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CD-Besprechung

A. Dvořák • P. Hindemith

Ondine 1 CD ODE 1141-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 23.04.09

Klassik Heute
Empfehlung

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Ondine ODE 1141-2

1 CD • 64min • 2008

Eine in jeder Hinsicht erfreuliche Produktion. Zum einen präsentiert sie die Ersteinspielung eines Konzertes, das 1923 komponiert und erst Jahrzehnte später, nämlich 2004 uraufgeführt wurde. Zum anderen zeigt sie sehr anschaulich und überzeugend, wie Christoph Eschenbach mit dem Orchester des berühmten Curtis Institute of Music in Philadelphia, also einem Studentenorchester arbeitet, zu welcher Präzision, Perfektion, aber auch zu welch animiertem und ausdrucksvollem Spielen er es anzuleiten vermochte.

Für den Pianisten Paul Wittgenstein, der aufgrund einer Kriegsverletzung nur noch seinen linken Arm benutzen konnte, komponierte Paul Hindemith 1923 seine Klaviermusik mit Orchester. Er selbst bezeichnete sein Opus 29 als „einfaches, vollkommen unproblematisches Stück“, Wittgenstein indes mißfiel es, vermutlich war es ihm zu modern. So hat er die Klaviermusik nie öffentlich gespielt und auch keine Aufführungen anderer Pianisten zugelassen. Erst 81 Jahre später konnte die Frankfurter Hindemith-Stiftung die Komposition aus Wittgensteins Nachlass erwerben. Am 9. Dezember 2004 schließlich brachten Leon Fleisher und die Berliner Philharmoniker unter Leitung von Simon Rattle das Werk zur Uraufführung. Nun erscheint es mit Fleisher zum ersten Mal auf Tonträger.

„Die Klaviermusik mit Orchester, die gewiss zu Hindemiths exponiertesten Werken gezählt werden muss, entwickelt mit Verfahren der Montage, der Überblendung, des Schnittes, der Collage, dem Arbeiten mit rhythmischen Patterns und diastematischen Reihen eine ‚Aura der Mittel‘, die im weiteren Verlauf der 1920er-Jahre seine Musik als Inbegriff einer ‚Neuen Sachlichkeit‘ ausweisen wird“ (Hindemith-Forscher Giselher Schubert).

Leon Fleisher ist bzw. war sozusagen der Wittgenstein der Neuzeit. Mitte der 1960er Jahre wurde seine glänzende Pianistenkarriere aufgrund von Lähmungserscheinungen der rechten Hand unterbrochen. Er widmete sich dem Repertoire für Klavier linke Hand und auch dem Dirigieren, bis er ab Mitte der 1990er Jahre allmählich wieder beidhändig Klavier spielen konnte.

Fleisher ist, wie diese Aufnahme zeigt, der ideale Interpret des Werkes. Bewundernswert, mit welcher Perfektion, Brillanz und Einfühlung der inzwischen 80-Jährige dieses Werk spielt: Der Kopfsatz hat Martellato-Effekte und Motorik, der zweite ist – wie gefordert – „sehr lebhaft“; der dritte (Trio) beeindruckt durch meditative Ruhe und die schlichte Kadenz, im bewegten Finale fühlt man sich an Hindemiths Spielmusiken erinnert. Fleisher macht deutlich, dass dieses Werk eine entscheidende Bereicherung des Repertoires für die linke Hand ist und den Konzerten von Ravel und Prokofieff in nichts nachsteht.

Das Sinfonieorchester des Curtis Institute ist dem Pianisten unter Leitung von Christoph Eschenbach schon bei Hindemith ein aufmerksamer wie ebenbürtiger Partner. In der neunten Sinfonie von Dvoák läuft es zu großer Form auf. Eschenbach gelingt mit diesem Studentenorchester eine packende Interpretation der populären Sinfonie: immer gespannt, mit großem Atem, dramatisch und zurückhaltend, farbig und transparent, so dass stets die Faktur des Werkes, seine Details deutlich werden.

Peter Heissler [23.04.2009]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 P. Hindemith Klaviermusik mit Orchester op. 29 für Klavier linke Hand 00:18:00
5 A. Dvořák Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 00:46:08

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Leon Fleisher Klavier
Curtis Symphony Orchestra Orchester
Christoph Eschenbach Dirigent
 
ODE 1141-2;0761195114124

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