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CD-Besprechung

Johann Strauß (Sohn): Das Spitzentuch der Königin

cpo 2 CD 777 406-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 24.04.09

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cpo 777 406-2

2 CD • 1h 36min • 2008

Die Staatsoperette Dresden steht seit 2003 unter neuer Leitung: Wolfgang Schaller als Intendant und Ernst Theiss als Chefdirigent. Die beiden couragierten Herren haben sich eine interessante Spielplanerweiterung vorgenommen, zu deren Hauptzielen die Pflege und Aufführung der weniger bekannten Bühnenwerke von Johann Strauß zählt. Da dies in Zusammenarbeit mit dem Label cpo geschieht, kann bereits ein erstes erfreuliches Resultat vorgezeigt werden: Das Spitzentuch der Königin, eine Operette, die selbst den Strauß-Kennern nur dem Namen nach bekannt sein dürfte.

Die Uraufführung des Stücks, 1880 im Theater an der Wien, bescherte einen zwar nicht gerade rauschenden, doch durchaus achtbaren Erfolg, der freilich über die Lebenszeit ihres Schöpfers nicht hinausreichte. Der Hauptgrund für die kurze Lebensdauer war die glänzende Nachfolgeschaft aus der Werkstatt des Dreivierteltakt-Königs: Der lustige Krieg (1881), Eine Nacht in Venedig (1883) und Der Zigeunerbaron (1886). Lauter Meisterstücke, die das weniger wirksame Werk in den Schatten stellten. Bekanntlich besteht die crux vieler Strauß-Operetten im schwachen Libretto, und ein solches liegt auch dem Spitzentuch zugrunde. Man muß nicht so weit gehen wie der strenge Kritiker Eduard Hanslick, der den Text (er stammt von mehreren Autoren, die sich unter dem Decknamen Bohrmann-Riegen verbargen) als „niederschmetternden Blödsinn“ bezeichnete. Die Geschichte um den Dichter Cervantes, der am Hof des jungen Königs von Portugal (Sopranrolle) die Ehe des Monarchen rettet und sich bei dieser Gelegenheit selbst eine Gattin angelt, ist sehr leichte Ware, die wirklich nichts anderes im Sinn hat, als harmlose Heiterkeit zu erzeugen. Oder eine „Hetz“, wie man das in Wien zu nennen pflegt. Und da bei der Uraufführung die beliebtesten Gesangskomiker Wiens wie Alexander Girardi (Don Sancho) und Felix Schweighofer (Villalobos) mitwirkten, kann man sich ausmalen, daß es sogar eine „Riesenhetz“ war. Immerhin hat das Stück mehr als hundert Vorstellungen erreicht.

Wenn auch Handlung und Text nur geringen Wert besitzen, so gilt das Gegenteil für die Musik, die absolut auf der Höhe der Straußschen Meisterwerke steht. Damit ist auch die Frage nach dem Sinn der Wiederbelebung eines verschollenen Bühnenwerks schlagend beantwortet. Die Operette enthält zwar keine Luxuspartien, in denen Tenor- oder Sopranstimmen schwelgen können, dafür aber gibt es viele prägnante Buffo-Nummen, Couplets und quirlige Ensembles. In vielen Momenten ist Strauß hier der französischen Operette (Offenbach, Lecocq) näher als sonst. Die schönsten Melodien aus dem Spitzentuch hat Johann Strauß später in einem Musikstück zusammengefaßt, das zu den Juwelen seiner kompositorischen Schatztruhe zählt: der Walzer Rosen aus dem Süden.

Der Eifer und die Sorgfalt, welche die Dresdener Staatsoperette dem wenig lebensfähigen Werk angedeihen läßt, nötigt Respekt ab. Die Edition beruht auf der neuen kritischen Ausgabe der Partitur (Verlag Hermann/Wien) und enthält aus Draufgabe sogar ein neu aufgefundenes Terzett. Dresden hat mit dieser Liebesbezeugung für Johann Strauß die Operettenstadt Wien längst schon degradiert, denn ein reguläres Operettenhaus gibt es dort schon lang nicht mehr. Die Dresdener Staatsoperette besitzt ein gutes Sängerensemble, bei dem die männlichen Mitglieder erheblich über den etwas welk klingenden Frauenstimmen stehen. Hardy Brachmann in der zentralen Rolle des gaunerhaften Premier-Ministers Villalobos agiert mit Präsenz und treffender Schärfe. Vor allem besitzt das Haus ein prächtiges Orchester, aus dem die musikalischen Funken nur so sprühen. Musikchef Ernst Theiss ist dort der rechte Mann am rechten Ort. Der Johann-Strauß-Unternehmung auf cpo ist weiterhin Glück zu wünschen. Der Carneval in Rom und Prinz Methusalem sind bereits angekündigt.

Clemens Höslinger [24.04.2009]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Strauß (Sohn) Das Spitzentuch der Königin

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Nadja Stefanoff Der König - Mezzosopran
Jessica Glatte Die Königin - Sopran
Elke Kottmair Donna Irene, Vertraute der Königin - Sopran
Gritt Gnauck Die Marquise von Villareal - Mezzosopran
Ralf Simon Cervantes - Tenor
Hardy Brachmann Graf Villalobos y Rodriguez, Minister - Tenor
Markus Liske Don Sancho Avellaneda y Villapinquedones - Tenor
Hans-Jürgen Wiese Marquis de la Mancha y Villareal, Kriegsminister - Bariton
Tobias Märksch Herzog von Feria, Minister - Baß
Dag Hornschild Der brasilianische Gesandte - Baß
Martin Gebhardt Graf San Gregorio, Minister - Tenor
Vladimir Marinov Tanzlehrer - Tenor
Chor der Staatsoperette Dresden Chor
Orchester der Staatsoperette Dresden Orchester
Ernst Theis Dirigent
 
777 406-2;0761203740628

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