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CD-Besprechung

Hungaroton HCD 11926

1 CD • 72min • [P] 1978

15.07.2009

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Schön, dass das Haydn-Jahr 2009 auch das Opernschaffen des Komponisten wieder in Erinnerung bringt, das immer im Schatten seiner Instrumentalmusik sowie der Oratorien stand. Als Kapellmeister am Hofe des Fürsten Nikolaus Josef Esterházy schrieb er seit 1761 eine Reihe von Bühnenwerken verschiedener Genres, die Kaiserin Maria Theresia einmal zu der Aussage veranlassten: „Wenn ich gute Oper sehen will, gehe ich nach Esterháza“. Die Opera buffa Lo speziale, 1768 uraufgeführt, war einer der frühen Versuche Haydns auf dem Gebiete des Musiktheaters.

Das Libretto geht auf ein Stück des großen venezianischen Komödienautors Carlo Goldoni zurück, der Haydn später auch die Vorlagen für die Opern Le pescatrici (Die Fischerinnen) und Il mondo della luna (Die Welt auf dem Monde) lieferte. Ein Grundmuster der Opera buffa – ein alter Mann will sein Mündel heiraten und wird von einem jüngeren ausgestochen – wird in Lo speziale effektvoll variiert. Denn hier sind es gleich zwei Männer, die dem Apotheker Sempronio die reizvolle Grilletta streitig machen wollen: der selbstgefällige Stutzer Volpino und der schüchterne Mengone, der sich aus Liebe als Gehilfe des Apothekers verdingt hat. Nach einigem Verkleidungs-Mummenschanz – Volpino taucht in Sempronios Haus als türkischer Gesandter mit Gefolge auf – siegt die Liebe über das Kalkül. Grilletta und Mengone werden ein Paar, Sempronio und Volpino bleiben geprellt zurück. Goldoni verbindet diese alte Geschichte mit einer frühen Mediensatire. Denn Sempronio, der sich in ferne Länder träumt, ist ein leidenschaftlicher Zeitungsleser und glaubt nahezu jeden Unsinn, der ihm dort aufgetischt wird.

Haydn, wenngleich als Theatermann noch ein Anfänger, zeigt sich musikalisch in diesem kurzen dreiaktigen Werkchen schon ganz auf der Höhe seiner Einfalls- und Konstruktionskraft. Die überwiegend witzigen, teilweise parodistischen Arien werden durch das Orchester pfiffig kommentiert, die drei Final-Ensembles weisen schon auf die späteren Opern voraus. Die Wiederveröffentlichung einer 30 Jahre alten Budapester Produktion, die sich auf die historisch-kritische Ausgabe von H. C. Robbins Landon von 1970 stützt (und folglich die nicht mehr erhaltenen Nummern des 3. Aktes ausspart), stellt eine sinnvolle und künstlerisch gleichwertige Ergänzung zu der Haydn-Edition von Antal Dorati bei Philips dar. György Lehel behandelt die Partitur mit einer Liebe und Sorgfalt, wie sie einem reifen Meisterwerk gebühren würde, läßt die Musik funkeln und moussieren und belebt mit dem Orchester immer wieder die imaginäre Szene. Die Sänger zeichnen sich durchweg durch gestalterische Prägnanz und komödiantische Laune aus, dabei sind die beiden Tenorstimmen gleichermaßen markant gegeneinander abgehoben wie die beiden Soprane. Attila Fülöps Apotheker ist keine Buffa-Schablone, sondern ein echter Goldoni-Charakter, István Rozsos befreit den Mengone aus dem Liebhaber-Klischee, indem er auch seine komischen Seiten betont. Auch die kokette Grilletta Magda Kalmárs und der aufgeblasene Volpone von Veronika Kincses sind pralle Theatercharaktere.

Ekkehard Pluta [15.07.2009]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Joseph Haydn
1Der Apotheker Hob. XXVII:3 (Dramma giocoso)

Interpreten der Einspielung

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