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CD-Besprechung

cpo 777 095-2

3 CD • 2h 46min • 2002

06.06.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

„Furioso“ – damit ist diese Oper aus dem Jahr 1727 treffend charakterisiert. So wild und stürmisch-brausend geht es bei Vivaldi höchstens in Konzertstücken wie La Tempesta di mare zu. Gleich die ersten Töne überfallen einen gleichsam wie mit Tigerkrallen. Im Lauf des langen Handlungsvorgangs kommt es immer wieder zu heftigen Brandungen und nur selten zu Ruhemomenten. Diese sind allerdings die musikalischen Perlen der Partitur. Die gefühlvollen Arien der Angelica oder Ruggieros sind wahre Prachtstücke barocker Opernmusik. Der dramatische Furor des Stücks hat mit der Hauptperson, dem Kriegshelden Orlando zu tun, der aus Eifersucht den Verstand verliert, diesen aber nach längerer Raserei glücklicherweise wiederfindet. Die packenden Szenen von Orlandos psychischer Verwirrung weisen Vivaldi als profunden Kenner des menschlichen Seelenlabyrinths aus.

Die Wiedergabe durch das präzis und schwungvoll musizierende Ensemble Modo Antiquo unter Federico Maria Sardelli hebt das Erregte, Heftige der Musik scharf hervor. Vivaldis alte Oper erscheint durch diese ungebärdige Vitalität wie von Frühlingslüften erfrischt und belebt. Die Aufnahme kann zwar keine so glänzende Namen aufweisen wie die Ersteinspielung aus dem Jahr 1978 (mit Marilyn Horne als Orlando), es wird aber ein Ensemble präsentiert, das stilistisch vollkommen sattelfest ist und keinen schwachen Punkt aufweist. Die ungeheuerlichen Schwierigkeiten der Vokalpartien werden mit erstaunlicher Souveränität bewältigt. Die gesangliche Schulung hat in jüngerer Zeit gewaltige Fortschritte gemacht, vor allem auf dem Gebiet der barocken Musik. Die Sängerinnen wetteifern da in den kompliziertesten Tonverschlingungen, das meiste in rasantem Tempo. Die Damen Desler, De Liso, Sciannimanico (Mezzosoprane) und Kennedy (Sopran) imponieren mit Kunstfertigkeit und Intensität des Vortrags. Dasselbe gilt für die Herren Dordolo (Tenor) und Kronthaler (Baß). Eine einzige Partie (Ruggiero) ist mit einem Altsänger besetzt: Thierry Gregoire erfreut durch weichen, edlen Gesangston. Vivaldi hat die Hauptrollen seiner Oper Orlando Furioso – entgegen der Zeitströmung – nicht mit Kastraten, sondern mit Frauenstimmen besetzt, somit auch die männlichen Rollen wie Orlando und Bradamante.

Der vollkommen gelungenen Aufnahme ist ein ausführliches Begleitbuch beigegeben, das über die Entstehung des Werks, außerdem auch über das interessante Schicksal von Vivaldis Notenarchiv berichtet. Das Libretto gibt es in italienischer, deutscher, englischer Sprache.

Vergleichsaufnahme: Claudio Scimone, Teldec 2292 45 147-2

Clemens Höslinger [06.06.2008]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Antonio Vivaldi
1Orlando furioso RV 728 (Dramma per musica)

Interpreten der Einspielung

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