Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Suche

CD-Besprechung

R. Schumann

Ondine 1 CD ODE 1162-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 09.02.10

label_1055.jpg
→ Katalog und Neuheiten

Ondine ODE 1162-2

1 CD • 74min • 2009

Wie Clara Schumann in ihrem Tagebuch berichtet, war Robert der festen Überzeugung, Engel hätten ihm das Choralthema zu seinen Variationen über ein eigenes Thema Es-Dur WoO 24 vorgesungen; aufgrund der Umstände ihrer Entstehung erhielten sie später den zu ihrem Verständnis keineswegs hilfreichen Beinamen „Geistervariationen“. Fast gewinnt man bei der vorliegenden CD den Eindruck, als hätte sich Tzimon Barto bei seiner Interpretation der klanglich und rhythmisch sehr subtilen Abwandlungen dieses Themas ebenfalls von Engelsstimmen leiten lassen. Und mit ihm – die Wiedergabe des Konzertstücks G-Dur op. 92 (Introduktion und Allegro appassionato) und des Konzert-Allegros mit Introduktion d-Moll op. 134 betreffend – auch Christoph Eschenbach und das NDR Sinfonieorchester. Dazu später mehr.

Zuerst einmal macht das Repertoire mit sowohl im Konzertsaal als auch auf CD höchst selten anzutreffenden Kompositionen neugierig – insbesondere dessen Anordnung. Einem langsamen Binnensatz vergleichbar sind die Variationen Es-Dur eingerahmt von dem die Kopfsatz-Funktion übernehmenden Konzertstück op. 92 und dem Konzert-Allegro op. 134 als Finale. Diese auf Betreiben Eschenbachs vorgenommene Anordnung nach Art eines dreisätzigen Klavierkonzerts macht stimmungsmäßig durchaus Sinn, fügt sich die Intimität der Es-Dur-Variationen doch wunderbar zwischen die ausladenden Gesten, den rhapsodischen Zug und den zwischen Versonnenheit und kraftvoll Heroischem pendelnden Tonfall der beiden Konzertstücke für Klavier und Orchester (nicht weniger sinnfällig wäre auch eine direkte Koppelung beider Konzertstücke gewesen, wobei die langsame Einleitung von op. 134 die Rolle einer Überleitung spielen könnte, vergleichbar dem Intermezzo aus Schumanns Klavierkonzert a-Moll op. 54). Was allerdings die Lesart dieses „neuen“ Klavierkonzerts angeht, vermittelt mir diese eher ein Frage- denn ein Ausrufezeichen. Womit ich mich wieder bei den „himmlischen Klängen2 befinde.

Man hört es in jedem Takt: Die Interpreten sind sich der poetischen Kraft der drei aneinander gekoppelten Werke bewusst, die sie mit feinsten dynamischen Abstufungen und einer sehr differenzierten Tongebung, mit Innigkeit anstelle von Ekstase zu einem großen Teil einzufangen in der Lage sind. Besonders Tzimon Barto präsentiert sich mit seinem weiten Anschlagsspektrum und bewundernswerten Legato-Spiel als hochsensibler Lyriker. Da könnte schon Gänsehaut aufkommen, wären da nicht bei aller ätherischen Tonschönheit, zu der sich Barto und das NDR Sinfonieorchester bisweilen aufschwingen, diese übertrieben gedehnten Tempi, die keinerlei Zusammenhalt stiften. Anstelle eines organischen Flusses herrscht immer wieder Stillstand. Das gilt für die mit 17 Minuten Spielzeit unglaublich langen Es-Dur-Variationen, auch für die nicht minder in die Länge gezogenen Konzertstücke für Klavier und Orchester – nicht nur für deren langsame Einleitungen. Hinzu kommen ein insgesamt unsteter Puls, nicht immer nachvollziehbare agogische Freiheiten, auch geradezu manierierte Rubati. In erheblichem Maße leidet darunter nicht nur die Spannung der einzelnen Werke, sondern auch die der gesamten Konstruktion zu einem dreisätzigen Klavierkonzert (bemerkenswert ist jedoch der emotionale Gleichklang, mit dem Barto und Eschenbach agieren). Zu langatmig wirken auch die Sechs Studien in kanonischer Form für Pedalflügel op. 56 – für zwei Flügel eingerichtet von Claude Debussy, mit Christoph Eschenbach am zweiten Instrument. Trotzdem lohnt sich diese CD. Schon allein wegen der wunderbaren Musik. Und dann höre man nur, wie Klavier und Orchester im Konzertstück op. 92 auf das Engste miteinander verbunden sind, wie selbstvergessen Barto und die NDR-Musiker immer wieder ineinander aufgehen.

Christof Jetzschke [09.02.2010]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 R. Schumann Introduktion und Allegro appassionato G-Dur op. 92 00:18:00
2 Variationen über ein eigenes Thema Es-Dur WoO 24 (Geister-Variationen) 00:17:00
8 Introduktion und Allegro op. 134 00:17:08
9 Studien für den Pedal-Flügel op. 56 (Sechs Stücke in kanonischer Form; Bearb. für 2 Klaviere) 00:21:17

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Tzimon Barto Klavier
NDR Sinfonieorchester Orchester
Christoph Eschenbach Klavier, Dirigent
 
ODE 1162-2;0761195116227

Bestellen bei jpc

label_1055.jpg
→ Katalog und Neuheiten

 

Das könnte Sie auch interessieren:

 

⇑ nach oben

Impressum Kontakt AGBs Datenschutz Haftungsausschluss Mediadaten Sitemap

© Klassik Heute GbR

jpc