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CD-Besprechung

F. Schmitt

timpani 1 CD 1C1152

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 16.02.09

timpani 1C1152

1 CD • 71min • 2008

Um die Wende zum 20. Jahrhundert gab es in Frankreich geradezu einen Boom an Werken eines Genres, das vorher wenig Beachtung gefunden hatte: dem Quintett für Klavier und Streichquartett. In der Nachfolge von César Francks f-moll-Quintett entstand eine ganze Reihe von Werken für diese Besetzung (unter anderem von Koechlin, d´Indy und Pierné), unter denen die beiden Quintette von Gabriel Fauré und das seines Schülers Florent Schmitt herausragen.

Das Opus 51, entstanden in Nachbarschaft zum Ballett La tragédie de Salomé, ist eines der zentralen Werke Schmitts. Es wurde 1902 in Rom begonnen, mehrfach sorgfältig überarbeitet und erst 1908 in Argelès in Südfrankreich fertiggestellt. Die Besetzung bietet alle Voraussetzungen für eine großräumige, fast sinfonische Anlage, und so erreicht das Quintett mit seinen drei Sätzen auch eine Spieldauer von über 50 Minuten – eine wahre Tour de force für die Spieler und möglicherweise auch ein Grund dafür, dass man ihm so selten im Konzertsaal begegnet. Es ist handwerklich meisterhaft gearbeitet, stark kontrapunktisch empfunden und mit vielfältigen thematischen Bezügen zwischen den Sätzen ausgestattet. Gefühlsmäßig durchmisst es alle Höhen und Tiefen, ohne sich darin zu verlieren. Energische Aufschwünge wechseln mit nostalgischen Abschnitten, heftige Ausbrüche mit Momenten großer Zärtlichkeit, Trauer und Ironie mit Optimismus und überschwenglicher Lebensfreude. Die Höhepunkte sind überlegt angesteuert und grandios gesetzt.

Eine wunderbare Ergänzung dazu – quasi das Satyrspiel nach dem Drama – bilden die 1939 komponierten Hasards, vier kurze Stücke für Klavier und Streichtrio. Sie stellen eine überzeugende Antwort des in der Spätromantik verwurzelten Meisters auf die Strömungen der Zeit dar: sparsam, witzig und jugendfrisch.

Das Label Timpani, das sich in beispielhafter Weise für unbekannte französische Werke engagiert, hat für die Aufnahme dem vorzüglichen Stanislas Quartett aus Nancy, das 2009 sein fünfundzwanzigjähriges Bestehen feiern kann, den mit allen Wassern der Moderne und des ausgefallenen Repertoires gewaschenen Pianisten Christian Ivaldi an die Seite gestellt, der den notenreichen, zeitweilig in vier Systemen notierten Klaviersatz Schmitts souverän bewältigt. Dass das Booklet der – wie immer bei Timpani – sorgfältig und ansprechend präsentierten CD keine deutsche Übersetzung enthält, sollte niemand davon abhalten, mit dieser eindrucksvollen Musik, die bei mehrfachem Hören immer neue Reize offenbart, Bekanntschaft zu schließen!

Sixtus König † [16.02.2009]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Schmitt Quintett op. 51 für Klavier und Streichquartett 00:55:41
4 Hasards (Petit concert en quatre parties) 00:14:42

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Christian Ivaldi Klavier
Quatuor Stanislas Ensemble
 
1C1152;3377891311520

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