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CD-Besprechung

entgrenzt unbounded

edition zeitklang ez-37035

1 CD • 73min • 2007

10.03.2009

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Man spielt mit Händen und Füßen, hat gewaltiges dynamisches Potenzial – das ist aber schon alles an Gemeinsamkeit zwischen der Orgel und dem Schlagzeug. Klänge aus Pfeifen sind oft stationär und schwer, Schlagzeugimpulse hingegen die Inkarnation von Beweglichkeit und Spontaneität – in der Regel.

Entgrenzt – so der treffende Titel – hat die vorliegende Neuerscheinung der Zeitklang-Edition diese beiden Sphären von jeder traditionellen Konnotation. Hier kommt zusammen, was zumindest auf dieser Einspielung wie füreinander bestimmt erscheint: Im Bremer Petri-Dom lässt Zsigmond Szathmáry die große Sauer-Orgel faszinierende Zukunftsmusik atmen. Zugleich wird der Variantenreichtum von Olaf Tzschoppes Trommeln, Chinagongs, Gamelans, Becken, metallischen und elektronischen Klangerzeugern zum aufregenden Pendant der endlos scheinenden Registrierungsmöglichkeiten.

Der Freiburger Perkussionist, der auch im Ensemble Modern mitwirkt, sowie der in Ungarn geborene Organist agieren dabei auf fundierter Materialgrundlage. Komponisten der Jetzt-Zeit gingen für diese „exotische“ Konstellation ganz facettenreiche Wege und haben scheinbar ihre Werke diesem Duo auf den Leib komponiert. Mit expressiver Wucht lässt Annette Schlünz gleich zu Beginn ein aussagekräftiges Bild erstrahlen: Extreme Tiefbässe schwärzen den Hintergrund, dann erobern pointierte, virtuose Gesten den Raum, fallen schließlich zart in sich zusammen, „verstummen“ eben, wie der Titel heißt. Ganz anders Piutim von Dánjiel Peter Biro: Regelrecht collagenhaft tritt verblüffend Konkretes hervor, verdichtet sich in einem pulsierenden Spannungsgeflecht. Motivfragmente, rhythmische Impulse, schließlich sogar Wortfetzen und melodische Zitate wie aus alter Kirchenmusik ringen atemlos und in repetitiver Struktur miteinander. Auch in den weiteren Kompositionen stellen Olfas Tzschoppe und Zsigmond Szathmáry zuverlässig sicher, dass es zum Durchhören bis zum Ende eigentlich keine Alternative gibt, so aufgesogen von diesem schillernden Kosmos fühlt sich der Hörer. Roland Breitenfelds Annunciazione liefert mit raffiniert eingestreuten Elektronik-Effekten ein Bindeglied zwischen Orgel und Perkussion.

Gerald Eckerts Inschriften wollen die spezifischen Ausdruckswelten der zwei gegensätzlichen Instrumente einander näher bringen: Zsigmon Szathmary lässt brachiale Cluster hervorbrechen, schärft Impulse. Olaf Tzschoppes Gesten werden phasenweise immer linearer und flächiger. Rituell und exzentrisch wirkt dies in jedem Moment – und mit diesen Worten sind auch zwei Sätze im Finale dieser Produktion überschrieben. Pulsation VIII schenkt dieser Produktion einen Ausklang, der so ungewöhnlich ist, wie diese an sich schon: noch einmal aufbrausende Gewitterstimmung. Dann geht jener Motor aus, mit dem die Orgel mit Luftmassen versorgt wird. Alles fällt in sich zusammen. Stille nach dem Sturm.

Stefan Pieper [10.03.2009]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Annette Schlünz
1- verstummen - für Schlagzeug und Orgel 00:08:44
Dániel Péter Biró
2Piutim für Schlagzeug und Orgel 00:10:30
Roland Breitenfeld
3Annunciazione für Orgel, Schlagzeug, Tonband und Live-Elektronik 00:16:15
Gerald Eckert
4Inschriften für Orgel und Schlagzeug 00:21:57
Bernfried E. G. Pröve
14Pulsation VIII für Orgel, Schlagzeug und Tonband 00:15:17

Interpreten der Einspielung

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