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CD-Besprechung

cpo 777 083-2

1 CD • 59min • 2008, 2005

25.01.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Unter allen Wiederentdeckungen von Komponisten des 19. Jahrhunderts ist Heinrich von Herzogenberg sicher eine der lohnendsten und substanzreichsten. Die Musik des Brahms-Freundes ist von höchstem Niveau – inspiriert, handwerklich hervorragend gearbeitet, formbewusst, ebenso temperamentvoll wie sensibel und immer von einer gewissen Noblesse, die Banalität wie Exaltiertheit gleichermaßen ausschließt. Sein umfangreiches kammermusikalisches Schaffen, dessen Erschließung cpo erfreulicherweise in Angriff genommen hat, zeigt bei aller Anlehnung an Brahms eine bemerkenswerte Eigenständigkeit.

Das Streichquintett c-Moll op.77 entstand 1892 in den Monaten nach dem Tod von Herzogenbergs Frau Elisabeth, der ehemaligen Klavierschülerin und langjährigen Brieffreundin von Brahms, die im Alter von nur 44 Jahren einem Herzleiden erlegen war. Mit der Arbeit an dem Quintett gelang es dem Komponisten, seine Niedergeschlagenheit zu überwinden und gleichzeitig in neue Bereiche subjektiven Ausdrucks vorzudringen, wovon vor allem der leidenschaftlich aufgewühlte Kopfsatz zeugt. Das Adagio bringt Variationen über das Lied „Du bist vergangen eh ich’s gedacht“ nach einem Text von Rückert, den Elisabeth als 19jährige vertont hatte – ein kunstvoller, kontrapunktisch verdichteter Satz mit aparten Klangwirkungen. Solche kennzeichnen auch das con-sordino-Scherzo, während das Finale einen gelassen-nachdenklichen Abschluss bildet.

Schade, dass das in Köln ansässige Minguet Quartett – hier verstärkt durch den österreichischen Bratschisten Peter Langgartner – auch in der vorliegenden zweiten Folge der Herzogenberg-Serie nicht immer zu optimaler Balance und klanglicher Ausgeglichenheit findet, doch sollte das niemand davon abhalten, mit dieser wertvollen Musik Bekanntschaft zu schließen. Auch das erste Streichquartett d-Moll, komponiert 1876 in Nachbarschaft zum Klavierquintett und Ausdruck von Herzogenbergs Abkehr von Wagner und der Neudeutschen Schule, lohnt in hohem Maße. Besonders das feinsinnige F-Dur-Andante, dessen Friede zweimal durch beunruhigende più mosso-Abschnitte beeinträchtigt wird, hinterlässt einen starken Eindruck. Im Finale wetteifert ein fugiertes Allegro von Mendelssohnscher Leichtfüßigkeit mit einem an Brahms gemahnenden schwärmerischen Gedanken – ein Werk, das durch seinen präzisen Ausdruck unmittelbar fesselt, an dem man dank seiner Reichhaltigkeit aber auch bei wiederholtem Hören Freude hat.

Sixtus König † [25.01.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Heinrich von Herzogenberg
1Streichquintett c-Moll op. 77 00:34:17
5Streichquartett d-Moll op. 18 00:24:08

Interpreten der Einspielung

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