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CD-Besprechung

J. Michael Haydn Sacred Music for the Season of Lent

J. Michael Haydn<br />Sacred Music for the Season of Lent

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 4

Klangqualität:
Klangqualität: 6

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 5

Besprechung: 17.09.08

Hungaroton HCD 32567

1 CD • 51min • 2007

Der Beiheft-Autor des vorliegenden Michael-Haydn-Programms mit vier Passionsmessen und einer Graduale-Vertonung zum Palmsonntag hat Recht, wenn er den jüngeren Haydn-Bruder Michael (1737-1806) in den lebenslangen Schatten des großen Joseph stellt. Er hat jedoch Unrecht, dies als tragisch zu bewerten, weil Michael Haydn zeit seines Lebens eine durchaus vergleichbare Wertschätzung genoß. Lediglich sein Talent und sein Selbstverständnis als ein fleißig schaffender Künstler, der seinem Aufgaben- und Wirkungskreis in Salzburg lebenslang treu verbunden geblieben ist, führte zu einer weniger spektakulären Würdigung. Nicht zustimmen kann man auch der Behauptung von einem Schattendasein Michaels in der gegenwärtigen Forschung, in Werk- und Medienpflege. Ein flüchtiger Blick in den aktuellen Bielefelder Katalog Klassik 2008 oder in die Verlagskataloge gedruckter Neuausgaben hätte den Autor schnell eines Besseren belehrt. Ebenso die Erfassung seines Gesamtschaffens in dem jüngst publizierten Werkkatalog, dessen MH-Werknummern von der aktuellen Hungaroton-Produktion bereits übernommen worden sind (CH. H. Sherman und T. D. Thomas: J. M. Haydn. A Chronological Thematic Catalogue of His Works, Stuyvesant/N.Y. 1993).

Gravierender aber ist die Tatsache, daß auch das klingende Ergebnis der CD ein wesentliches Stilmerkmal der Kirchenmusik Michael Haydns übersieht oder zumindest vernachlässigt. Im Eifer einer möglichst „authentischen“ und perfektioniert dargebotenen Interpretation wird die liturgische Funktion mehr oder weniger verkannt. Die religiös-semantische Dimension der scheinbar schlichten Satztechniken, die das Wort- und Verkündigungsgeschehen des rituellen Hochamtes, „Wunder des Glaubens“, in den Mittelpunkt rücken und die Musik zum Diener machen, bleibt verborgen. Das beginnt an der sauber intonierten, allzu Sopran-lastigen „Klangoberfläche“ mit schlecht artikulierten Texten und endet mit völliger Verkennung der religiösen Gefühlsinhalte. Eine oft überzogene Tempowahl mit viel zu hurtig dahinhüpfenden Adagio-Larghetto- oder Andante-Partien der Generalbaßbegleitung (Track 2, 8, 10, 16, 17) entbehrt jeder überzeugenden Begründung.

Man hat das Gefühl, daß die Mitwirkenden gar nicht ahnen, in welchem geistlichen Rahmen die von ihnen vor laufenden Mikrophonen produzierte Musik zu verstehen ist. Dabei ist speziell das kirchenmusikalische Schaffen Michael Haydns für die im 19. Jahrhundert wegweisenden Bestrebungen des Caecilianismus bei der Restaurierung des Palestrina-Stils (d.h. Wortverständlichkeit liturgischer Texte) zum Vorbild geworden. Die alte Diskrepanz zwischen einer Musik im Andachtsraum, hier als feierliche Überhöhung der Konsekration von Brot und Wein (Abendmahl), und der studiomäßigen Werkaufzeichnung für ein stimmungsvolles Ambiente im privaten Wohnzimmer scheint unaufhebbar zu sein. Wer allerdings mit Hilfe des Hörens dieser Passionsmessen eines der üblichen Chorkonzerte zur musikalischen Erbauung erwartet, der wird durchaus ein Wohlgefallen an den Darbietungen des ungarischen Purcell-Chores finden können.

Dr. Gerhard Pätzig [17.09.2008]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 M. Haydn Missa Tempore Quadragesimae MH 553 K I/19 00:11:45
8 Missa pro Quadragesima MH 551 K I/20 (Secundum Cantum Choralem) 00:10:19
14 Missa Quadragesimalis MH 552 K I/3 00:11:38
22 Graduale per Dominica Palmarum MH 695 K IIa/27 00:01:34
23 Missa Sanctae Crucis MH 56 K I/16 00:15:29

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Purcell Choir Chor
Orfeo Orchestra Orchester
György Vashegyi Dirigent
 
HCD 32567;5991813256720

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