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CD-Besprechung

F. Schubert

OehmsClassics 1 CD OC 731

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 30.09.09

OehmsClassics OC 731

1 CD • 74min • 2008

Ich verhehle es auch jetzt nicht – noch dazu ist es aktenkundig in mehreren Publikationen –, dass mich Michael Endres’ Gesamtaufnahme der Schubert-Tänze (Capriccio 49242) begeistert hat – mehr noch: in jene Schwingungen des Hörens versetzte, die zum einen – seitab beruflicher Verpflichtung – des schnöden Alltags entheben, zum anderen aber auch der Bestätigung dienlich sind, welch einen unfassbaren Kosmos des Tanzes und der musikalischen Verzauberung Schubert mit diesen zahllosen Miniaturen hinterlassen hat. Und weitgehend sind diese Kleinode unbeachtet geblieben, nur gelegentlich auf Schallplatten zu hören, enttäuschend selten auch im Konzertsaal. Paolo Bordoni, dem italienischen Pianisten, war es zu danken, noch zu Zeiten der Langspielplatte eine umfangreiche Auswahl für EMI einzuspielen – das Beste bis zu diesem Zeitpunkt, sofern man nicht nur den einen oder anderen Quasi-Zyklus oder ausgewählte Bonbons im Zugabenformat erleben wollte.

Nun knüpft Michael Endres wie nahtlos an seine lautere, kundig beschwingte, aber auch geistreiche Darstellung der erwähnten Tänze an. Erneut bestätigt er seine klavieristische Professionalität, unterstreicht er seinen Sinn für formale Logik, für rhythmische Elastizität, kurzum: seine musikantisch-intellektuelle Gabe, dem Zauber größerer Werkzusammenhänge Wirklichkeit zu verleihen. Und dies dem aufmerksamen Hörer weit über den aktuellen Moment des Lauschen hinaus, will sagen: die drei Klavierstücke D 946, die ganz eigentümlich versonnenen, fast schon weltfremden Hüttenbrenner-Variationen bleiben im Gedächtnis, wirken nach als vorgelebte und im weiteren gegenwärtig bleibende Musik.

Packend das Allegro assai des ersten Klavierstückes D 946, dabei im Tempo und im Zugriff nicht überhitzt, sodass der beschwichtigende Teil als Zwangsläufigkeit zu empfinden ist (und nicht wie so oft als musikalische Injektion eines leichtgängigen Fremdkörpers). Endres – um es allgemeiner zu formulieren – führt mit sicherem Wissens-Instinkt durch die gewählten Partituren, durch die Schubertschen Seelenlandschaften. Er bewegt sich im Variations-Abschnitt der Wanderer-Fantasie – gemeint sind die gleitenden Skalen und die Tremolo-Erschütterungen der linken Hand! – in Nähe von Sviatoslav Richters legendärer Pariser EMI-Interpretation. Der Vergleich macht sicher: Julius Katchen mit seiner DVD-Reprise darf man vergessen – er wanderte nicht, er schlingerte 1967 durch das vor allem im Finale technisch äußerst unbequeme Stück. Kissin zeigt begrenzte Einfühlung für den liedhaft-literarischen Hintergrund, András Schiff bemüht sich angestrengt, im ersten Teil ein quasi-sinfonisches Forte zu erzeugen – und Lang Lang möchte man empfehlen, sich für dieses Werk noch einige Ratschläge zu holen (am besten nicht von Daniel Barenboim, sondern im günstigsten Fall von Alfred Brendel bzw. von Michael Endres!).

Gelegentlich hatte ich den Eindruck, bei Oehms verliere man im Zuge vielfältiger Pianisten-Präsentation ein wenig an Linie, an künstlerischer, an personaler Übersichtlichkeit. In diesem Fall kann ich den Herausgeber nur beglückwünschen – und zugleich ermuntern, mit Endres auch die Schubert-Sonaten in Angriff zu nehmen. Inklusive der unvollendeten Werke und mit Aufmerksamkeit auch für die unvollendeten Sätze.

Vergleichsaufnahmen: Wanderer-Fantasie: Richter (EMI CDC 7 47967 2), Katchen (Decca 4757221), Borac (Avie AV 2061), Leonskaja (apex / Teldec 0927 40831 2), Kissin (DG VHS 072195-3), Brendel (Euroarts DVD 2056558 / mit Einführung), Itoh Kei (Fontec FOCD 9368), Barbara Moser (Gramola 98820), Boris Bloch (Avi-Service 8553150), Badura-Skoda (MCA MCD 80087), Tanski (MDG 312 0924-2), Katchen (Paris ’67 /EMI DVD DVA 4901229), Schlüter (Koch 3-1813-2), Takeya (Diskant DK 0046), D.Blumenthal (CYP 1621), Baldaszti (RCA 441692), Perahia (Sony SMK 89614), Watts (Great Pianists Philips 456 985-2), Curzon (Decca 466498-2), A.Schiff (ECM 464320-2), Lang Lang (DG 474 875-2), Scheps (Initiativkreis Ruhr LC 15080; Klavierstücke D 946: Afanassiev (Denon), Koudriakov (audite 92.546), Vogt (Avi 8553098), Lefèvre (Analekta AN 2 9278), D. Th. Schmidt (Sony 88697431592), Sato (Thorofon CTH 2555), Batik (Camerata CM-28050); Hüttenbrenner-Variationen D 576: Edlina (Chandos 9860), Schuchter (Tudor 500741/3, Richter (BBC Legends 422-2).

Peter Cossé [30.09.2009]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Schubert Fantasie C-Dur D 605a (Grazer Fantasie) 00:12:09
4 Klavierstück es-Moll D 946 Nr. 1 (op. post.) 00:11:15
5 Klavierstück Es-Dur D 946 Nr. 2 (op. post.) 00:11:45
6 Klavierstück C-Dur D 946 Nr. 3 (op. post.) 00:04:51
7 Variationen über ein Thema von Anselm Hüttenbrenner a-Moll D 576 00:12:04
8 Fantasie C-Dur op. 15 D 760 (Wandererfantasie) 00:21:03

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Michael Endres Klavier
 
OC 731;4260034867314

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