 No. 1 – Andantino 00:01:54
5Mazurka C major op. 24 No. 2 – Allegro ma non troppo 00:01:53
6Mazurka f minor op. 63 No. 2 – Lento 00:01:32
7Mazurka D major op. 33 No. 2 – Vivace 00:02:06
8Nocturne F-Dur op. 15 Nr. 1 00:03:40
9Nocturne Es-Dur op. 55 Nr. 2 00:04:17
10Drei Mazurkas op. 59 00:08:52
13Klaviersonate Nr. 3 h-Moll op. 58 00:26:47

Interpreten der Einspielung

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