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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

BIS 1468

1 CD/SACD stereo/surround • 77min • 2002, 2005

28.08.2009

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Mit dieser Einspielung der unverdient selten aufgeführten dritten Sinfonie findet eine insgesamt eher durchwachsene Gesamtaufnahme der sechs numerierten Sinfonien Tschaikowskys (Manfred und die rekonstruierte Es-Dur-Sinfonie sollen nicht produziert werden) einen vorzüglichen Abschluß. Es drängt sich wieder einmal der Eindruck auf, daß Neeme Järvi solchen vernachlässigten Werken gern besondere Pflege angedeihen läßt, während bei seinen Interpretationen von Hauptwerken des Repertoires oft eher Routine vorherrscht, wenn man diese Aufnahme denen der Vierten (BIS SACD 1458) oder Sechsten (BIS SACD 1348) unter seiner Leitung gegenüberstellt.

Wäre dies eine Rezension für ein englisches Magazin, würde ich jetzt ein Wortspiel anbringen: Hat Järvi den Untertitel dieser Sinfonie auch als Aufforderung genommen? Die „polnische“ Sinfonie heißt im Englischen nämlich „polish“, was zugleich auch „polieren“ bedeutet. In der Tat wirkt die Aufführung so, als ob Järvi gründlich mit dem Besen durch die Partitur gegangen wäre. Es gibt keinerlei Staub und Muff; alles klingt deutlich und klar. Die Balance ist vorzüglich, die Durchhörbarkeit der Instrumente wirkt einigermaßen natürlich, der Streicherklang ist schön räumlich. Besonders erfreulich ist auch die Beredsamkeit der musikalischen Gesten, die fast schon an Harnoncourts Klangrede erinnert und in Tschaikowsky-Interpretationen nicht oft zu erleben ist. So hat das eigensinnige, fünfsätzige Werk unter Neeme Järvi besonders viel zu sagen; die Sätze entfalten sich als große, atmende Spannungsbögen. Besonders erfreulich: Das mit Allegro con fuoco bezeichnete Finale, dessen Untertitel Tempo di Polacca der Sinfonie ihren Namen „Polnische“ eintrug, wird hier einmal nicht heruntergehetzt. Der Klang kann sich angemessen entfalten und dadurch bekommt der Satz mehr Gewicht, wie es auch der Zusatz verlangt.

Nach der Sinfonie folgen einige selten zu hörende Orchesterstücke – Zwischenaktmusik und Tanz der Zimmermädchen aus der von Tschaikowsky in Selbstkritik vernichteten ersten Oper Der Voyevode op. 3, Einleitung und Mazurka zu Ostrovskijs Drama Der falsche Dimitri und Wassili Schuiski, die Serenade zum Namenstag von Nikola Rubinstein sowie einige Tänze aus Eugen Onegin. Die Nummern sind allesamt ausgesprochen schwungvoll und unterhaltsam, hier dramaturgisch zu einer wirkungsvollen Suite zusammengestellt. Es gibt nur zwei kleine Mankos: An einigen wenigen Stellen hätte sich das Orchester aus Göteborg doch etwas intensiver um die Intonation kümmern sollen, außerdem ist die lange Pause zwischen den Tracks 7 und 8 recht störend, da beide Sätze der Bühnenmusik unverkennbar zusammengehören und unmittelbar aufeinander folgen sollten.

Dr. Benjamin G. Cohrs [28.08.2009]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Peter Tschaikowsky
1Sinfonie Nr. 3 D-Dur op. 29 (Polnische) 00:42:50
6Der Wojewode op. 3 00:09:51
7Der falsche Dmitri und Wassili Schuiski (Schauspielmusik zu Alexander Ostrowski dramatischer Chronik) 00:06:34
9Serenade zu Nikolai Rubinsteins Namenstag – Andantino quasi allegretto 00:03:12
10Eugene Onegin op. 24 00:12:50

Interpreten der Einspielung

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