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CD-Besprechung

Niclaus Bruhns

Das Orgelwerk

Niclaus Bruhns

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 01.12.09

OehmsClassics OC 641

1 CD/SACD stereo/surround • 68min • 2007

Orgelprüfung an einer beliebigen deutschen Musikhochschule – die berühmte Frage nach einem möglichen Stück eines Meisters der Vor-Bach-Zeit – spielst du Buxtehude oder was anderes? Bruhns! Das kleine oder das große e-Moll?

Und hier endet meist die Beschäftigung mit dem Œuvre des großen Husumer Meisters, der vor allem auch bei Johann Sebastian Bach in hohem Ansehen stand. Für den großen Thomaskantor waren Bruhns mit Buxtehude und Reincken zusammen maßgebliche Vorbilder, an denen er seine Orgelwerke in Teilen orientierte. Dies dürfte vor allem für die Übernahme in die früheren Toccaten gelten und den von den drei oben genannten „Vorfahren“ verkörperten „stylus phantasticus“. Ein Zitat, welches der Interpret Josef Kelemen an den Anfang seines Booklettextes stellt, macht die unglaubliche Varietät und Freiheit dieser Gattung deutlich: „...dieser Styl ist die allerfreieste und ungebundenste Setz- Sing- und Spielart, die man nur erdencken kann ... da man sich weder an Worte noch Melodie, obwohl an Harmonie, bindet, nur damit der Sänger oder Spieler seine Fertigkeit sehen lasse ... ohne eigentliche Beachtung des tacts oder Tons ... bald hurtig bald zögernd. Das sind die wesentlichen Abzeichen des fantastischen Styls ... so hat die Zeit-Maase gar Feierabend“ (nach Athanasius Kircher, 1650).

Umso bedauerlicher ist es, das in einer Zeit der großen Improvisatoren so wenige Werke den Weg auf das Papier und somit in unsere Zeit geschafft haben. Gerade einmal sechs Stücke sind Nicolaus Bruhns zugeschrieben, welche auf dieser CD mit den ebenfalls nicht umfangreicher erhaltenen Werken seines Zeitgenossen Melchior Schildt gegenüber gestellt werden. Aber welch tolle Musik ist da auf uns gekommen! Und dann auf einem der Prachtinstrumente aus der Werkstatt von Arp Schnitger, seiner Orgel für die Ludgerikirche in Norden, fertiggestellt 1692, also fünf Jahre vor Bruhns' Tod.

Die Klanglichkeit dieser Orgel mit mitteltöniger Stimmung und auch einen 5/8-Ton höher als die heute übliche Stimmtonhöhe, macht mit dem Hörer dieser SACD geradezu eine Zeitreise in das ausgehende 17. Jahrundert. Man möchte sofort die Koffer packen und hinfahren, so anregend und präsent ist der Klang dieser Orgel auf der vom Label Oehms Classics aus München vorgelegten Aufnahme eingefangen. Farbig und abwechslungsreich registriert, präsentiert uns Josef Kelemen die wenigen Pretiosen dieser beiden norddeutschen Meister. Lediglich in der Vortragsart von Kelemen wünschte man sich zuweilen deutlich mehr von der Freiheit, welche der Interpret mit seinem Zitat als Prämisse über diese Aufnahme stellt. Gerade das „Masterpiece“, Bruhns‘ großes e-Moll-Praeludium, welches den Schlusspunkt der ansonsten durchaus gelungenen Einspielung macht, kommt in seiner doch recht braven Diktion nicht völlig überzeugend herüber.

Ein solch prominentes Instrument hätte auch eine etwas ausführlichere Würdigung im Booklet verdient, die Einordnung in den Orgelbaustil im näheren deutschen bzw. europäischen Umfeld fehlt leider völlig. Orgelfans freuen sich jedenfalls immer über kenntnisreich zusammengestellte Informationen.

Zur „Verpackung“ sei auch noch ein Wort gesagt. Was haben sich nicht bereits Generationen von CD-Käufern über die Fixierungslaschen im Deckel der CD geärgert, spätestens dann, wenn bei recht umfangreichen Booklets ein Teil desselben in den erwähnten Laschen hängen blieb und sehr unschöne „Löcher“ zurückblieben. Auch wenn die Super-Jewel-Box mit den abgerundeten Ecken eigentlich als Verpackungs-Idee der SACD vorbehalten sein sollte, so ist doch die Entnahmefreundlichkeit nicht hoch genug zu loben und wäre sicherlich als generelle Verwendung bei allen CDs überlegenswert.

Frank Höndgen [01.12.2009]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 N. Bruhns Präludium G-Dur 00:09:02
2 M. Schildt Gleichwie das Feuer 00:05:01
3 N. Bruhns Praeludium con Fuga ex Gb (Pedaliter) 00:04:33
4 M. Schildt Magnificat primi Modi 00:17:53
9 N. Bruhns Adagio in D 00:01:55
10 M. Schildt Allein Gott in derf Höh sei Ehr 00:01:28
11 N. Bruhns Nun komm, der Heiden Heiland 00:08:59
12 Praeludium ex E. Com Pedahl 00:04:39
13 M. Schildt Paduana Lachrymae (nach John Dowland) 00:04:55
14 N. Bruhns Praeludium en Eb. Pedaliter 00:09:04

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Joseph Kelemen Orgel
 
OC 641;4260034866416

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