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CD-Besprechung

Johann Praetorius
Selected Organ Works

Johann Praetorius<br />Selected Organ Works

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 16.10.09

cpo 777 344-2

1 SACD • 65min • 2007

Die Freie und Hansestadt Hamburg war zu Zeiten, als Johann Praetorius (1595-1660) dort als Sohn des Hieronymus Praetorius (1560-1629) geboren wurde, eines der bedeutenden Kulturzentren des Heiligen Römische Reiches Deutscher Nation – und die nicht zuletzt durch das Verdienst der Familie Praetorius, hatte doch bereits Johanns Großvater Jacob in der Stadt als Organist gewirkt. Hieronymus erlangte als erster über die Stadtgrenzen hinaus gehende Berühmtheit: Seine Kompositionen wurden bereits zu Lebzeiten im Druck veröffentlicht. Die Hamburger Familie Praetorius ist übrigens mit dem Wolfenbütteler Kapellmeister Michael Praetorius (1571-1621), der durch sein Werk Syntagma Musicum Berühmtheit erlangte, nicht verwandt – Praetorius ist eine Latinisierung des verbreiteten deutschen Namens Schultheiß oder Schulze.

Johann Praetorius’ Ausbildung bei Jan Pieterszoon Sweelinck in Amsterdam wird von etwa 1608 bis 1611 angenommen – zuvor war sein Bruder Jacob seit 1606 für zwei Jahre Schüler bei Sweelinck gewesen. Danach war Johann vielfältig in seiner Vaterstadt tätig: 1612, mit 17 Jahren, wurde er Organist und Kirchenschreiber an St. Nikolai und behielt diese Funktionen bis zu seinem Tod 1660. Darüber hinaus war er noch Organist an der alten St. Michaelis Kirche und am Maria-Madgalenen-Kloster. Seine 48-jährige Tätigkeit als Organist machte ihn zum Kollegen mehrerer Generationen von Hamburger Kirchenmusikern: Die Reihe geht von seinem Vater Hieronymus über seine Brüder Jacob (Organist an St. Petri) und Michael (Schüler John Bulls in Antwerpen), Matthias Weckmann und Heinrich Scheidemann bis hin zu Johann Adam Reincken.

Obwohl unter dem eigenen Namen keine Kompositionen für Orgel direkt überliefert sind, konnte durch die Arbeit des Musikwissenschaftlers Klaus Beckmann in jüngster Zeit ein beeindruckendes Orgelwerk des Johann Praetorius nachgewiesen werden. Diese Kompositionen waren bisher teilweise anderen Autoren wie beispielsweise Jan Pieterszoon Sweelinck zugeschrieben oder galten als anonyme Werke. Einige zeigen Abkürzungen wie J. P., Johann P. oder Komponistennamen, die leicht als Verwechslungen auszumachen sind wie etwa Johann Peters oder Pieters (eine Gleichsetzung von Peters/Pieters mit Praetorius war im 17. Jahrhundert durchaus geläufig).

Friedhelm Flamme hat sich für seine Einspielung Werke ausgesucht, die manualiter auf der Orgel auszuführen sind, da das Pedal der ansonsten für diese Literatur gut geeigneten Orgel der Peter-und-Paul Kirche des Klostergutes Holthausen bei Büren keine eigenen Register besitzt und für größere Werke nicht einzusetzen ist. So erklingen hier choralgebundene Kompositionen, die auf gregorianischen und reformatorischen cantus firmi beruhen. Als kleine Sensation gibt es obendrein die bisher Jan Pieterszoon Sweelinck zugeschriebenen Variationen Mein junges Leben hat ein End, die inzwischen mit großer Wahrscheinlichkeit als Werk von Johann Praetorius gelten dürfen: Er schrieb sie möglicherweise auf den frühen Tod seines Neffen Hieronymus – der hochbegabte Sohn seines Bruders Jacob war 1629 im Alter von nur 15 Jahren gestorben.

Johann Praetorius zeigt sich in den Kompositionen dieser SACD als Meister des Kontrapunkts, der seine Einfälle abwechslungsreich und schnörkellos verarbeitet. Friedhelm Flamme interpretiert diese Musik mit angemessenem Ernst und der nötigen Strenge, die ihre Bindung an Gott erfordert. Man denkt an Bach und seinen Spruch: „Der Endzweck aller Musik soll nichts anderes sein als die Ehre Gottes und die Erbauung des Gemüts. Wo dieses nicht in acht genommen wird, ist es keine Musik, sondern ein teuflisches Geplärr und Geleier.“ Johann Praetorius und sein Interpret Friedhelm Flamme erfüllen die Forderungen des Thomaskantors zur Gänze und können so die Gemüter aller Freunde der Orgelmusik des 17. Jahrhunderts wirklich erfreuen.

Detmar Huchting [16.10.2009]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Praetorius Allein zu dir, Herr Jesu Christ 00:11:57
2 Christe, qui lux es et dies 00:04:01
3 Da pacem Domine 00:06:55
4 Ich ruf zu Dir, Herr Jesu Christ 00:07:04
5 Jesus Christus, unser Heiland, der von uns den Gotteszorn wandt 00:05:56
6 Nun freut euch, lieben Christen gmein 00:04:19
7 Puer nobis nascitur 00:02:42
8 Vater unser im Himmelreich 00:05:06
9 Ich lieb den Herren (Psalm 116) 00:06:10
10 O Gott, du unser Vater bist 00:04:01
11 Mein junges Leben hat ein End 00:06:48

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Friedhelm Flamme Orgel
 
777 344-2;0761203734429

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