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CD-Besprechung

Lisztomagia Piano Works by Franz Liszt

Genuin GEN 89147

1 CD • 62min • 2008

12.06.2009

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Nach ihrer Genuin-Debüt-CD mit Werken von Liszt, Debussy, Chopin, Mozart, Scarlatti und Shchedrin (GEN 86068) lässt die von der Stiftung für Hochbegabte „Lutz-E. Adolf“ geförderte Caroline Fischer mit einem ausschließlich den Werken Liszts gewidmeten Programm aufmerken. Das Motto „Lisztomagia“ mag ein wenig bemüht wirken, sozusagen wie an den verbal-ästhetischen Haaren herbeigezogen. In Erinnerung freilich ist den meisten Musikfreunden das werbende Versprechen „Lisztomania“, so dass der Sprung zur „Magie“ aus Gründen der Öffentlichkeitserregung zumindest gerechtfertigt scheint.

Caroline Fischer beginnt ihre Vortragsfolge mit zwei der beliebtesten Schubert-Bearbeitungen: Sicher und selbstbewusst in der Definition der entsprechenden, der Liebe verpflichteten Lied- bzw. Klaviercharaktere. Das Instrument als dienendes Echo schönster zwischenmenschlicher Beziehungen, Hoffnungen und Möglichkeiten. Fischer erfüllt alle Reinheitsgebote was die kleinen, figurativen Noten anbelangt, investiert Schwung und Leidenschaft, ohne jenen gestalterischen Überblick zu verlieren, den diese kleinen, in sich geschlossenen Seelenlandschaften dem Interpreten nahe legen. Allzu oft werden diese Miniaturen ja im manuellen Überschwang, im erhitzten Selbstgefühl des technischen Könnens in Richtung Fingerfertigkeitsetüde zentriert und damit verfehlt.

In der von Caroline Fischer gewählten Werkfolge fällt – neben den „Unverzichtbaren“ – die verhältnismäßig kurz gehaltene Ballade Nr. 1 Des-Dur ins Auge und im Folgenden auch wohltuend ins Ohr. Bis auf wenige Ausnahmen (Leslie Howard, der späte Cziffra etwa) wurde und wird dieses liebenswürdige, indes thematisch und im Aufbau etwas unfertig anmutende Stück gemieden. Zusammen mit der h-Moll-Ballade vorgetragen, entsteht jedoch so etwas wie ein „Doppel“ mit Vorspiel und Hauptteil. Caroline Fischer beweist Nerven, zeigt energischen Zugriff, steuert den ersten Teil mit klaren Konturen rhythmisch elastisch an, um dann die an die zweite Franziskus-Legende erinnernden Wellenbewegungen der h-Moll-Bebungen ganz im Sinne klavieristischer Bildhaftigkeit zu erfüllen.

Unübertroffen bleiben die Sprungschikanen des Mephisto-Walzers Nr. 1 und die finalen Turbulenzen der Spanischen Rhapsodie in den verschiedenen Versionen György Cziffras. Vor allem in einem kürzlich bei Medici Arts erschienenen Tokio-Mitschnitt aus dem Jahr 1964! Dennoch: Caroline Fischer weiß die entscheidenden Höhepunkte anzusteuern und mit Verve und Risikofreude zu bewältigen. Sie versteht es – etwa zu Beginn des Mephisto-Walzers – ätzende Atmosphäre zu provozieren, im schönen Gegensatz zu den melancholisch-sentimentalen Variationen des Mittelteils, dessen repetierte Noten allzu oft mechanisch gedeutet werden, also nicht als vibrierende Melodik.

Zur Edition eine mahnende Fußnote! Berichtet wird in den „biografischen Anmerkungen“ von zahlreichen ersten Preisen, Goldmedaillen und Publikumspreisen. Wäre es nicht dienlich, in dieser Hinsicht auch ein paar Informationen anzufügen? Und nicht nur nebenbei: Der Leser würde auch gerne erfahren, wo (und vielleicht sogar wann) die Hochbegabte geboren wurde ...

Vergleichsaufnahmen: Howard (Hyperion); Rhapsodie espagnole: Li (2005 DG 00289 477 5571), Cziffra (1956 Urania URN 22.288), Cziffra (Tokyo 23.4.1964 Medici Masters MM 033-2), Cziffra (EMI, Fonit Cetra); Balladen: Cziffra (Nr. 1: EMI; Nr. 2: Philips).

Peter Cossé † [12.06.2009]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
1Liebesbotschaft (1838/1839 - from: Schwanengesang) 00:03:16
2Widmung op. 25 No. 1 (1840) 00:03:57
Franz Liszt
3Ballade Nr. 1 Des-Dur S 170 (Le chant du croisé) 00:07:54
4Ballade Nr. 2 h-Moll S 171 00:15:11
5Rhapsodie espagnole S 254 (Folies d'Espagne et jota aragonesa) 00:12:41
6Valse impromptu major S 213 00:05:49
7Mephisto-Walzer Nr. 1 A-Dur S 514 R 181 00:11:52

Interpreten der Einspielung

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